Kübeln. Der alte Gärtner hatte noch weissere Haare als sein Herr. Er war ebenfalls ungewöhnlich gekleidet, nur konnte ich bei ihm das Ungewöhnliche nicht finden. Das fiel mir auf, dass er viel reines Weiss an sich hatte, welches im Vereine mit seiner weissen Schürze mich eher an einen Koch als an einen Gärtner erinnerte.
Dass die schmale Seite des Gewächshauses von aussen mit Rosen bekleidet sei, wie die Südseite des Wohnhauses, fiel mir wieder auf, aber es berührte mich nicht unangenehm.
Die alte Gattin des Gärtners, die wir in der wohnung desselben fanden, war eben so weissgekleidet wie ihr Mann. An die Gärtnerswohnung stiessen die Kammern der Gehilfen.
"Jetzt habt Ihr alles gesehen," sagte mein Gastfreund, da wir aus diesen Kammern traten, "ausser den Gastzimmern, die ich Euch zeigen werde, wenn Ihr es verlangt, und der wohnung meines Ziehsohnes, die wir aber jetzt nicht betreten können, weil wir ihn in seinem Lernen stören würden."
"Wir wollen das auf eine spätere Stunde lassen, in der ich Euch daran erinnern werde," sagte ich, "jetzt habe ich aber ein anderes Anliegen an Eure Güte, das mir näher am Herzen ist."
"Und dieses nähere Anliegen?" fragte er.
"Dass Ihr mir endlich sagt," antwortete ich, "wie Ihr zu einer so entschiedenen Gewissheit in Hinsicht des Wetters gekommen seid."
"Der Wunsch ist ein sehr gerechter," entgegnete er, "und um so gerechter, als Eure Meinung über das Gewitter der Grund gewesen ist, weshalb Ihr zu unserem haus herauf gegangen seid, und als unser Streit über das Gewitter der Grund gewesen ist, dass Ihr länger da geblieben seid. Gehen wir aber gegen das Bienenhaus, und setzen wir uns auf eine Bank unter eine Linde. Ich werde Euch auf dem Wege und auf der Bank meine Sache erzählen."
Wir schlugen einen breiten Sandpfad ein, der anfangs von grösseren Obstbäumen und später von hohen, schattenden Linden begrenzt war. Zwischen den Stämmen standen Ruhebänke, auf dem Sande liefen pickende Vögel, und in den Zweigen wurde heute wieder das Singen vollbracht, welches ich gestern schon wahrgenommen hatte.
"Ihr habt die Sammlung von Werkzeugen der Naturlehre in meiner wohnung gesehen," fing mein Begleiter an, als wir auf dem Sandwege dahin gingen, "sie erklären schon einen teil unserer Sache."
"Ich habe sie gesehen," antwortete ich, "besonders habe ich das Barometer, Termometer, so wie einen Luftblau und Feuchtigkeitsmesser bemerkt; aber diese Dinge habe ich auch, und sie haben eher, da ich sie vor meiner Wanderung beobachtete, auf einen Niederschlag als auf sein Gegenteil gedeutet."
"Das Barometer ist gefallen", erwiderte er, "und wies auf geringeren Luftdruck hin, mit welchem sehr oft der Eintritt von Regen verbunden ist."
"Wohl", sagte ich.
"Der Zeiger des Feuchtigkeitsmessers", fuhr er fort, "rückte mehr gegen den Punkt der grössten Feuchtigkeit."
"Ja, so ist es gewesen", antwortete ich.
"Aber der Elektrizitätsmesser", sagte er, "verkündigte wenig Luftelektrizitat, dass also eine Entladung derselben, womit in unseren Gegenden gerne Regen verbunden ist, nicht erwartet werden konnte."
"Ich habe wohl auch die nämliche Beobachtung gemacht," entgegnete ich, "aber die elektrische Spannung steht nicht so sehr im Zusammenhange mit Wetterveränderungen, und ist meistens nur ihre Folge. Zudem hat sich gestern gegen Abend Elektrizität genug entwickelt, und alle Anzeichen, von denen Ihr redet, verkündeten einen Niederschlag"
"Ja, sie verkündeten ihn, und er ist erfolgt", sagte mein Begleiter; "denn es bildeten sich aus den unsichtbaren Wasserdünsten sichtbare Wolken, die ja wohl sehr fein zerteiltes wasser sind. Da ist der Niederschlag. Auf die geringe elektrische Spannung legte ich kein Gewicht; ich wusste, dass, wenn einmal Wolken entstünden, sich auch hinlängliche Elektrizität einstellen würde. Die Anzeichen, von denen wir geredet haben, beziehen sich aber nur auf den kleinen Raum, in dem man sich eben befindet, man muss auch einen weiteren betrachten, die Bläue der Luft und die Gestaltung der Wolken."
"Die Luft hatte schon gestern vormittags die tiefe und finstere Bläue," erwiderte ich, "welche dem Regen vorangeht, und die Wolkenbildung begann bereits am Mittage, und schritt sehr rasch vorwärts."
"Bis hieher habt Ihr recht," sagte mein Begleiter, "und die natur hat Euch auch recht gegeben, indem sie eine ungewöhnliche Menge von Wolken erzeugte. Aber es gibt auch noch andere Merkmale, als die wir bisher besprochen haben, welche Euch entgangen sind. Ihr werdet wissen, dass Anzeichen bestehen, welche nur einer gewissen Gegend eigen sind und von den Eingebornen verstanden werden, denen sie von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden sind. Oft vermag die Wissenschaft recht wohl den Grund der langen Erfahrung anzugeben. Ihr wisst, dass in Gegenden ein kleines Wölklein an einer bestimmten Stelle des himmels, der sonst rein ist, erscheinend und dort schweben bleibend ein sicherer Gewitteranzeiger für diese Gegend ist, dass ein trüberer Ton an einer gewissen Stelle des himmels, ein Windstoss aus einer gewissen Gegend her Vorboten eines Landregens sind, und dass der Regen immer kommt. Solche Anzeichen hat auch diese Gegend, und es sind gestern keine eingetreten, die auf Regen wiesen."
"Merkmale, die nur dieser