, dann von Verkleidungen, Fussböden, Zimmerdecken, Nischen, und endlich sogar von Baugegenständen, Treppenhäusern und Seitenkapellen. Man war mit grosser Zweifelsucht und Gewissenhaftigkeit zu Werke gegangen; manche Zeichnung war vier-, ja fünfmal vorhanden, und jedes Mal verändert und verbessert. Die letzten waren stets mit Farben angegeben, und dies besonders deutlich, wenn die Gegenstände in Holz oder Marmor auszuführen waren. Ich fragte, ob einige dieser Dinge ausgeführt worden sind.
"Freilich," antwortete mein Begleiter, "wozu wären denn so viele Zeichnungen angefertigt worden? Alle Gegenstände, die Ihr öfter gezeichnet sahet, und deren letzte Zeichnung in Farben angegeben ist, sind in Wirklichkeit ausgearbeitet worden. Diese Zeichnungen sind die Pläne und Vorlagen zu den neuen Geräten, auf deren Verfertigung, wie ich früher sagte, wir geraten sind. Wenn Ihr einmal in den Ort, von dem ich Euch gesagt habe, dass er mehrere entält, kommen solltet, so würdet Ihr dort nicht nur viele von denen, die hier gezeichnet sind, sehen, sondern auch solche, die zusammen gehören und ein Ganzes bilden."
"Wenn man diese Zeichnungen betrachtet," sagte ich, "und wenn man die anderen betrachtet, welche ich früher gesehen habe, so kommt man auf den Gedanken, dass die Bauwerke einer Zeit und die Geräte, welche in diesen Bauwerken sein sollten, eine Einheit bilden, die nicht zerrissen werden kann."
"Allerdings bilden sie eine," erwiderte er, "die Geräte sind ja die Verwandten der Baukunst, etwa ihre Enkel oder Urenkel, und sind aus ihr hervorgegangen. Dieses ist so wahr, dass ja auch unsere heutigen Geräte zu unserer heutigen Baukunst gehören. Unsere Zimmer sind fast wie hohle Würfel oder wie Kisten, und in solchen stehen die geradlinigen und geradflächigen Geräte gut. Es ist daher nicht ohne Begründung, wenn die viel schöneren altertümlichen Geräte in unseren Wohnungen manchen Leuten einen unheimlichen Eindruck machen, sie widersprechen der wohnung; aber hierin haben die Leute unrecht, wenn sie die Geräte nicht schön finden, die wohnung ist es, und diese sollte geändert werden. Darum stehen in Schlössern und altertümlichen Bauten derlei Geräte noch am schönsten, weil sie da eine ihnen ähnliche Umgebung finden. Wir haben aus diesem Verhältnisse Nutzen gezogen und aus unseren Zeichnungen der Bauwerke viel für die Zusammenstellung unserer Geräte gelernt, die wir eben nach ihnen eingerichtet haben."
"Wenn man so viele dieser Dinge in so vielen Abbildungen vor sich sieht, wie wir jetzt getan haben," sagte ich, "so kann man nicht umhin, einen grossen Eindruck zu empfinden, den sie machen."
"Es haben sehr tiefsinnige Menschen vor uns gelebt," erwiderte er, "man hat es nicht immer erkannt, und fängt erst jetzt an, es wieder ein wenig einzusehen. Ich weiss nicht, ob ich es Rührung oder Schwermut nennen soll, was ich empfinde, wenn ich daran denke, dass unsere Voreltern ihre grössten und umfassendsten Werke nicht vollendet haben. Sie mussten auf eine solche Ewigkeit des Schönheitsgefühles gerechnet haben, dass sie überzeugt waren, die Nachwelt werde an dem weiter bauen, was sie angefangen haben. Ihre unfertigen Kirchen stehen wie Fremdlinge in unserer Zeit. Wir haben sie nicht mehr empfunden, oder haben sie durch hässliche Aftergebilde verunstaltet. Ich möchte jung sein, wenn eine Zeit kommt, in welcher in unserem vaterland das Gefühl für diese Anfänge so gross wird, dass es die Mittel zusammenbringt, diese Anfänge weiter zu führen. Die Mittel sind vorhanden, nur werden sie auf etwas anderes angewendet, so wie man diese Bauwerke nicht aus Mangel der Mittel unvollendet liess, sondern aus anderen Gründen."
Ich sagte nach diesen Worten, dass ich in dem berührten Punkte weniger unterrichtet sei; aber in einem anderen Punkte könnte ich vielleicht etwas sagen, nämlich in Hinsicht der Zeichnungen. "Ich habe durch längere Zeit her Pflanzen, Steine, Tiere und andere Dinge gezeichnet, habe mich sehr geübt, und dürfte daher etwa ein Urteil wagen können. Diese Zeichnungen erscheinen mir in Reinheit der Linien, in Richtigkeit des Perspektives, in kluger Hinstellung Jedes Körperteiles und in passender Anwendung der Farben als ganz vortrefflich, und ich fühle mich gedrungen, dieses zu sagen."
Der Meister sagte zu diesem Lobe nichts, sondern er senkte den blick zu Boden, meinen Gastfreund aber schien mein Urteil zu freuen.
Er bedeutete den Meister, die Mappe zusammen zu binden und in die Lade zu legen, was auch geschah.
Wir gingen von diesem Zimmer in die weiteren Räume des Schreinerhauses. Als wir Über die Schwelle schritten, dachte ich, dass ich von altertümlichen Gegenständen trotz der Sammlungen meines Vaters, von denen ich doch lebenslänglich umgeben gewesen war, eigentlich bisher nicht viel verstanden habe und erst lernen müsse.
Von dem Zimmer der Zeichnungen gingen wir in das Wohnzimmer des Meisters, welches neben den gewöhnlichen Gerätstücken ebenfalls Zeichnungstische und Staffeleien entielt. Es war eben so freundlich eingerichtet wie das Zimmer der Zeichnungen.
Auch die Zimmer der Gehilfen besuchten wir, und betraten dann die Nebenräume. Es waren dies Räume, die zu verschiedenen Gegenständen, die eine solche Anstalt fordert, notwendig sind. Der vorzüglichste war das Trockenhaus, welches hinter der Schreinerei angebracht war, aus der man in die untere und obere Abteilung desselben gelangen konnte. Es hatte den Zweck, dass in ihm alle Gattungen von Holz, die man hier verarbeitete, jenen Zustand der Trockenheit erreichen konnten, der in Geräten notwendig ist,