worden. Indessen wuchs die Zahl der gesammelten Gegenstände immer mehr, und deutete schon auf die künftige Anstalt hin. Als man in Erfahrung brachte, dass ich altertümliche Gegenstände kaufe, brachte man mir solche, oder zeigte mir die Orte an, wo sie zu finden wären. Auch vereinigten sich mit uns hie und da Männer, welche auf die Dinge des Altertums ihr Augenmerk richteten, uns darüber schrieben, und wohl auch Zeichnungen einsandten. So erweiterte sich unser Kreis immer mehr. Ungehörige Ausbesserungen aus früheren zeiten gaben ebenfalls Stoff zu erneuerter Arbeit, und da wir anfangs auch an verschiedenen Orten arbeiten liessen, und häufig genötigt waren, die Orte zu wechseln, ehe wir uns hier niederliessen, so verschleppte sich manche Zeit, und die Arbeitsgegenstände mehrten sich. Endlich gerieten wir auch auf den Gedanken, neue Gegenstände zu verfertigen. Wir gerieten auf ihn durch die alten Dinge, die wir immer in den Händen hatten. Diese neuen Gegenstände wurden aber nicht in der Gestalt gemacht, wie sie jetzt gebräuchlich sind, sondern wie wir sie für schön hielten. Wir lernten an dem Alten; aber wir ahmten es nicht nach, wie es noch zuweilen in der Baukunst geschieht, in der man in einem Stile, zum Beispiele in dem sogenannten gotischen, ganze Bauwerke nachbildet. Wir suchten selbstständige Gegenstände für die jetzige Zeit zu verfertigen mit Spuren des Lernens an vergangenen zeiten. Haben ja selbst unsere Vorfahrer aus ihren Vorfahrern geschöpft, diese wieder aus den ihrigen, und so fort, bis man auf unbedeutende und kindische Anfänge stösst. Überall aber sind die eigentlichen Lehrmeister die Werke der natur gewesen."
"Sind solche neugemachte Gegenstände in Eurem haus vorhanden?" fragte ich.
"Nichts von Bedeutung," antwortete er, "einige sind an verschiedenen Punkten der Gegend zerstreut, einige sind in einem anderen Orte als in diesem haus gesammelt. Wenn Ihr Lust zu solchen Dingen habt, oder sie in Zukunft fassen solltet, und Euer Weg Euch wieder einmal hieher führt, so wird es nicht schwer sein, Euch an den Ort zu geleiten, wo Ihr mehrere unserer besten Gegenstände sehen könnt."
"Es sind der Wege sehr verschiedene," erwiderte ich, "die die Menschen gehen, und wer weiss es, ob der Weg, der mich wegen eines Gewitters zu Euch herauf geführt hat, nicht ein sehr guter Weg gewesen ist, und ob ich ihn nicht noch einmal gehe."
"Ihr habt da ein sehr wahres Wort gesprochen," antwortete er, "die Wege der Menschen sind sehr verschiedene. Ihr werdet dieses Wort erst recht einsehen, wenn Ihr älter seid."
"Und habt Ihr dieses Haus eigens zu dem Zwecke der Schreinerei erbaut?" fragte ich weiter.
"Ja," antwortete er, "wir haben es eigens zu diesem Zwecke erbaut. Es ist aber viel später entstanden als das Wohnhaus. Da wir einmal so weit waren, die Sachen zu haus machen zu lassen, so war der Schritt ein ganz leichter, uns eine eigene Werkstätte hiefür einzurichten. Der Bau dieses Hauses war aber bei weitem nicht das Schwerste, viel schwerer war es, die Menschen zu finden. Ich hatte mehrere Schreiner, und musste sie entlassen. Ich lernte nach und nach selber, und da trat mir der Starrsinn, der Eigenwille und das Herkommen entgegen. Ich nahm endlich solche Leute, die nicht Schreiner waren und sich erst hier unterrichten sollten. Aber auch diese hatten wie die frühern eine Sünde, welche in arbeitenden Ständen und auch wohl in andern sehr häufig ist, die Sünde der Erfolggenügsamkeit oder der Fahrlässigkeit, die stets sagt: 'Es ist so auch recht', und die jede weitere Vorsicht für unnötig erachtet. Es ist diese Sünde in den unbedeutendsten und wichtigsten Dingen des Lebens vorhanden, und sie ist mir in meinen früheren Jahren oft vorgekommen. Ich glaube, dass sie die grössten Übel gestiftet hat. Manche Leben sind durch sie verloren gegangen, sehr viele andere, wenn sie auch nicht verloren waren, sind durch sie unglücklich oder unfruchtbar geworden, Werke, die sonst entstanden wären, hat sie vereitelt, und die Kunst, und was mit derselben zusammenhängt, wäre mit ihr gar nicht möglich. Nur ganz gute Menschen in einem Fache haben sie gar nicht, und aus denen werden die Künstler, Dichter, Gelehrten, Staatsmänner und die grossen Feldherren. Aber ich komme von meiner Sache ab. In unserer Schreinerei machte sie bloss, dass wir zu nichts Wesentlichem gelangten. Endlich fand ich einen Mann, der nicht gleich aus der Arbeit ging, wenn ich ihn bekämpfte; aber innerlich mochte er recht oft erzürnt gewesen sein und über Eigensinn geklagt haben. Nach Bemühungen von beiden Seiten gelang es. Die Werke gewannen Einfluss, in denen das Genaue und Zweckmässige angestrebt war, und sie wurden zur Richtschnur genommen. Die Einsicht in die Schönheit der Gestalten wuchs, und das Leichte und Feine wurde dem Schweren und Groben vorgezogen. Er las Gehilfen aus und erzog sie in seinem Sinne. Die Begabten fügten sich bald. Es wurde die Chemie und andere Naturwissenschaften hergenommen, und im Lesen schöner Bücher wurde das Innere des Gemütes zu bilden versucht."
Er ging nach diesen Worten gegen den Mann, der mit dem Aussuchen der Hölzer nach dem vor ihm liegenden Plane der Tischplatte beschäftigt war, und sagte: "Wollt Ihr nicht die Güte haben, uns einige Zeichnungen zu zeigen, Eustach?"
Der junge Mann, an den diese Worte