zeigten. Von Geräten befand sich in dem Zimmer gar nichts als in der Mitte desselben ein langer Tisch, um Bücher darauflegenzukönnen. In seiner Lade waren die Verzeichnisse der Sammlung. Wir gingen bei dieser allgemeinen Beschauung des Hauses nicht näher auf den Inhalt der vorhandenen Bücher ein.
Neben dem Bücherzimmer war ein Lesegemach. Es war klein und hatte nur ein Fenster, das zum Unterschiede aller anderen Fenster des Hauses mit grünseidenen Vorhängen versehen war, während die anderen grauseidne Rollzüge besassen. An den Wänden standen mehrere Arten von Sitzen, Tischen und Pulten, so dass für die grösste Bequemlichkeit der Leser gesorgt war. In der Mitte stand wie im Bücherzimmer ein grosser Tisch oder Schrein – denn er hatte mehrere Laden –, der dazu diente, dass man Tafeln, Mappen, Landkarten und dergleichen auf ihm ausbreiten konnte. In den Laden lagen Kupferstiche. Was mir in diesem Zimmer auffiel, war, dass man nirgends Bücher oder etwas, das an den Zweck des Lesens erinnerte, herumliegen sah.
Nach dem Lesegemache kam wieder ein grösseres Zimmer, dessen Wände mit Bildern bedeckt waren. Die Bilder hatten lauter Goldrahmen, waren ausschliesslich Ölgemälde, und reichten nicht höher, als dass man sie noch mit Bequemlichkeit betrachten konnte. Sonst hingen sie aber so dicht, dass man zwischen ihnen kein Stückchen Wand zu erblicken vermochte. Von Geräten waren nur mehrere Stühle und eine Staffelei da, um Bilder nach gelegenheit aufstellen und besser betrachten zu können. Diese Einrichtung erinnerte mich an das Bilderzimmer meines Vaters.
Das Bilderzimmer führte durch die dritte Tür des Marmorsaales wieder in denselben zurück, und so hatten wir die Runde in diesen Gemächern vollendet.
"Das ist nun meine wohnung," sagte mein Begleiter, "sie ist nicht gross und von ausserordentlicher Bedeutung, aber sie ist sehr angenehm. In dem anderen Flügel des Hauses sind die Gastzimmer, welche beinahe alle dem gleichen, in welchem Ihr heute nacht geschlafen habt. Auch ist Gustavs wohnung dort, die wir aber nicht besuchen können, weil wir ihn sonst in seinem Lernen stören würden. Durch den Saal und über die Treppe können wir nun wieder in das Freie gelangen."
Als wir den Saal durchschritten hatten, als wir über die Treppe hinabgegangen und zu dem Ausgange des Hauses gekommen waren, legten wir die Filzschuhe ab, und mein Begleiter sagte: "Ihr werdet Euch wundern, dass in meinem haus Teile sind, in welchen man sich die Unbequemlichkeit auflegen muss, solche Schuhe anzuziehen; aber es kann mit Fug nicht anders sein, denn die Fussböden sind zu empfindlich, als dass man mit gewöhnlichen Schuhen auf ihnen gehen könnte, und die Abteilungen, welche solche Fussböden haben, sind ja auch eigentlich nicht zum Bewohnen, sondern nur zum Besehen bestimmt, und endlich gewinnt sogar das Besehen an Wert, wenn man es mit Beschwerlichkeiten erkaufen muss. Ich habe in diesen Zimmern gewöhnlich weiche Schuhe mit Wollsohlen an. In mein Arbeitszimmer kann ich auch ohne allen Umweg gelangen, da ich in dasselbe nicht durch den Saal gehen muss, wie wir jetzt getan haben, sondern da von dem Erdgeschosse ein gang in das Zimmer hinaufführt, den Ihr nicht gesehen haben werdet, weil seine beiden Enden mit guten Tapetentüren geschlossen sind. Der Pfarrer von Rohrberg leidet an der Gicht und verträgt heisse Füsse nicht, daher belege ich für ihn, wenn er anwesend ist, die Treppe oder die Zimmer mit einem Streifen von Wollstoff, wie Ihr es gestern gesehen habt."
Ich antwortete, dass die Vorrichtung sehr zweckmässig sei, und dass sie überall angewendet werden muss, wo kunstreiche oder sonst wertvolle Fussböden zu schonen sind.
Da wir nun im Garten waren, sagte ich, indem ich mich umwendete und das Haus betrachtete: "Eure wohnung ist nicht, wie Ihr sagt, von geringer Bedeutung. Sie wird, so viel ich aus der kurzen Besichtigung entnehmen konnte, wenige ihres Gleichen haben. Auch hatte ich nicht gedacht, dass das Haus, wenn ich es so von der Strasse aus sah, eine so grosse Räumlichkeit in sich hätte."
"So muss ich Euch nun auch noch etwas anderes zeigen," erwiderte er, "folgt mir ein wenig durch jenes Gebüsch." Er ging nach diesen Worten voran, ich folgte ihm. Er schlug einen Weg gegen dichtes Gebüsch ein. Als wir dort angekommen waren, ging er auf einem schmalen Pfade durch dessen Verschlingung fort. Endlich kamen sogar hohe Bäume, unter denen der Weg dahin lief. Nach einer Weile tat sich ein anmutiger Rasenplatz vor uns auf, der wieder ein langes, aus einem Erdgeschosse bestehendes Gebäude trug. Es hatte viele Fenster, die gegen uns hersahen. Ich hatte es früher weder von der Strasse aus erblickt, noch von den Stellen des Gartens, auf denen ich gewesen war. Vermutlich waren die Bäume daran schuld, die es umstanden. Da wir uns näherten, ging ein feiner Rauch aus seinem Schornsteine empor, obwohl, da es Sommer war, keine Einheizzeit, und da es noch so früh am Vormittage war, keine Kochzeit die Ursache davon sein konnte. Als wir näher kamen, hörte ich in dem haus ein Schnarren und Schleifen, als ob in ihm gesägt und gehobelt würde. Da wir eingetreten waren, sah ich in der Tat eine Schreinerwerkstätte vor mir, in welcher tätig gearbeitet wurde. An den Fenstern, durch welche reichliches Licht hereinfiel, standen die Schreinertische, und an den übrigen Wänden, welche fensterlos waren, lehnten Teile der in Arbeit begriffenen