tod das Haus in der Art wie bisher fort bewirtschaften, damit, wie er sagte, er seinen Nachsommer bis zum Ende ausgeniessen könne. Unser Rat und unsere Hilfe in der Bewirtschaftung wird ihm Freude machen. Einen namhaften teil seiner Barschaft hatte er uns übergeben. Und weil öfter zwei Familien in dem Asperhofe sein können, so lagen den Papieren Plane bei, dass auf einem schönen platz zwischen dem Rosenhause und dem Meierhofe hart am Getreide ein neues Haus aufgeführt und sogleich zum Baue geschritten werden möge. Aber auch das von dem Vater uns Übergebene war der gesamten Habe Risachs ebenbürtig, und übertraf weit meine Erwartungen. Als wir unsern Dank abstatteten und ich mein Befremden ausdrückte, sagte der Vater: "Du kannst darüber ganz ruhig sein; ich tue mir und Klotilden keinen Abbruch. Ich habe auch meine heimlichen Freuden und meine Leidenschaften gehabt. Das geben verachtete bürgerliche Gewerbe eben, bürgerlich und schlicht betrieben. Was unscheinbar ist, hat auch seinen Stolz und seine Grösse. Jetzt aber will ich der Schreibstubenleidenschaft, die sich nach und nach eingefunden, Lebewohl sagen und nur meinen kleineren Spielereien leben, dass ich auch einen Nachsommer habe wie dein Risach."
Als wir einige Zeit in dem Rosenhause verweilt hatten, traten eines Tages Natalie und ich zu unserem neuen Vater und baten ihn, er möge ein Versprechen von uns annehmen, dessen Annahme uns sehr freuen würde.
"Und was ist das?" fragte er.
"Dass wir, wenn du uns dereinst in dieser Welt früher verlassen solltest als wir dich, keine Veränderung in allem, wie es sich in dem haus und in der Besitzung vorfindet, machen wollen, damit dein teures Andenken bestehe und forterbe", sagten wir.
"Da tut ihr zu viel," antwortete er, "ihr versprecht etwas, dessen Grösse ihr nicht kennt. Diese Bande darf ich nicht um euren Willen und eure Verhältnisse legen, sie könnten von den übelsten Folgen sein. Wollt ihr mein Gedächtnis in mannigfachem Bestehenlassen ehren, tut es, und pflanzt auch euren Nachkommen diesen Sinn ein sonst ändert, wie ihr wünscht, und wie es not tut. Wir wollen, so lange ich lebe, selber noch mit einander ändern, verschönern, bauen; ich will noch eine Freude haben, und mit euch zu ändern und zu wirken ist mir lieber, als wenn ich es allein tue."
"Aber der Erlenbach muss als Denkmal der schönen Geräte bestehen bleiben."
"Setzt eine Urkunde auf, dass ihm nichts angetan werde von Geschlecht zu Geschlecht, bis seine Reste vermodern, oder ein Wolkenguss ihn von seiner Stelle feget."
Er küsste Natalien, wie er gerne tat, auf die Stirne, mir reichte er die Hand.
Als die Rosenzeit wirklich recht innig und zum Staunen meiner Angehörigen, welche so etwas nie gesehen hatten, vorüber gegangen war, nahmen wir Abschied, die Vereinigung, welche nun so lange bestanden hatte, löste sich, und die Tage kehrten in ihren gewöhnlichen Abfluss zurück. Meine Eltern gingen mit Klotilden in den Gusterhof, wo sie bis zum Winter bleiben wollten, und ich siedelte mit Natalien in unsere ständige wohnung, in den Sternenhof über. Wir sollten nun die eigentliche Familie desselben sein, Matilde werde bei uns wohnen und mit an unserem Tische speisen. Die Bewirtschaftung des Gutes sollte ebenfalls ich leiten. Ich übernahm die Pflicht und bat um Matildens Beihilfe, so ausgedehnt sie dieselbe leisten wolle. Sie sagte es zu.
So rückte nun die Zeit in ihr altes Recht, und ein einfaches, gleichmässiges Leben ging Woche nach Woche dahin.
Nur im Herbste fand eine Abwechslung statt. Die Vettern aus dem Geburtshause des Vaters besuchten meine Eltern in dem Gusterhofe. Wir fuhren zu ihnen hinüber. Der Vater liess sie reichlich beschenkt in einem Wagen in ihre Heimat zurückführen.
Mit Beginn des Winters war Rolands Bild fertig. Es war seiner Grösse willen zu rollen, hatte einen grossen Goldrahmen, der zu zerlegen war, und wurde in dem Marmorsaale auf einer Staffelei aufgestellt. Wir reisten alle in den Asperhof. Das Bild wurde vielfach betrachtet und besprochen. Roland war in einer gehobenen, schwebenden Stimmung; denn was auch die Meinung seiner Umgebung war, wie sehr sie auch das Hervorgebrachte lobte und wohl auch Hindeutungen gab, was noch zu verbessern wäre: so mochte ihm sein Inneres versprechen, dass er einmal vielleicht noch weit Höheres, ja ein ganz Grosses zu stand zu bringen vermögen werde. Risach sagte ihm die Mittel zu, reisen zu können, und ordnete die Zubereitung zu einer baldigen Abreise nach Rom an. Gustav musste noch den Winter im Asperhofe zubringen. Im Frühlinge sollte er endlich in die Welt gehen.
So waren nun mannigfaltige Beziehungen geordnet und geknüpft.
Matilde hatte einmal, da ich sie im Sternenhofe besuchte, zu mir gesagt, das Leben der Frauen sei ein beschränktes und abhängiges, sie und Natalie hätten den Halt von Verwandten verloren, sie müssten manches aus sich schöpfen, wie ein Mann, und in dem Widerscheine ihrer Freunde leben. Das sei ihre Lage, sie daure ihrer natur nach fort und gehe ihrer Entwicklung entgegen. Ich hatte mir die Worte gemerkt und hatte sie tief ins Herz genommen.
Ein teil dieser Entwicklung, glaubte ich nun, war gekommen, der zweite wird mit Gustavs Ansiedlung eintreten. An mir hatten die Frauen wieder einen Halt gewonnen, dass sich ein fester Kern ihres Daseins wieder darstelle; ein neues Band war durch mich von ihnen zu den Meinigen geschlungen,