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. Ich bin dir ohnehin auch noch einen Dank schuldig für dein eifriges Lehren und für deine Begleitung im Gebirge."

"dafür habt Ihr mich bezahlt, und das Heutige tat ich freiwillig", sagte er.

"Warte nur einige Tage hier, dann wirst du empfangen, was ich meine", sprach ich.

"Ich warte gerne", erwiderte er.

"Du sollst gut gehalten sein", sagte ich.

Indessen waren alle andern auch herbeigekommen und überschütteten den Mann mit Lob. Risach lud ihn ein, eine Weile in seinem haus zu bleiben. Er spielte noch einige Weisen, er vergass beinahe, dass ihm jemand zuhöre, spielte sich hinein, und hörte endlich auf, ohne auf die Umstehenden Rücksicht zu nehmen, genau so, wie er es immer tat. Wir entfernten uns dann.

Ich rief sogleich den Hausverwalter herbei, sagte ihm, er möge mir einen Boten besorgen, welcher auf der Stelle in das Echertal abzugehen bereit sei. Der Hausverwalter versprach es. Ich schrieb einige Zeilen an den Zitermacher, legte das nötige Geld bei, versprach noch mehr zu senden, wenn es nötig sein sollte, und verlangte, dass er die dritte Ziter, welche die gleiche von der meinigen und der meiner Schwester sei, in eine Kiste wohlverpackt dem Boten mitgebe, der den Brief bringt. Der Bote erschien, ich gab ihm das Schreiben und die nötigen Weisungen, und er versprach, die heutige Nacht zu Hilfe zu nehmen und in kürzester Frist zurück zu sein. Ich hielt mich nun für sicher, dass nicht etwa im letzten Augenblicke die Ziter wegkomme, wenn sie überhaupt noch da sei.

Indessen war es tief Abend geworden. Ich ging mit Natalien und Klotilden noch einmal zu dem Cereus peruvianus, der im Lampenlichte fast noch schöner war. Simon schien bei ihm wachen zu wollen. Immer gingen Leute ab und zu. Joseph hörten wir auch noch einmal spielen. Er spielte in der grossen unteren stube, wir traten ein, er hatte guten Wein vor sich, den ihm Risach gesendet hatte. Das ganze Hausvolk war um ihn versammelt. Wir hörten lange zu, und Klotilde begriff jetzt, warum ich im Gebirge so gestrebt habe, dass sie diesen Mann höre.

Ein teil der Gäste hatte noch heute das Haus verlassen, ein anderer wollte es bei Anbruch des nächsten Tages tun, und einige wollten noch bleiben.

Im Laufe des folgenden Vormittages, da sich die Zahl der Anwesenden schon sehr gelichtet hatte, kamen noch einige Geschenke zum Vorscheine. Risach führte uns in das Vorratshaus, welches neben dem Schreinerhause war. Dort hatte man einen Platz geschafft, auf welchem mehrere mit Tüchern verhüllte Gegenstände standen. Risach liess den ersten entüllen, es war ein kunstreich geschnittener Tisch, und hatte den Marmor als Platte, welchen ich einst meinem Gastfreunde gebracht hatte, und über dessen Schicksal ich später in Ungewissheit war.

"Die Platte ist schöner als tausende," sagte Risach, "darum gebe ich das Geschenk meines einstigen Freundes in dieser Gestalt meinem jetzigen Sohne. Keinen Dank, bis alles vorüber ist."

Nun wurde ein grosser, hoher Schrein entüllt.

"Ein Scherz von Eustach an dich, mein Sohn", sagte Risach.

Der Schrein war von allen Hölzern, welche unser Land aufzuweisen hat, in eingelegter Arbeit verfertigt. Eustach hatte die Zusammenstellung entworfen. Die Sache sah ausserordentlich reizend aus. Ich hatte bei meinem Winterbesuche im Asperhofe an diesem Schreine arbeiten gesehen. Ich hatte damals die Ansammlung von Hölzern seltsam gefunden, auch hatte ich den Zweck des Schreines nicht erkannt. Er war in mein Arbeitszimmer für meine Mappen bestimmt.

Zuletzt wurden mehrere Gegenstände entüllt. Es waren die Ergänzungen zu meines Vaters Vertäflungen. Das war gleich auf den ersten blick zu erkennen und erregte Freude; aber o6 sie die rechten oder nachgebildete seien, war nicht zu entscheiden. Risach klärte alles auf. Es waren nachgebildete. Zu diesem Behufe hatte man von mir die Abbildungen der Vertäflungen des Vaters verlangt. Roland hatte vergeblich nach den echten geforscht. Er hatte Messungen nach den vorhandenen Resten vorgenommen und nach Orten gesucht, auf welche die Messungen passten. In einem abgelegenen Teile der Holzbauten des steinernen Hauses hatte er endlich Bohlen gefunden, welche den Messungen genau entsprachen. Die Bohlen waren teils vermorscht, teils zerrissen, und trugen die Verletzungen, wie man die Schnitzereien von ihnen herab gerissen hatte. Es war nun fast gewiss, dass die Ergänzungen verloren gegangen seien. Man machte daher die Nachbildungen. In demselben Winterbesuche hatte ich auch das Bohlenwerk zu diesen Schnitzereien gesehen. Mein Vater erklärte die Arbeit für ausserordentlich schön.

"Sie hat auch lange gedauert, mein lieber Freund," sagte Risach, "aber wir haben sie für dich zu stand gebracht, und sie wird genau in dein Glashäuschen passen oder leicht einzupassen sein; ausser du zögest vor, die Schnitzereien in den Drenhof bringen zu lassen."

"So wird es auch geschehen, mein Freund", sagte mein Vater.

Nun ging es erst an ein Danksagen und an ein Ausdrücken der Freude. Die Geber lehnten jeden Dank von sich ab. Man beschloss, die gegenstand in kurzer Zeit auf ihren Bestimmungsort zu bringen.

An diesem Tage und in den folgenden verliessen uns nach und nach alle Fremden, und erst jetzt begann ein liebes Leben unter lauter Angehörigen. Risach hatte für mich und Natalien eine sehr schöne wohnung herrichten lassen. Sie konnte nicht gross sein, war aber sehr zierlich. In