meine Tochter nicht etwa bloss mir zu Liebe diesen Schmuck an ihrem Trauungstage nehme, und einen schöneren und kostbareren, den sie besitze, zu ihrem Leidwesen ruhen lasse."
"Sie besitzt keinen schöneren," erwiderte Risach, "wir haben den, welchen sie heute trug, nach Zeichnungen, die wir aus mittelalterlichen Gegenständen frei zusammen trugen, ebenfalls bei Heinrichs Freunde verfertigen lassen. Matilde, lass doch den Schmuck herbei bringen, dass wir beide vergleichen."
Matilde reichte an Natalien ein Schlüsselchen, und diese holte selber das Fach, in welchem der Schmuck lag. Er war eine Zusammensetzung von Diamanten und Rubinen. Er sah so zart, rein und edel aus, wie ein in Farben gesetztes mittelalterliches Kunstwerk. Ein wahrer Zauber lag um diese Innigkeit von Wasserglanz und Rosenröte in die sinnigen Gestalten verteilt, die nur aus den Gedanken unserer Vorfahren so genommen werden können. Und dennoch stand nach einstimmigem Urteile der Smaragdschmuck nicht zurück. Der Künstler der Gegenwart kam zu Ehren.
"Es ist aber auch keiner in unserer Stadt und vielleicht in weiten Kreisen, der so zeichnen kann," sagte mein Vater, "er huldigt keinem Zeitgeschmacke, sondern nur der Wesenheit der Dinge, und hat ein so tiefes Gemüt, dass der höchste Ernst und die höchste Schönheit daraus hervorblicken. Oft wehte es mich aus seinen Gestalten so an wie aus den Nibelungen oder wie aus der geschichte der Ottone. Wenn dieser Mann nicht so bescheiden wäre und statt den Dingen, womit man ihn überhäuft, lieber grosse Gemälde machte, er würde seines Gleichen jetzt nicht haben und nur mit den grössten Meistern der Vergangenheit zusammengestellt werden können."
"Ein Schmuck in seinem Fache", sagte eine stimme, "ist doch wie ein Bild ohne Rahmen, oder noch mehr wie ein Rahmen ohne Bild."
"Freilich ist es so," entgegnete Risach, "man kann jedes Ding nur an seinem platz beurteilen, und da mein Freund als mein Nebenbuhler aufgetreten ist, so wäre es nicht zu verwerfen – – Natta, bist du mein liebes Kind?"
"Vater, wie gerne!" antwortete diese.
Sie stand von ihrem stuhl auf, entfernte sich, und kam so gekleidet wieder, dass man ihr einen kostbaren Schmuck umlegen konnte. Es geschah zuerst mit den Diamanten und Rubinen. Wie herrlich war Natalie, und es bewährte sich, dass der Schmuck der Rahmen sei. Am Vormittage in beklemmenden und tieferen Gefühlen befangen, konnte ich dem Schmucke keine Aufmerksamkeit schenken. Jetzt sah ich die schönen Gestaltungen wie von einem sanften Scheine umgehen. Im Mittelpunkte aller Blicke errötete die junge Frau, und die Rosen ihrer Farbe gaben den Rubinen erst die Seele, und empfingen sie von ihnen. Der Ausdruck der Bewunderung war allgemein. Hierauf wurde der Smaragdschmuck umgelegt. Aber auch er war vollendet. Der dunkle, tiefe Stein gab der Oberfläche von Nataliens Bildungen etwas Ernstes, Feierliches, fremdartig Schönes. War der Diamantschmuck wie fromm erschienen, so erschien der Smaragdschmuck wie heldenartig. Keiner erhielt den Preis. Risach und der Vater stimmten selber überein. Natalie nahm ihn wieder ab, beide Schmuckstücke wurden in ihre Fächer gelegt, Natalie trug sie fort, und erschien nach einer Zeit wieder in ihrem früheren Anzuge.
Bei dem Smaragdschmucke hatte sich etwas Auffälliges ereignet. Von ihm waren die Ohrgehänge im Fache zurückgeblieben. Der Diamantschmuck entielt keine Ohrgehänge. Matilde und Natalie trugen Ohrgehänge nicht, weil nach ihrer Meinung der Schmuck dem Körper dienen soll. Wenn aber der Körper verwundet wird, um Schmuck in die Verletzung zu hängen, werde er Diener des Schmuckes.
Als noch immer von den Steinen gesprochen wurde, was ihre Bestimmung sei, und wie sie sich auf dem Körper ganz anders ansehen lassen als in ihrem Fache, sagte Eustach etwas, das mir als sehr wahr erschien: "Was die innere Bestimmung der Edelsteine ist," sprach er, "kann nach meiner Meinung niemand wissen: für den Menschen sind sie als Schmuck an seinem Körper am schönsten, und zwar zuerst an den Teilen, die er entblösst trägt, dann aber an seinem Gewande, und an allem, was sonst mit ihm in Berührung kommt, wie Königskronen, Waffen. An blossen Geräten, wie wichtig sie sind, erscheinen die Steine als tot, und an Tieren sind sie entwürdigt."
Man sprach noch länger über diesen Gegenstand und erläuterte ihn durch Beispiele.
"Da heute unser Wettkampf unentschieden geblieben ist," sagte Risach zu meinem Vater, "so wollen wir nun sehen, wer mit geringerem Aufwande seinen Sitz zu einem grösseren Kunstwerke machen kann, du deinen Drenhof, oder wenn du ihn lieber Gusterhof nennen willst, oder ich meinen Asperhof."
"Du bist schon im Vorsprunge", entgegnete mein Vater, "und hast gute Zeichner bei dir; ich fange erst an, und mein Zeichner liefert mir wahrscheinlich keine Zeichnung mehr."
"Wenn es uns im Asperhofe an Arbeit fehlt, so werden wir in den Drenhof hinüber geliehen", sagte Eustach.
"Auch dann, wenn wir hier Arbeit haben," erwiderte Risach, "ich will dem Feinde Waffen liefern."
Der Nachmittag war ziemlich vorgerückt, und es fehlte nicht mehr viel zum Abende. Das Mahl war schon längst aus, und man sass nur mehr, wie es öfter geschieht, im gespräche um den Tisch.
Mir war schon länger her das Benehmen des Gärtners Simon aufgefallen; denn er, so wie die vorzüglicheren Diener des Hauses und