Gemach zu bauen, erschien ihm als ein äusserst glücklicher. Er pries die Geduld meines Gastfreundes im Suchen des Marmors, und lobte die, welche die Zusammenstellung entworfen hatten, dass etwas so Reines und Grossartiges zu stand gekommen sei. Die alten Geräte, die Bilder, die Bücher, die Kupferstiche beschäftigten meinen Vater auf das lebhafteste, er sah alles genau an, und sprach als Liebhaber und auch als Kenner über vieles. Mein Gastfreund verständigte sich leicht mit ihm, ihre Ansichten trafen häufig zusammen und ergänzten sich häufig, in so ferne man überhaupt Ansichten in einer Gesellschaft, in welcher man sich kurz fassen musste, aussprechen konnte. Meine Mutter freute sich innig über die Freude des Vaters. So war es denn also doch in Erfüllung gegangen, was sie so oft gewünscht hatte, dass mein Vater das Haus meines Gastfreundes besuchte, und es war auf eine liebe Art in Erfüllung gegangen, die sie sich gewiss einst nicht gedacht hatte. Rolands Bild betrachtete der Vater sehr aufmerksam, er hielt es für höchst bedeutend, er sprach mit Risach über Verschiedenes in demselben, und äusserte sich, dass, nach diesem Werke zu urteilen, Roland eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich haben dürfte. Dass es meinen Gastfreund mit Vergnügen erfüllte, dass seine Schöpfungen mit solcher Anerkennung von einem mann, aus dessen Worten die Berechtigung zu einem Urteile hervorging, betrachtet werden, ist begreiflich. Die zwei Männer schlossen sich immer mehr an einander, und vergassen zuweilen ein wenig die übrige Gesellschaft. In dem Schreinerhause, in welchem Eustach den Führer machte, wurden nicht nur alle Zeichnungen und Pläne durchgesehen, sondern die ganze Einrichtung und die Art, wie hier verfahren werde, samt allen Werkzeugen wurde einer genauen Beobachtung unterzogen. Der Vater war voll der Billigung darüber. Mit Besichtigung dieser Dinge war der ganze Tag verbraucht worden.
Am nächsten Tage fuhr man in den Alizwald, damit mein Gastfreund meinen Eltern den Forst zeigen konnte, welcher zu dem Asperhofe gehörte.
Die folgenden Tage waren für die Gesellschaft schon weniger vereinigend. Man zerstreute sich und ging dem nach, was eben die meiste Anziehungskraft ausübte. Zu mir und Natalien kamen nach und nach alle Bewohner des Rosenhauses und des Meierhofes, um uns Glück und Segen zu unserer bevorstehenden Vereinigung zu wünschen. Sie hatten jetzt erst nach geschehener Verlobung die Gewissheit davon erhalten, hatten es aber in früherer Zeit aus den Vorgängen, die sie sahen, gemutmasst und geschlossen. Mein Vater holte vieles wieder im einzelnen nach, was er im allgemeinen gesehen hatte, er war bald hier, bald dort, und war viel mit dem Besitzer des Hauses beschäftigt. Die Frauen liessen sich das angelegen sein, was Sache des Hauswesens ist, und verkehrten manche Weile mit Katarinen. Wir jüngeren Leute gingen viel in dem Garten herum, besuchten manche Stelle, und machten Spaziergänge. Wir waren mehrere Male bei den Gärtnerleuten, sassen einmal lange bei ihrem Tische, und besahen einmal ausführlich für uns die Gewächshäuser und liessen uns das Vorhandene von dem Gärtner erklären. Eines Tages waren wir auch alle im Inghofe, und die Bewohner des Inghofes waren eines andern Tages im Asperhofe. Der Pfarrer von Rohrberg und mehrere der angeseheneren Bewohner der Gegend waren von nahe oder von ferne herzugekommen, um zu dem Ihnen bekannt gewordenen Ereignisse ihren Glückwunsch darzubringen. Selbst Bauersleute der Nachbarschaft und andere, die mich und Natalien kannten, kamen zu demselben Zwecke.
Wir mussten zwölf Tage in dem Asperhofe zubringen, dann aber wurde unser Reisewagen bepackt, und wir traten die Rückreise in unsere Vaterstadt an.
Da wir zu haus angekommen waren, wurde sogleich daran gegangen, Zimmer in Bereitschaft zu setzen, dass wir den Gegenbesuch, wenn er eintreffen würde, anstandsvoll empfangen könnten. Ich rüstete mich indessen auch noch zu etwas anderem, was noch vor der Verbindung mit Natalien stattaben musste, zu meiner grossen Reise. Ich suchte die Anstalten so zu treffen, dass ich glaubte, nichts Wesentliches ausser Acht gelassen zu haben. Die notwendigkeit, mir durch diese Reise noch manches, was mir fehlte, anzueignen und in dieser Hinsicht nicht zu weit hinter Natalien zurückstehen zu müssen, war mir einleuchtend, und eben so einleuchtend war es mir, dass ich eine grössere Reise allein machen müsse, ehe ich in künftiger Zeit mit Natalien eine Reise antreten könnte. Ich hatte auch vor, mich gleich nach der Zeit, in der uns der Gegenbesuch abgestattet sein würde, auf die Reise zu begeben.
Der Gegenbesuch kam drei Wochen nach dem Tage, an welchem wir in der Stadt angelangt waren. Ein Brief hatte ihn vorher angekündigt. Matilde, Risach, Natalie und Gustav trafen in einem schönen Reisewagen ein. Sie wurden in die für sie in Bereitschaft gehaltenen Zimmer geführt. Nachdem sie sich umgekleidet hatten, kamen wir zum Grusse in unserem Besuchzimmer zusammen. Der Empfang in unserem haus war so herzlich und innig, wie er nur immer in dem Sternenhofe und in dem haus meines Gastfreundes gewesen war. In allen Mienen war Freude, und alle Worte setzten die begonnene Bekanntschaft und die sich entwickelnde Freundschaft fort. Selbst bis auf die Dienerschaft pflanzte sich das angenehme Gefühl über. Aus einzelnen Worten und aus den heitern Angesichtern entnahm man, wie sehr ihnen die wunderschöne Braut gefalle. Was unser Haus und die Stadt für die Gäste Angenehmes bieten konnte, wurde ihnen zur Verfügung gestellt. Wie auf den beiden Landsitzen wurde auch hier alles gezeigt, was das Haus entält. Die Gäste wurden in die Zimmer geführt, besahen Bilder, Bücher,