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, erwiderte ich.

"Also du, mein geliebter, mein teurer Bruder", sagte er.

"Auf immer, so lange wir leben, was auch sonst für Zwischenfälle kommen mögen", sagte ich.

"Auf immer," antwortete er, "aber jetzt kleide dich schnell um, damit du nicht zu spät kommst. Man wird in dem Besuchsaale zu ebener Erde noch einmal zu einem Grusse zusammenkommen, ehe man zum Mittagessen geht. Ich muss mich selber zurecht richten."

Es war so, wie Gustav gesagt hatte, und es war an alle die Einladung ergangen. Er verliess mich, und ich kleidete mich um.

Wir versammelten uns in dem Besuchzimmer zu ebener Erde, in welchem ich, da ich das erste Mal in diesem haus war, allein gewartet hatte, während mein Gastfreund gegangen war, ein Mittagessen für mich zu bestellen. Ich hatte damals den Gesang der Vögel hereingehört. Der eingelegte Fussboden war heute mit einem sehr schönen Teppiche ganz überspannt. Auch Eustach und Roland waren zu der Versammlung eingeladen worden.

Als sich alle eingefunden hatten, stand mein Gastfreund, welcher so festlich angezogen war wie wir, auf und sprach: "Ich richte noch einmal an alle, welche gekommen sind, den Empfangsgruss innerhalb der Wände dieses Hauses. Es ist ein schöner Tag. Wenn gleich mancher liebe Freund und gewissermassen Schlachtkamerade, den ich noch besitze, nicht hier ist, so kann eben nicht immer alles, was man liebt, versammelt sein. Das Eigentliche ist hier, ist aus einem lieben Anlasse hier, aus welchem ein noch schönerer Tag für manche hervorgehen kann. Ihr, sehr hochgeehrte Frau, die Mutter des jungen Mannes, welcher zu verschiedenen Malen unter dem dach dieses Hauses gewohnt hat, seid dem haus willkommen. Es hat Euren Namen oft gehört und die Namen Eurer Tugenden, und wenn der Schall der Rede oft auch ganz anderes zu verkünden schien, so gingen unbewusst Eure Eigenschaften daraus hervor, sammelten sich hier, und erzeugten Ehrerbietung und, erlaubt einem alten mann das Wort, Liebe. Ihr, mein edler Freundgönnt mir den Namen auch, den ich Euch so gerne gebe –, ein graues Haupt wie ich, aber ehrwürdiger in der Verehrung seiner Kinder, und darum auch in der anderer Leute, Ihr habt mit Eurer Gattin unsichtbar dieses Haus bewohnt, und ehrt es, da es Eure Gestalt nun selber in seinen Räumen sieht. Ihr, Klotilde, wandeltet mit Euren Eltern hier, und seid gleichfalls in Eurem Eigentume. Zu dir, Matilde, spreche ich erst jetzt, nachdem ich zu den andern gesprochen habe, die nicht so oft die Schwelle dieses Hauses betreten haben wie du. Du bringst uns heute etwas, das allen lieb sein wird. Sei deshalb nicht mehr gegrüsst und willkommen, als du hier immer gegrüsst und willkommen gewesen bist. Sei willkommen, Natalie, und seid gegrüsset, Heinrich. Eustach, Roland, Gustav sind als Zeugen hier von dem, was da geschieht."

Meine Mutter antwortete hierauf: "Ich habe immer gedacht, dass wir in diesem haus werden herzlich empfangen werden, es ist so, ich danke sehr dafür."

"Ich danke auch, und möge die gute Meinung von uns sich bewähren", sagte der Vater.

Klotilde verneigte sich nur.

Matilde sprach: "Sei bedankt für deinen Gruss, Gustav; und wenn du sagst, dass ich etwas bringe, das allen lieb sein wird, so berichte ich, dass Heinrich Drendorf und Natalie vor neun Tagen im Sternenhofe verlobt worden sind. Wir haben den Weg zu dir gemacht, um deine Billigung zu dieser Vornahme zu erwirken. Du hast immer wie ein Vater an Natalien gehandelt. Was sie ist, ist sie grösstenteils durch dich. Daher könnte ein Band sie nie beglücken, das deinen vollen Segen nicht hätte."

"Natalie ist ein gutes, treffliches Mädchen," erwiderte mein Gastfreund, "sie ist durch ihr innerstes Wesen und durch ihre Erziehung das geworden, was sie ist. Ich mag ein weniges beigetragen haben, wie alle nicht bösen Menschen, mit denen wir umgehen, zu unserem Wesen etwas Gutes beitragen. Du weisst, dass der geschlossene Bund meine Billigung hat, und dass ich ihm alles Glück wünsche. Weil du mich aber Vater Nataliens nennst, so musst du erlauben, dass ich auch als Vater handle. Natalie erhält als meine Erbin den Asperhof mit allem Zubehör und allem, was darin ist, sie erhält auch, da ich gar keine Verwandten besitze, meine ganze übrige Habe. Die Ausfolgung geschieht in der Art, dass sie einen teil des gesamten Vermögens an ihrem Vermählungstage empfängt, nebst den Papieren, welche ihr das Anrecht auf den Rest zusprechen, der ihr an meinem Todestage anheim fällt. Einige Geschenke an Freunde und Diener werden in den Papieren entalten sein, die sie gerne verabfolgen wird. Weil ich Vater bin, so werde ich auch meine liebe Tochter ausstatten, von ihrer Mutter kann sie nur Geschenke annehmen. Und einen Eigensinn müsst ihr mir gestatten, dessen Bekämpfung von eurer Seite mich sehr schmerzen würde. Die Vermählung soll auf dem Asperhofe gefeiert werden. Hieher ist der Bräutigam vor mehreren Jahren zuerst gekommen, hier habt ihr ihn kennen gelernt, hier ist vielleicht die Neigung gekeimt, und hier endlich wohnt ja der Vater, wie er eben genannt worden ist. Vom Vermählungstage an wird im Asperhofe für die jungen Eheleute eine wohnung in Bereitschaft stehen, es