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Matilde und die Eltern fuhren in unserem Reisewagen. Natalie, Klotilde und ich in dem Wagen Matildens.

Als wir den Hügel hinanfuhren, konnte mein Vater seine Neugierde kaum mehr bemeistern. Ich sah ihn öfter in dem Wagen aufstehen und herumblicken. Es war ein wolkig heiterer Tag, Strichregen gingen auf entferntere Wälder nieder, Sonnenblicke schnitten goldne Bilder auf den Hügeln und Ebenen aus, und das Haus meines Gastfreundes schaute sanft von seiner Anhöhe hernieder. Obwohl, da wir von der Stadt abfuhren, dort bereits alles in Blüte stand, war in der Umgebung des Rosenhauses trotz der Zeit, die wir auf der Reise und in dem haus Matildens zugebracht hatten, doch noch die Baumblüte nicht vorüber, sondern sie war erst in ihrer vollen Entfaltung. Denn das Land hier lag um ein Bedeutendes höher als die Stadt. Ein teil des Wintergetreides stand auf dem Hügel in üppigstem Wuchse, ein teil schickte sich dazu an, das Sommergetreide keimte hie und da, und hie und da war noch die braune Erde zu sehen.

Mein Gastfreund hatte durch Matilden Nachricht von unserer Ankunft erhalten. Als wir bei dem Gitter anfuhren, stand er mit Gustav, Eustach, Roland, mit der Haushälterin Katarine, mit dem Hausverwalter, mit dem Gärtner und anderen Leuten auf dem Sandplatze vor dem Gitter, um uns zu empfangen. Wir stiegen aus, und da standen sich nun mein Vater und mein Gastfreund gegenüber. Der letztere hatte schneeweisse Haare, mein Vater etwas minder weisse, aber liebe, ehrwürdige Männer waren beide. Sie reichten sich die Hand, sahen sich einen Augenblick an, und schüttelten sich dann ihre Rechte herzlich.

"Seid mir gegrüsst, seid mir tausendmal gegrüsst an meiner Schwelle," sagte mein Gastfreund, "selten ist hier einer eingegangen, der so willkommen gewesen wäre wie Ihr, und selten habe ich mich nach jemanden so gesehnt wie nach Euch. Wir sind nun so lange in Verbindung, und ich habe Euch schon so lange in der Liebe Eures Sohnes geliebt."

"Ich Euch in der Liebe Eures jungen Freundes," erwiderte mein Vater, "es ist einer meiner liebsten Tage, der mich unter dieses Dach bringt. Ich komme in das Haus des Mannes, den ich durch meinen Sohn kenne, obgleich ich auch den Staatsmann hochachten muss. Ich komme mit der Schuld des Dankes belastet. Ihr habt mich ausgezeichnet, ehe ich es nur im geringsten Masse um Euch verdient hatte."

"Lasst das jetzt, es machte mir ja selber Freude," entgegnete mein Gastfreund, "aber seht, so begeht man Fehler, wenn man von einer leidenschaft befangen ist, besonders, wenn zwei alte Altertumsfreunde zusammentreffen. Ich habe versäumt, Eurer verehrten Gattin meinen ersten Gruss darzubringen, wie es Pflicht gewesen wäre. Aber, teure Frau, Ihr werdet es, wenn auch nicht ganz entschuldigen, doch als ein geringeres Vergehen ansehen als eine andere Frau, da Ihr Euren Gatten und seine Beziehung zu seinen Schätzen kennt. Seid mir gegrüsst, und wenn ich sage, dass ich Euch nicht minder als Euren Gatten hieher gewünscht habe, so sage ich die Wahrheit, und Euer eigener Sohn ist gegen Euch Zeuge, wenn Ihr meine Worte bezweifeln wolltet. Es freut mich, Euch in mein Haus führen zu können, erlaubt, dass ich Eure Hand fasse. Matilde, Natalie, Heinrich, ihr müsset heute etwas Nebensache sein, und dieses fräulein, das ich wohl schon als Klotilde kenne, wird erlauben, dass ich sie auch ein wenig liebe und um Gegenneigung bitte. Gustav, führe das fräulein."

"Gönnt mir die Gnade, Euch führen zu dürfen", sagte Gustav zu Klotilden.

Sie sah den Jüngling sanft an und sagte: "Ich bitte um die gefälligkeit."

"Ehe wir gehen," sagte mein Gastfreund noch, "sehet noch hier meine zwei ausgezeichneten Künstler Eustach und Roland, die mit mir in unserem Besitze leben, den ich Sorgenfrei nennen würde, wenn er nicht voll von Sorgen steckte. Sie wollen Euch vor dem haus begrüssen. Seht da auch meine Katarine, die das Haus zusammenhält, und dann meinen Hausverwalter und Gärtner und andere, welche die Lust des Empfanges nicht missen wollten."

Mein Vater reichte jedem die Hand, und die Mutter und Klotilde verbeugten sich auf das artigste.

Hierauf nahm mein Gastfreund den Arm meiner Mutter, mein Vater den Matildens, ich Nataliens, Gustav Klotildens, und so gingen wir bei dem Eisengitter in den Garten und in das Haus. Die Wägen fuhren in den Meierhof. In dem haus wurden wir gleich in unsere Zimmer geführt. Matilde und Natalie gingen in ihre gewöhnliche wohnung. Für meinen Vater und für meine Mutter war ein Aufentalt von drei Zimmern eigens gerichtet worden. Sie hatten sehr schöne Wandbekleidungen und vorzügliche Geräte. Für alle und jede Bequemlichkeit war gesorgt. Klotilde hatte ein zierliches blassblaues Zimmerchen daneben. Ich ging von der wohnung meiner Eltern in meine Zimmer, welche die gewöhnlichen waren. Gustav besuchte mich hier in dem ersten Augen blicke und umschlang mich mit der grössten Freude und Liebe.

"Nun ist doch alles sicher und gewiss", sagte er.

"Sicher und gewiss," entgegnete ich, "wenn Gott sein Vollbringen gibt. Jetzt bist du mein teurer, vielgeliebter Bruder in der Tat, wenn du es auch der Fassung nach erst in einiger Zeit wirst."

"Darf ich auch du sagen?" fragte er.

"Von ganzem Herzen"