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?'

'Ein Mädchen, welches mehrere Jahre älter ist als der Knabe', erwiderte sie, 'ich werde dir dasselbe auch bringen, es hat ebenfalls die schwarzen Augen und die braunen Haare wie ich. Das Mädchen behalte ich, den Knaben lasse, weil du so gütig bist, um dich leben, so lange du willst. Er möge werden wie du. O ich hatte kaum geahnt, wie hier alles werden wird.'

'Matilde, beruhige dich jetzt', sagte ich, 'ich werde den Knaben holen, wir werden mit ihm freundlich sprechen.' Ich tat es, trat mit dem Knaben an der Hand herein, und wir sprachen mit dem kind und abwechselnd unter uns noch eine geraume Weile. Ich zeigte Matilden hierauf das Haus, den Garten, den Meierhof und alles andere. Gegend Abend fuhr sie wieder fort, um in Rohrberg zu übernachten. Den Knaben sollte sie der Verabredung gemäss wieder mit sich nehmen, ihn ausrüsten und vorbereiten, und ihn, wie sie es für gelegen halte, bringen. Wir blieben von dem Augenblicke an in Briefwechsel, und als eine Zeit vergangen war, brachte sie mir Gustav, der noch bei mir ist, sie brachte mir auch Natalien, die damals im ersten Aufblühen begriffen war. Eine grössere Gleichheit als zwischen diesem kind und dem kind Matilde kann nicht mehr gedacht werden. Ich erschrak, als ich das Mädchen sah. Ob in den Jahren, in denen jetzt Natalie ist, Matilde auch ihr gleich gewesen ist, kann ich nicht sagen; denn da war ich von Matilden schon getrennt.

Es begann nun eine sehr liebliche Zeit. Matilde kam mit Natalien öfter, um uns zu besuchen. Ich machte ihr in den ersten Tagen den Vorschlag, dass ich die Rosen, wenn sie ihr schmerzliche Erinnerungen weckten, von dem haus entfernen wolle. Sie liess es aber nicht zu, sie sagte, sie seien ihr das Teuerste geworden und bilden den Schmuck dieses Hauses. Sie hatte sich zu einer solchen Milde und Ruhe gestimmt, wie Ihr sie jetzt kennt, und diese Lage ihres Wesens befestigte sich immer mehr, je mehr sich ihre äusseren Verhältnisse einer Gleichmässigkeit zuneigten, und je mehr ihr Inneres, ich darf es wohl sagen, sich beglückt fühlte. Ein freundlicher Verkehr hatte sich entwickelt, Gustav hatte sich an mich gewöhnt, ich an ihn, und aus der Gewöhnung war Liebe entstanden. Matilde gab Rat in meinem Hauswesen, ich in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten. Nataliens Erziehung wurde oft zwischen uns besprochen, und Schritte getan, die wir verabredet hatten. Und in der gegenseitigen Hilfeleistung stärkte sich die Neigung, die wir gegen einander hatten, die nie verschwunden war, die sich zu einem edlen, tiefen, freundlichen Gefühle gebildet hatte, und die nun offen und rechtmässig bestehen konnte. Ich hatte wieder jemanden, den ich zu lieben vermochte, und Matilde konnte ihr Herz, das mir immer gehört hatte, unumwunden an mein Wohl und an mein Wesen wenden. Nach einer Zeit wurde der Sternenhof verkäuflich. Ich schlug Matilden den Kauf vor. Sie besah das Gut. Seiner Nachbarschaft mit mir willen und schon seiner Linden willen, die sie an die grossen Bäume auf dem Rasenplatze vor dem haus in Heinbach erinnerten, war sie zu dem Kaufe geneigt. Auch hatte der Sternenhof überhaupt grosse Ähnlichkeit mit dem haus in Heinbach, war an sich eine sehr angenehme Besitzung, und gab Matilden für den Rest ihres Lebens einen festen Punkt und einige Abrundung ihrer Verhältnisse. Also wurde er erworben. Um dieselbe Zeit liess ich in meinem haus die wohnung für Matilden und Natalien herrichten. In dem Sternenhofe war viel Arbeit, bis alles zur gefälligen Wohnlichkeit geordnet war. Und auch nach dieser Zeit wurde beständig geändert und umgewandelt, bis das Haus so war, wie es jetzt ist. Und selber jetzt, wie Ihr wisst, wird dort wie hier gebaut, befestigt, verschönert, und es wird wohl immer so fortgehen. Die Rosen, dieses Merkmal unserer Trennung und Vereinigung, sollten vorzugsweise auf dem Asperhofe bleiben, weil es Matilden lieb war, dass sie dieselben dort gefunden hatte. Jede Rosenblütezeit verlebte sie bei mir, sie liebte diese Blumen ausserordentlich, pflegte sie, und konnte sich freuen, wenn sie mir eine Art, die ich noch nicht hatte, zubringen konnte. dafür liess ich ihr in ihrem schloss die Geräte machen, die ihr so viel Vergnügen bereiten. Gustav wurde von Tag zu Tage trefflicher, und versprach, einmal ein Mann zu werden, woran seines Gleichen Freude haben sollten. Natalie wurde nicht bloss schön und herrlich, sondern sie wurde auch im Umgange mit ihrer Mutter so rein und edel, wie wenige sind. Sie hatte das tiefe Gefühl ihrer Mutter erhalten; aber teils durch ihr Wesen, teils durch eine sehr sorgfältige Erziehung ist mehr Ruhe und Stettigkeit in ihr Dasein gekommen. Zwischen Matilden und mir war ein eigenes Verhältnis. Es gibt eine eheliche Liebe, die nach den Tagen der feurigen, gewitterartigen Liebe, die den Mann zu dem weib führt, als stille, durchaus aufrichtige, süsse Freundschaft auftritt, die über alles Lob und über allen Tadel erhaben ist, und die vielleicht das Spiegelklarste ist, was menschliche Verhältnisse aufzuweisen haben. Diese Liebe trat ein. Sie ist innig, ohne Selbstsucht, freut sich, mit dem andern zusammen zu sein, sucht seine Tage zu schmücken und zu verlängern, ist zart, und hat gleichsam keinen irdischen Ursprung an sich