Eifer zu tun im stand ist, ohne dessen Zusammenhang mit dem grossen Ganzen zu kennen, oder dass man Scharfsinn genug hat, den Zusammenhang des Einzelnen mit dem Ganzen zum Wohle und Zwecke des Allgemeinen einzusehen, und dass man dann dieses Einzelne mit Lust und Begeisterung vollführt. Das letztere tut der eigentliche Staatsmann, das erste der sogenannte gute Staatsdiener. Ich war keins von beiden. Ich hatte von Kindheit an, freilich ohne es damals oder in den Jugendjahren zu wissen, zwei Eigenschaften, die dem Gesagten geradezu entgegen standen. Ich war erstens gerne der Herr meiner Handlungen. Ich entwarf gerne das Bild dessen, was ich tun sollte, selbst, und vollführte es auch gerne mit meiner alleinigen Kraft. Daraus folgte, dass ich schon als Kind, wie meine Mutter erzählte, eine Speise, ein Spielzeug und dergleichen lieber nahm, als mir geben liess, dass ich gegen Hilfe widerspänstig war, dass man mich als Knaben und Jüngling ungehorsam und eigensinnig nannte, und dass man in meinen Männerjahren mir Starrsinn vorwarf. Das hinderte aber nicht, dass ich dort, wo mir ein Fremdes durch Gründe und hohe Triebfedern unterstützt gegeben wurde, dasselbe als mein Eigenes aufnahm und mit der tiefsten Begeisterung durchführte. Das habe ich einmal in meinem Leben gegen meine stärkste Neigung, die ich hatte, getan, um der Ehre und der Pflicht zu genügen. Ich werde es Euch später erzählen. Daraus folgt, dass ich eigensinnig in der Bedeutung des Wortes, wie man es gewöhnlich nimmt, nicht gewesen bin, und es auch im Alter, in dem man überhaupt immer milder wird, gewiss nicht bin. Eine zweite Eigenschaft von mir war, dass ich sehr gerne die Erfolge meiner Handlungen abgesondert von jedem Fremdartigen vor mir haben wollte, um klar den Zusammenhang des Gewollten und Gewirkten überschauen und mein Tun für die Zukunft regeln zu können. Eine Handlung, die nur gesetzt wird, um einer Vorschrift zu genügen oder eine Fassung zu vollenden, konnte mir Pein erregen. Daraus folgte, dass ich Taten, deren letzter Zweck ferne lag oder mir nicht deutlich war, nur lässig zu vollführen geneigt war, während ich Handlungen, wenn ihr Ziel auch sehr schwer und nur durch viele Mittelglieder zu erreichen war, mit Eifer und Lust zu Ende führte, sobald ich mir nur den Hauptzweck und die Mittelzwekke deutlich machen und mir aneignen konnte. Im ersten Falle vermochte ich es mir nur durch die Vorstellung, dass der Zweck, wenn auch dunkel, doch ein hoher sei, abzuringen, dass ich mit aller Kraft an das Werk ging, wobei ich aber immer zum Eilen geneigt war, weshalb man mich auch ungeduldig schalt: im zweiten Falle gingen die Kräfte von selber an das Werk, und es wurde mit der grössten Ausdauer und mit Verwendung aller gegebenen Zeit zu stand gebracht, weshalb man mich auch wieder hartnäckig nannte. Ihr werdet in diesem haus Dinge gesehen haben, aus denen Euch klar geworden ist, dass ich Zwecke auch mit grosser Geduld verfolgen kann. sonderbar ist es überhaupt, und dürfte von grösserer Bedeutung sein, als man ahnt, dass mit dem zunehmenden Alter die Weitaussichtigkeit der Pläne wächst, man denkt an Dinge, die unabsehliche Strecken jenseits alles Lebenszieles liegen, was man in der Jugend nicht tut, und das Alter setzt mehr Bäume und baut mehr Häuser als die Jugend. Ihr seht, dass mir zwei Hauptdinge zum Staatsdiener fehlen, das Geschick zum Gehorchen, was eine Grundbedingung jeder Gliederung von Personen und Sachen ist, und das Geschick zu einer tätigen Einreibung in ein Ganzes und kräftiger Arbeit für Zwecke, die ausser dem Gesichtskreise liegen, was nicht minder eine Grundbedingung für jede Gliederung ist. Ich wollte immer am Grundsätzlichen ändern und die Pfeiler verbessern, statt in einem Gegebenen nach Kräften vorzugehen, ich wollte die Zwecke allein entwerfen, und wollte jede Sache so tun, wie sie für sich am besten ist, ohne auf das Ganze zu sehen, und ohne zu beachten, ob nicht durch mein Vorgehen anderswo eine Lücke gerissen werde, die mehr schadet, als mein Erfolg nützt. Ich wurde, da ich noch kaum mehr als ein Knabe war, in meine Laufbahn geführt, ohne dass ich sie und mich kannte, und ich ging in derselben fort, so weit ich konnte, weil ich einmal in ihr war, und mich schämte, meine Pflicht nicht zu tun. Wenn einiges Gute durch mich zu stand kam, so rührt es daher, dass ich einerseits in Betrachtung meines Amtes und seiner Gebote meinen Kräften eine mögliche Tätigkeit abrang, und dass andererseits die Zeitereignisse solche Aufgaben herbei führten, bei denen ich die Pläne des Handelns entwerfen und selber durchführen konnte. Wie tief aber mein Wesen litt, wenn ich in Arten des Handelns, die seiner natur entgegengesetzt sind, begriffen war, das kann ich Euch jetzt kaum ausdrücken, noch wäre ich damals im stand gewesen, es auszudrücken. Mir fiel in jener Zeit immer und unabweislich die Vergleichung ein, wenn etwas, das Flossen hat, fliegen, und etwas, das Flügel hat, schwimmen muss. Ich legte deshalb in einem gewissen Lebensalter meine Ämter nieder. Wenn Ihr fragt, ob es denn notwendig sei, dass sich in der Gliederung des Staatsdienstes eine so grosse Anzahl von Personen befinde, und ob man nicht einen teil der allgemeinen Geschäfte, wie sie jetzt sind, zu besonderen Geschäften machen und sie besonderen Körperschaften oder Personen, die sie hauptsächlich angehen, überlassen könnte, wodurch eine grössere Übersichtlichkeit in den