Manches Mal wurden Kinder zu uns eingeladen, mit denen wir spielen durften, und öfter gingen wir auch mit den Eltern zu Leuten, welche Kinder hatten und uns Spiele veranstalteten. Den Unterricht erhielten wir in dem haus von Lehrern, und dieser Unterricht und die sogenannten Arbeitsstunden, in denen von uns Kindern das verrichtet werden musste, was uns als Geschäft aufgetragen war, bildeten den regelmässigen Verlauf der Zeit, von welchem nicht abgewichen werden durfte.
Die Mutter war eine freundliche Frau, die uns Kinder ungemein liebte, und die weit eher ein Abweichen von dem angegebenen Zeitenlaufe zu Gunsten einer Lust gestattet hätte, wenn sie nicht von der Furcht vor dem Vater davon abgehalten worden wäre. Sie ging in dem haus emsig herum, besorgte alles, ordnete alles, liess aus der obgenannten Furcht keine Ausnahme zu, und war uns ein eben so ehrwürdiges Bildnis des Guten wie der Vater, von welchem Bildnisse gar nichts abgeändert werden konnte. Zu haus hatte sie gewöhnlich sehr einfache Kleider an. Nur zuweilen, wenn sie mit dem Vater irgend wohin gehen musste, tat sie ihre stattlichen seidenen Kleider an und nahm ihren Schmuck, dass wir meinten, sie sei wie eine Fee, welche in unsern Bilderbüchern abgebildet war. Dabei fiel uns auf, dass sie immer ganz einfache, obwohl sehr glänzende Steine hatte, und dass ihr der Vater nie die geschnittenen umhing, von denen er doch sagte, dass sie so schöne Gestalten in sich hätten.
Da wir Kinder noch sehr jung waren, brachte die Mutter den Sommer immer mit uns auf dem land zu. Der Vater konnte uns nicht Gesellschaft leisten, weil ihn seine Geschäfte in der Stadt festielten; aber an jedem Sonntage und an jedem Festtage kam er, blieb den ganzen Tag bei uns und liess sich von uns beherbergen. Im Laufe der Woche besuchten wir ihn einmal, bisweilen auch zweimal in der Stadt, in welchem Falle er uns dann bewirtete und beherbergte.
Dies hörte endlich auf, anfänglich weil der Vater älter wurde und die Mutter, die er sehr verehrte, nicht mehr leicht entbehren konnte; später aber aus dem grund, weil es ihm gelungen war, in der Vorstadt ein Haus mit einem Garten zu erwerben, wo wir freie Luft geniessen, uns bewegen, und gleichsam das ganze Jahr hindurch auf dem land wohnen konnten.
Die Erwerbung des Vorstadtauses war eine grosse Freude. Es wurde nun von dem alten finstern Stadtause in das freundliche und geräumige der Vorstadt gezogen. Der Vater hatte es vorher im allgemeinen zusammen richten lassen, und selbst, da wir schon darin wohnten, waren noch immer in verschiedenen Räumen desselben Handwerksleute beschäftigt. Das Haus war nur für unsere Familie bestimmt. Es wohnten nur noch unsere Handlungsdiener in demselben, und gleichsam als Pförtner und Gärtner ein ältlicher Mann mit seiner Frau und seiner Tochter.
In diesem haus richtete sich der Vater ein viel grösseres Zimmer zum Bücherzimmer ein, als er in der Stadtwohnung gehabt hatte, auch bestimmte er ein eigenes Zimmer zum Bilderzimmer; denn in der Stadt mussten die Bilder wegen Mangel an Raum in verschiedenen Zimmern zerstreut sein. Die Wände dieses neuen Bilderzimmers wurden mit dunkelrotbraunen Tapeten überzogen, von denen sich die Goldrahmen sehr schön abhoben. Der Fussboden war mit einem mattfarbigen Teppiche belegt, damit er die Farben der Bilder nicht beirre. Der Vater hatte sich eine Staffelei aus braunem Holze machen lassen, und diese stand in dem Zimmer, damit man bald das eine bald das andere Bild darauf stellen und es genau in dem rechten Lichte betrachten konnte.
Für die alten geschnitzten und eingelegten Geräte wurde auch ein eigenes Zimmer hergerichtet. Der Vater hatte einmal aus dem Gebirge eine Zimmerdekke mitgebracht, welche aus Lindenholz und aus dem Holze der Zirbelkiefer geschnitzt war. Diese Decke liess er zusammen legen, und liess sie mit einigen Zutaten versehen, die man nicht merkte, so dass sie als Decke in dieses Zimmer passte. Das freute uns Kinder sehr, und wir sassen nun doppelt gerne in dem alten Zimmer, wenn uns an Abenden der Vater und die Mutter dahin führten, und arbeiteten dort etwas, und liessen uns von den zeiten erzählen, in denen solche Sachen gemacht worden sind.
Am Ende eines hölzernen Ganges, der in dem ersten Geschosse des Hauses gegen den Garten hinaus lief, liess er ein gläsernes Stübchen machen, das heisst, ein Stübchen, dessen zwei Wände, die gegen den Garten schauten, aus lauter Glastafeln bestanden; denn die Hinterwände waren Holz. In dieses Stübchen tat er alte Waffen aus verschiedenen zeiten und mit verschiedenen Gestalten. Er liess an den Stäben, in die das Glas gefügt war, viel Efeu aus dem Garten herauf wachsen, auch im inneren liess er Efeu an dem Gerippe ranken, dass derselbe um die alten Waffen rauschte, wenn einzelne Glastafeln geöffnet wurden und der Wind durch dieselben herein zog. Eine grosse hölzerne Keule, welche in dem Stübchen war, und welche mit greulichen Nägeln prangte, nannte er Morgenstern, was uns Kindern gar nicht einleuchten wollte, da der Morgenstern viel schöner war.
Noch war ein Zimmerchen, das er mit kunstreich abgenähten rotseidenen Stoffen, die er gekauft hatte, überziehen liess. Sonst aber wusste man noch nicht, was in das Zimmer kommen würde.
In dem Garten war Zwergobst, es waren Gemüseund Blumenbeete, und an dem Ende desselben, von dem man auf die Berge sehen konnte, welche die Stadt in einer Entfernung von einer halben Meile in einem grossen Bogen umgeben, befanden sich hohe Bäume und Grasplätze.