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so einfach, so gut und doch so ernst seid."

"Und ich liebte Euch mehr, als ich je irgend ein Ding dieser Erde zu lieben vermochte."

"Ich habe manchen Schmerz um Euch empfunden, wenn ich in den Feldern herumging."

"Ich habe es ja nicht gewusst, Natalie, und weil ich es nicht wusste, so musste ich mein Inneres verbergen und gegen jedermann schweigen, gegen den Vater, gegen die Mutter, gegen die Schwester, und sogar gegen mich. Ich bin fortgefahren, das zu tun, was ich für meine Pflicht erachtete, ich bin in die Berge gegangen, habe mir ihre Zusammensetzung aufgeschrieben, habe Gesteine gesammelt und Seen gemessen, ich bin auf den Rat Eures Freundes einen Sommer beschäftigungslos in dem Asperhofe gewesen, bin dann wieder in die Wildnis gegangen und zu der Grenze des Eises emporgestiegen. Ich konnte nur Eure Mutter, Euren Freund und Euren Bruder immer wärmer lieben; aber, Natalie, wenn ich auf den Höhen der Berge war, habe ich Euer Bild in dem heitern Himmel gesehen, der über mir ausgespannt war, wenn ich auf die festen, starren Felsen blickte, so erblickte ich es auch in dem Dufte, der vor denselben webte, wenn ich auf die Länder der Menschen hinausschaute, so war es in der Stille, die über der Welt gelagert war, und wenn ich zu haus in die Züge der Meinigen blickte, so schwebte es auch in denen."

"Und nun hat sich alles recht gelöset."

"Es hat sich wohl gelöset, meine liebe, liebe Natalie." "Mein teurer Freund!"

Wir reichten uns bei diesen Worten die hände wieder, und sassen schweigend da.

Wie hatte seit einigen Augenblicken alles sich um mich verändert, und wie hatten die Dinge eine Gestalt gewonnen, die ihnen sonst nicht eigen war. Nataliens Augen, in welche ich schauen konnte, standen in einem Schimmer, wie ich sie nie, seit ich sie kenne, gesehen hatte. Das unermüdlich fliessende wasser, die Alabasterschale, der Marmor waren verjüngt; die weissen Flimmer auf der Gestalt und die wunderbar im Schatten blühenden Lichter waren anders; die Flüssigkeit rann, plätscherte oder pippte oder tönte im einzelnen Falle anders; das sonnenglänzende Grün von draussen sah als ein neues freundlich herein, und selbst das Hämmern, mit welchem man die Tünche von den Mauern des Hauses herabschlug, tönte jetzt als ein ganz verschiedenes in die Grotte von dem, das ich gehört hatte, als ich aus dem haus gegangen war.

Nach einer geraumen Weile sagte Natalie: "Und von dem Abende im Hofteater habt Ihr auch nie etwas gesprochen."

"Von welchem Abende, Natalie?"

"Als König Lear aufgeführt wurde."

"Ihr seid doch nicht das Mädchen in der Loge gewesen?" "Ich bin es gewesen."

"Nein, Ihr seid so blühend wie eine Rose, und jenes Mädchen war blass wie eine weisse Lilie."

"Es musste mich der Schmerz entfärbt haben. Ich war kindisch, und es hat mir damals wohlgetan, in Euren Augen allein unter allen denen, die die Loge umgaben, ein Mitgefühl mit meiner Empfindung zu lesen. Diese Empfindung wurde durch Euer Mitgefühl zwar noch stärker, so dass sie beinahe zu mächtig wurde; aber es war gut. Ich habe nie einer Vorstellung beigewohnt, die so ergreifend gewesen wäre. Ich sah es als einen günstigen Zufall an, dass mir Eure Augen, die bei dem Leiden des alten Königs übergeflossen waren, bei dem Fortgehen aus dem Schauspielhause so nahe kamen. Ich glaubte, ihnen mit meinen Blicken dafür danken zu müssen, dass sie mir beigestimmt hatten, wo ich sonst vereinsamt gewesen wäre. Habt Ihr das nicht erkannt?"

"Ich habe es erkannt, und habe gedacht, dass der blick des Mädchens wohlwollend sei, und dass er ein Einverständnis über unsere gemeinschaftliche Empfindung bei der Vorstellung bedeuten könne."

"Und Ihr habt mich also nicht wieder erkannt?" "Nein, Natalie."

"Ich habe Euch gleich erkannt, als ich Euch in dem Asperhofe sah."

"Es ist mir lieb, dass es Eure Augen gewesen sind, die mir den Dank gesagt haben; der Dank ist tief in mein Gemüt gedrungen. Aber wie konnte es auch anders sein, da Eure Augen das Liebste und Holdeste sind, was für mich die Erde hat."

"Ich habe Euch schon damals in meinem Herzen höher gestellt als die andern, obwohl Ihr ein Fremder waret, und obwohl ich denken konnte, dass Ihr mir in meinem ganzen Leben fremd bleiben werdet."

"Natalie, was mir heute begegnet ist, bildet eine Wendung in meinem Leben, und ein so tiefes Ereignis, dass ich es kaum denken kann. Ich muss suchen, alles zurecht zu legen und mich an den Gedanken der Zukunft zu gewöhnen."

"Es ist ein Glück, das uns ohne Verdienst vom Himmel gefallen, weil es grösser ist als jedes Verdienst."

"Drum lasset uns es dankbar aufnehmen." "Und ewig bewahren."

"Wie war es gut, Natalie, dass ich die Worte Homers, die ich heute nachmittag las, nicht in mein Herz aufnehmen konnte, dass ich das Buch weglegte, in den Garten ging, und dass das Schicksal meine Schritte zu dem Marmor des Brunnens lenkte."

"Wenn unsere Wesen zu einander neigten, obgleich wir es nicht gegenseitig