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dem innersten Ende des Bänkleins. Ihr blassgraues Seidenkleid schimmerte aus der dunkeln Höhlung heraus. Einen Arm liess sie an ihrer Gestalt ruhen, den andern hatte sie auf die Lehne des Bänkleins gestützt, und barg die Stirn in ihrer Hand. Ich blieb stehen, und wusste nicht, was ich tun sollte. Dass ich nicht in die Grotte gehen wolle, war mir klar; allein die kleinste Wendung, die ich machte, konnte ein Geräusch erregen und sie stören. Aber ohne dass ich ein Geräusch machte, sah sie auf, und sah mich stehen. Sie erhob sich, ging aus der Grotte, ging mit beeilten Schritten an der Eppichwand hin, und entfernte sich in das Gebüsch. In kurzem sah ich den Schimmer ihres Kleides verschwinden. Eine ganz kleine Zeit blieb ich stehen, dann ging ich in die Grotte hinein. Ich setzte mich auf dieselbe Marmorbank, auf der sie gesessen war, und sah in das Rinnen des Wassers, sah auf die einsame Alabasterschale, die neben dem Bekken stand, und sah auf den ruhigen, glänzenden Marmor. Ich sass sehr lange. Da sich Stimmen näherten, und da ich vermuten musste, dass man die Brunnengestalt besuchen würde, stand ich auf, ging aus der Grotte, ging in das Gebüsch, und begab mich auf denselben Wegen, auf denen ich gekommen war, in das Schloss zurück.

Der Mittag vereinigte noch einmal alle Gäste bei dem Mahle. Mehrere von ihnen hatten beschlossen, gleich nach demselben fort zu fahren, um noch vor der Nacht ihre Heimat zu erreichen. Man brachte einen fröhlichen Trinkspruch aus auf die schöne Gestaltung des Schlosses und einen Dank für die herzliche Bewirtung. Der Spruch wurde mit einem Wunsche für das Wohl der Gesellschaft und für baldiges Wiedersehen erwidert. Die heitere Sommersonne verklärte das Zimmer, und die Blumen des Gartens schmückten es.

Nach dem Mahle fuhren mehrere der Gäste fort, und im Laufe des Nachmittages entfernten sich alle.

Wir, die nach dem Asperhofe mussten, hatten beschlossen, morgen früh abzufahren.

Bei dem Abendessen kam das Gespräch auf das Unternehmen an dem haus. Ich sah, dass die Übriggebliebenen schon einig waren. Es sprach nun mein Gastfreund, es sprachen Eustach und Roland. Sie hatten alle meine Ansicht. Ich wurde aufgefordert, auch meine Meinung zu sagen. Ich sprach sie nach meiner inneren Empfindung aus. Alle mochten sie wohl so erwartet haben. Über den Aufwand zur Deckung der künftigen Kosten sprach mein Gastfreund mit Matilden besonders. Durch das Abschlagen der Steine mit scharfen Hämmern hatten sich die Auslagen grösser gezeigt, als man anfangs vermuten konnte. Mein Gastfreund riet daher, dass man die Arbeit auf längere Fristen ausdehnen solle, wodurch die Kosten weniger empfindlich würden, und, da doch das Schaffen des Schönen das Vergnügen bilde, dieses Vergnügen sich verlängere. Man billigte den Vorschlag, und freute sich auf das Wachsen des Edleren, und freute sich auf den Augenblick, wenn das Haus in einem würdigen Gewande da stehen würde, und man die Beruhigung hätte, es so dem künftigen Besitzer übergeben zu können.

Mit dem Anbruche des nächsten Tages fuhren mein Gastfreund, Eustach, Roland, Gustav und ich auf dem Wege nach dem Rosenhause dahin.

Als ich in Hinsicht der eben zugebrachten Tage etwas über das Landleben sagte und die Annehmlichkeiten desselben berührte, und als wir eine Zeit über diesen Gegenstand gesprochen hatten, sagte mein Gastfreund: "Das gesellschaftliche Leben in den Städten, wenn man es in dem Sinne nimmt, dass man immer mit fremden Personen zusammen ist, bei denen man entweder mit andern zum Besuche ist, oder die mit andern bei uns sind, ist nicht erspriesslich. Es ist das nämliche Einerlei, wie das Leben in Orten, die den grossen Städten nahe sind. Man sehnt sich, ein anderes Einerlei aufzusuchen; denn wohl ist jedes Leben und jede Äusserung einer Gegend ein Einerlei, und es gewährt einen Abschluss, von dem einen Einerlei in ein anderes über zu gehen. Aber es gibt auch ein Einerlei, welches so erhaben ist, dass es als Fülle die ganze Seele ergreift, und als Einfachheit das All umschliesst. Es sind erwählte Menschen, die zu diesem kommen und es zur Fassung ihres Lebens machen können."

"In der Weltgeschichte kommt wohl Ähnliches vor", sagte ich.

"In der Weltgeschichte kommt es vor," antwortete er, "wo ein Mensch durch eine grosse Tat, die sein Leben erfüllt, diesem Leben eine einfache Gestalt geben kann, abgelöst von allem Kleinlichenin der Wissenschaft, wo ein grossartiges Feld höchsten Erringens vor dem Menschen liegtoder in der klarheit und Ruhe der Lebensanschauungen, die endlich alles auf einige ausgedehnte, aber einfältige Grundlinien zurück führt. Jedoch sind auch hier Masse und Abstufungen wie in allen andern Dingen des Lebens."

"Von den zwei Hauptzeiträumen, welche das menschliche Geschlecht betroffen haben," erwiderte ich, "von dem sogenannten antiken und dem heutigen, dürfte wohl der griechisch-römische das meiste von dem Gesagten aufzuweisen haben."

"Wir wissen zuletzt gar nicht, welche Zeiträume es in der geschichte gegeben hat", antwortete er. "Die Griechen und Römer sind unserer Zeit am nächsten, wir sind aus ihnen hervor gegangen, und wissen von ihnen auch das meiste. Wer weiss, wie viele Völkerabschnitte es gegeben hat, und wie viele unbekannte Geschichtsquellen noch verborgen sind. Wenn einmal ganze Reihen solcher Völkerzustände wie Griechenund Römertum vorliegen, dann lässt sich eher über unsere