um zu dem neuen Baue verwendet zu werden. Die Schlinggewächse und Reben waren ausgerottet, die Gesträuche vor dem platz vernichtet, und man ebnete ihre Stelle, um dort Rasen anzulegen. Auf der Südseite baute man schon die Sockelmauern, auf welche die Säulen von Ziegeln zu stehen kommen sollten. Die Gestalt des Mädchens, von der man die Balkenverhüllung weggenommen hatte, lag in einer Hütte, welche grösstenteils Baugeräte entielt. Neben ihr lagen der Herkules, der Stier und die Köpfe, die, wie ich jetzt sah, alte Römer darstellten. Mir gefiel nun auch die früher nicht gesehene übrige Gestalt des Mädchens, die nicht wesentlich verletzt war, ausserordentlich, und ich erhandelte sie, da die Dinge zum Zwecke des Verkaufes in der Bretterhütte lagen. Aber der Verkäufer sagte, er gebe von der Sammlung nichts einzeln weg, und ich musste den Stier, den Herkules und die Köpfe mit kaufen. Der Kaufschilling war nicht geringe, da mein Gegenmann die Schönheit der Gestalt recht gut kannte und sie geltend machte; aber ich fügte mich. Ich liess Kisten machen, um die Dinge fortzuschaffen. Den Stier, den Herkules und die Köpfe verkaufte ich in Italien um ein Geringes, die Mädchengestalt sendete ich wohlverpackt, dass der Gips nicht leide, an meinen damaligen Aufentaltsort; ich kann Euch den Namen jetzt nicht nennen, es war ein kleines Städtchen an dem Gebirge. Mir fiel schon damals auf, dass das Fahrgeld für die Gestalt sehr hoch sei, und dass man sich über ihr Gewicht beklagt habe; allein ich hielt es für italienische List, um von mir, dem Fremden, etwas mehr heraus zu pressen. Als ich aber nach Deutschland zurüchgekehrt war, und als eines Tages die Gipsgestalt, für deren gute Verpakkung und Überbringung ich durch mir wohlbekannte Versendungsvermittler gesorgt hatte, in dem Asperhofe ankam, überzeugte ich mich selber von dem ungemeinen Gewichte der Last. Da der Bretterverschlag, in welchem sich die Gestalt befand, nicht so schwer sein konnte, so entstand in mir und Eustach, der damals schon in dem Asperhofe war, der Gedanke, die Gestalt möchte etwas nass geworden sein und durch die Nässe gelitten haben. Wir liessen das Standbild in die hölzerne Hütte schaffen, welche ich teils zu seinem Empfange, teils zur Reinigung von den vielen Schmutzflecken, die es an seinem früheren Standorte erhalten hatte, vor dem Eingange in den Garten hatte aufbauen lassen. Da es dort von den Brettern und von allen seinen andern Hüllen befreit worden war, sahen wir, dass sich unsere Furcht nicht bestätigte. Die Gestalt war so trocken, wie Gips nur überhaupt zu sein vermag. Wir setzten nach und nach die Vorrichtungen in Gebrauch, durch die wir die Gestalt in die Nähe der Glaswand der Hütte auf eine drehbare Scheibe stellen konnten, um sie nach Bequemlichkeit betrachten und reinigen zu können. Da sie auf der Scheibe stand und wir uns von der Sicherheit ihres Standes überzeugt hatten, gingen wir zu ihrer Betrachtung über. Eustach war über ihre Schönheit entzückt, und machte mich auf manches aufmerksam, was mir auf dem Tanz- und Ballplatze bei Cumä und später in der Bauhütte entgangen war. Freilich stand die Gestalt jetzt viel vorteilhafter, da durch die reinen Scheiben der Glaswand das klare Licht auf sie fiel und alle Schwingungen und Schwellungen der Gestaltung deutlich machte. Da wir die Überzeugung gewonnen hatten, dass ein edles Werk in das Haus gekommen sei, beschlossen wir, sofort zu dessen Reinigung zu schreiten. Wir nahmen uns vor, dort, wo der Schmutz nur locker auf der Oberfläche liege und dem reinen wasser und dem Pinsel weiche, auch nur wasser und den Pinsel anzuwenden. Leichtes Übertünchen und sanftes Glätten würde die letzte Nachhülfe geben. Für tiefer gehende Verunreinigung wurde die Anwendung des Messers und der Feile beschlossen; nur sollte die äusserste Vorsicht beobachtet und lieber eine kleine Verunreinigung gelassen werden, als dass eine sichtbare Umgestaltung des Stoffes vorgenommen würde. Eustach machte in meiner Gegenwart Versuche, und ich billigte sein Verfahren. Es wurde nun sogleich ans Werk geschritten, und die Arbeit in der nächsten Zeit fortgesetzt. Eines Tages kam Eustach zu mir herauf und sagte, er müsse mich auf einen sonderbaren Umstand aufmerksam machen. Er sei auf dem Schulterblatte mit dem feinen Messer auf einen Stoff gestossen, der nicht das Taube des Gipses habe, sondern das Messer gleiten mache und etwas wie die Ahnung eines Klanges merken lasse. Wenn die Sache nicht zu unwahrscheinlich wäre, würde er sagen, dass der Stoff Marmor sei. Ich ging mit ihm in die Bretterhütte hinab. Er zeigte mir die Stelle. Es war ein Platz, mit dem die Gestalt häufig, wenn sie gelegt wurde, auf den Boden kam, und der daher durch diesen Umstand und zum Teile durch Versendungen, denen die Gestalt ausgesetzt gewesen sein mochte, mehr abgenützt war als andere. Ich liess das Messer auf dieser Stelle gleiten, ich liess es an ihr erklingen, und auch ich hatte das Gefühl, dass es Marmor sei, was ich eben behandle. Weil der Platz, an dem die Versuche gemacht wurden, doch zu augenfällig war, um weiter gehen zu können und ihn etwa zu veranstalten, so beschlossen wir an einem unscheinbareren einen neuen Versuch zu machen. In der Ferse des linken Fusses fehlte ein kleines Stückchen, dort musste jedenfalls Gips eingesetzt werden, dort beschlossen wir zu forschen. Wir drehten die Gestalt mit ihrer Scheibe in eine Lage, in welcher das helle Licht auf die Lücke an der Ferse fiel.