ich darnach zu forschen, weil sie dem Vater Freude machen. Je älter er werde, desto mehr schliesse er sich in einem engen raum ab, sein Geschäftszimmer und sein Haus werden nach und nach seine ganze Welt, und da seien es vorzüglich Werke der bildenden Kunst und die Bücher, mit denen er sich beschäftige, und die wirkung, welche diese Dinge auf ihn machen, wachse mit den Jahren. Er habe sich von dem Schnitzwerke in den ersten Tagen kaum trennen können, er habe es in allen Teilen genau betrachtet, und sei zuletzt so mit demselben bekannt geworden, als wäre er bei dessen Verfertigung zugegen gewesen. Darum wolle ich so vorgehen, dass ich mich nicht in die Lage setze, mir einen Vorwurf machen zu müssen, dass ich in meinen Nachforschungen etwas versäumt habe. Bisher seien sie freilich fruchtlos gewesen.
Mein Gastfreund fragte mich noch um einige Teile des Werkes und seines Auffindens, die ich ihm nicht dargestellt hatte, oder die ihm dunkel geblieben waren, und liess sich die Örtlichkeiten des Auffindens noch einmal auf das umständlichste beschreiben. Hierauf sagte er mir, ich möge an meinen Vater ungesäumt einen Brief senden und ihn bitten, die genauen Ausmasse des Schnitzwerkes nach aussen und nach innen zu nehmen und mir zu schicken. Ich begriff augenblicklich die Zweckmässigkeit der Massregel, und schämte mich, dass sie mir selber nicht früher eingefallen war. Er selber wolle vorläufig an Roland schreiben, und ihm dann, wenn sie eingelangt wären, die Ausmasse schicken. Auch wolle er seine Geschäftsführer in jener Gegend beauftragen, sich um die Sache zu bemühen. Wenn das Gesuchte zu finden ist, so dürfte Roland der geeignetste Mitelfer sein, und die anderen Männer, die er noch auffordern werde, hätten sich schon in den verschiedensten Gelegenheiten sehr erprobt.
Ich dankte meinem Gastfreunde auf das verbindlichste für seine gefälligkeit, und versprach, in nichts säumig zu sein.
Am nächsten Morgen trug ein Bote meinen Brief an den Vater und die Briefe meines Gastfreundes an Roland und andere Männer auf die nächste Post. Mein Gastfreund musste bis in die tiefe Nacht geschrieben haben; denn es war ein ganzes Päckchen von Briefen. Mich rührte diese Güte ausserordentlich; denn ich wusste nicht, wie ich sie verdient hatte.
Dass ich in der ersten Zeit meines Aufentaltes in dem Rosenhause gleich an alle Orte ging, die mir lieb waren, begreift sich.
In dem Zeichnungszimmer Eustachs fand ich den Musiktisch fertig. Es war seit seiner Vollendung erst eine kurze Zeit verflossen, deshalb stand er noch an dieser Stelle. Ich hatte nicht geahnt, dass das Werk, das ich bei Beginn seiner Wiederherstellung gesehen hatte, sich so darstellen würde, wenn es fertig wäre. Ich hatte Bilder, Bauwerke, Zeichnungen und dergleichen in jüngster Zeit in grosser Menge gesehen und selber ähnliche Dinge verfertigt, ich konnte mir daher in solchen Sachen ein kleines Urteil zutrauen; aber, wenn ich nicht gewusst hätte, dass der Rahmen und das Gestelle des Tisches neu gemacht worden sei, so hätte ich es nie erkannt, so sehr passte beides im Baue, in der ganzen Art und selbst in der Farbe des Holzes zu der Platte. Das ganze Werk stand rein, glänzend und klar vor den Augen. Die Farben der verschiedenen Hölzer an den Verzierungen, am Laubwerke, am Obste und an den Geräten trat unter der Macht des Harzes kräftig und scharf hervor. Selbst die Missverhältnisse der Grössen in den verschiedenen eingelegten Geräten, zum Beispiele zwischen der Flöte, der Geige, der Trommel, welche mir bei meinem ersten Besuche in dem Schreinerhause Anstoss gegeben hatten, erschienen mir jetzt als naiv, und hatten etwas Anziehendes für mich, welches mir die Tischplatte lieber machte, als wenn sie ganz fehlerfrei oder etwa nach neuen Kunstbegriffen gemacht gewesen wäre. Ich fragte Eustach, wohin der Tisch zu stehen kommen würde. Er konnte es mir nicht sagen. Es sei darüber nichts eröffnet worden, ob er in dem haus bleiben, oder ob er irgend wohin versendet werden würde. Jetzt bleibe er hier stehen, damit alle Nachtrocknungen in jener allmählichen Stufenfolge vor sich gehen können, wie sie bei jedem neuverfertigten Geräte eintreten müssen, dass es nicht Schaden leide. Die meisten der neuverfertigten oder wiederhergestellten Werke seien zu diesem Zwecke in dem Zeichnungszimmer stehen geblieben, wenn sie anders dort Platz hatten. Ich betrachtete den Tisch noch eine Weile, und ging dann zu andern Gegenständen über.
Auch die Gärtnerleute besuchte ich, die Leute des Meierhofes, die Gartenarbeiter, die Dienstleute des Hauses und einige Nachbaren, zu denen wir früher öfter gekommen waren, und die ich näher kennen gelernt hatte.
Obwohl ich nach dem Rate und der Einladung meines Gastfreundes entschlossen war, heuer meine Berufsarbeit, wenigstens jenes Berufes, den ich mir selber aufgelegt hatte, ruhen zu lassen, sondern einen teil des Sommers in dem Rosenhause zu verleben und mich meiner Laune und dem Augenblicke hinzugeben: hatte ich doch nicht den Willen, gar nichts zu tun, was mir die grösste Qual gewesen wäre, sondern mich bei meinen Handlungen von meinem Vergnügen und der gelegenheit leiten zu lassen. Mein Gastfreund hatte mir die nämlichen zwei Zimmer eingeräumt, welche ich bisher stets inne gehabt hatte, und freute sich, dass ich seinen Rat befolgen und einmal auch anderswohin sehen wolle als immer einseitig auf meine arbeiten, und dass ich einmal zu einem allgemeineren Bewusstsein kommen wolle, als zu dem ich mich bisher gebannt hätte. Ich hatte viele Bücher und Schriften mitgebracht, hatte alle Werkzeuge zur Ölmalerei