, Eustach, Roland, der gekommen war, verabschiedete mich von allen Bewohnern des Hauses, Gartens und Meierhofes, und reisete zu meinen Angehörigen in die Hauptstadt zurück.
Das erste, was ich dort nach dem innigsten und aufrichtigsten Bewillkommen sah, war, dass mein Vater das teils gläserne, teils hölzerne Häuschen, in welchem die alten Waffen hingen, um welches sich der Efeu rankte, und welches im grund den äussersten Ansatz oder gleichsam einen Erker des rechten Flügels des Hauses gegen den Garten bildete, in dem vergangenen Sommer hatte umbauen lassen. Er hatte es bedeutend vergrössert, aber die Leisten, Spangen und Rahmen, in denen das Glas befestigt war, hatte er in der früheren Art gelassen, nur waren sie dem Stoffe nach neu gemacht und mit schönen Verzierungen und Schnitzereien versehen. Die Simse des Daches waren nach mittelalterlicher Weise verfertigt, schön geschnitzt und verziert. Der Efeu war wieder an Leisten empor geleitet worden und blickte an manchen Stellen durch das Glas herein. Die Fenster waren nicht mehr nach aussen und innen zu öffnen wie früher, sondern zum Verschieden. Die grösste Veränderung aber war die, dass der Vater hatte zwei Säulen aufführen lassen, während früher die beiden Wände, welche nach aussen geschaut hatten, aus Glas verfertigt gewesen waren. Diese zwei Pfeiler hatten genau die Abmessungen, dass die zwei Verkleidungen, welche ich ihm in dem vorigen Herbste gebracht hatte, auf dieselben passten. Die Verkleidungen waren aber noch nicht auf ihnen, weil das Mauerwerk zuerst austrocknen musste, dass das Holz an demselben keinen Schaden nehmen konnte. Der Vater hatte mir nur den ganzen Plan und die Vorrichtungen zu seiner Ausführung gesagt. So wie es mich einerseits freute, dass der Vater das Holzkunstwerk so schätzte, dass er eigens zu dem Zwecke, es anbringen zu können, das Häuschen hatte umbauen lassen, so war es mir andererseits erst recht schmerzlich, dass ich die Ergänzungen zu den Verkleidungen nicht aufzufinden im stand gewesen war. Ich sagte dem Vater von meinen Bemühungen und von meinem Leidwesen wegen des schlechten Erfolges. Er und die Mutter trösteten mich und sagten, es sei alles auch in der vorhandenen Gestalt recht schön, was verschwunden ist und nicht mehr erlangt werden kann, müsse man nicht eigensinnig anstreben, sondern sich an dem, was eine gute Gunst uns noch erhalten habe, freuen. Das Häuschen werde eine Erinnerung sein, und so oft man sich in demselben, wenn es vollkommen in den Stand gesetzt sein würde, befinden werde, werde einem die Zeit vorschweben, in welcher das Holzwerk gemacht worden sei, und die, in welcher ein lieber Sohn es zur Freude des Vaters aus dem Gebirge gebracht habe.
Ich musste mich wohl, obgleich ungern, beruhigen. Es erschien mir jetzt erst recht schön, wenn die Verkleidungen am ganzen inneren des Häuschens herum liefen, und über ihnen einerseits die Pfeiler und andererseits die Fenster schimmerten.
Nach einigen Tagen, in welchen die ersten Besprechungen geführt wurden, die nach einer Reise eines Familiengliedes im Schosse einer Familie immer vorfallen, wenn auch die Reise eine jährlich wiederkommende ist, legte ich dem Vater, da unterdessen auch meine Koffer und Kisten angekommen waren, die Abbildungen vor, welche ich von den Geräten und Fussböden im Rosenhause und im Sternenhofe gemacht hatte. Ich war auf die wirkung sehr neugierig. Ich hatte einen Sonntag abgewartet, an welchem er Zeit hatte, und an welchem er gerne nach dem Mittagessen eine geraume Weile in dem Kreise seiner Familie zubrachte. Ich legte die Blätter vor ihm auf einem Tische auseinander. Er schien mir bei ihrem Anblick – ich kann sagen – betroffen. Er sah die Blätter genau an, nahm jedes mehrere Male in die Hand, und sagte längere Zeit kein Wort. Endlich ging seine Empfindung in eine unverhohlene Freude über. Er sagte, ich wisse gar nicht, was ich gemacht hätte, ich wisse gar nicht, welchen Wert diese Dinge hätten, ich hätte in früherer Zeit die Schönheit und Zusammenstimmigkeit dieser Dinge mit Worten gar nicht so in das rechte Licht gestellt, wie es sich jetzt in Farbe und Zeichnung, wenn auch beides mangelhaft wäre, beurkunde. Im ersten Augenblicke hielt der Vater die Geräte, welche ich in dem Sternenhofe abgebildet hatte, für wirklich alte; als ich ihn aber auf die tatsächlichen Verhältnisse derselben aufmerksam machte, sagte er, das müsse ein ausserordentlicher Mensch sein, der diese Entwürfe gemacht habe, er müsse nicht nur mit der alten Bauart und Zusammenstellung der Geräte sehr vertraut sein, sondern er müsse auch ein ungewöhnliches Schönheitsgefühl haben, um aus der Menge der überlieferten Gestalten das zu wählen, was er gewählt habe. Und die Zusammenreihung der Geräte sei so aus einem Gusse, als wären sie einst zu einem Zwecke und in einer Zeit verfertigt worden. Auch die wirklich alten Geräte im Rosenhause seien von einer Schönheit, wie er sie nie gesehen habe, obgleich ihm die vorzüglichsten und berühmtesten Sammlungen der Stadt und mancher Schlösser bekannt wären. Zwei so auserlesene Stücke wie den grossen Kleiderschrein und den Schreibschrein mit den Delphinen dürfte man kaum irgendwo finden. Sie wären wert, in einem kaiserlichen Gemache zu stehen.
Ich erzählte ihm, um den Mann, der die Entwürfe für den Sternenhof gemacht hatte, näher zu bezeichnen, dass ich viele Bauzeichnungen und Zeichnungen von anderen Dingen in dem Rosenhause gesehen habe, welche weit höhere Gegenstände darstellen, und auch mit einer ungleich grösseren Vollendung ausgeführt seien, als ich bei meinen Abbildungen anzubringen im stand gewesen wäre. Diese arbeiten seien bei dem