1857_Stifter_158_107.txt

dem Asperhofe sei. Der Herr habe ihn von dem Inghofe gekauft, und da ich gewiss Ursache dieser Erwerbung sei, so müsse er mir seinen Dank dafür abstatten. Ich hatte allerdings mit meinem Gastfreunde über den Cereus geredet, wie ich es dem Gärtner versprochen hatte; aber ich wusste nicht, wie viel Anteil ich an dem Kaufe hätte, und sagte daher, dass ich den Dank nur mit Zurückhaltung annehmen könne. Ich musste dem Gärtner in das Kaktushaus folgen, um den Cereus anzusehen. Die Pflanze war in freien Grund gestellt, man hatte für sie einen eigenen Aufbau, gleichsam ein Türmchen, von doppeltem Glas auf dem Kaktushause errichtet, und hatte durch Stützen oder durch Lenkung der Sonnenstrahlen auf gewisse Stellen des Gewächses Anstalten getroffen, dass der Cereus, der sich an der Decke des Gewächshauses im Inghofe hatte krümmen müssen, wieder gerade wachsen könne. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Pflanze so gross sei, und dass sie sich so schön darstellen würde.

Weil mein Vater an altertümlichen Dingen eine so grosse Freude hatte, weil ihn die Verkleidungen so sehr erfreut hatten, welche ich ihm im vergangenen Herbste gebracht hatte, so tat ich an meinen Gastfreund, da ich eine Weile in seinem haus gewesen war, eine Bitte. Ich hatte die Bitte schon länger auf dem Herzen gehabt, tat sie aber erst jetzt, da man gar so gut und freundlich mit mir in dem Rosenhause war. Ich ersuchte nämlich meinen Gastfreund, dass er erlaube, dass ich einige seiner alten Geräte zeichnen und malen dürfe, um meinem Vater die Abbilder zu bringen, die ihm eine deutlichere Vorstellung geben würden, als es meine Beschreibungen zu tun im stand wären.

Er gab die Einwilligung sehr gerne und sagte: "Wenn Ihr Eurem Vater ein Vergnügen bereiten wollet, so zeichnet und malet, wie Ihr wollt, ich habe nicht nur nichts dagegen, sondern werde auch sorge tragen, dass in den Zimmern, die Ihr benützen wollt, gleich alles zu Eurer Bequemlichkeit hergerichtet werde. Sollte Euch Eustach an die Hand gehen können, so wird er es gewiss sehr gerne tun."

Am folgenden Tage war in dem Zimmer, in welchem sich der grosse Kleiderschrein befand, mit dem ich anfangen wollte, eine Staffelei aufgestellt und neben ihr ein Zeichnungstisch, ob ich mich des einen oder des andern bedienen wollte. Der Schrein war von seiner Stelle weg in ein besseres Licht gerückt, und alle Fenster bis auf eines waren mit ihren Vorhängen bedeckt, damit eine einheitliche Beleuchtung auf den Gegenstand geleitet würde, der gezeichnet werden sollte. Eustach hatte alle seine Farbstoffe zu meiner Verfügung gestellt, wenn etwa die von mir mitgebrachten irgendwo eine Lücke haben sollten. Das zeigte sich sogleich klar, dass die Zeichnungen jedenfalls mit Farben gemacht werden müssten, weil sonst gar keine Vorstellung von den Gegenständen hätte erzeugt werden können, die aus verschiedenfarbigem Holze zusammengestellt waren.

Ich ging sogleich an die Arbeit. Mein Gastfreund hatte auch für meine Ruhe gesorgt. So oft ich zeichnete, durfte niemand in das Zimmer kommen, in dem ich war, und so lange sich überhaupt meine Gerätschaften in demselben befanden, durfte es zu keinem andern Gebrauche verwendet werden. Um desto mehr glaubte ich meine Arbeit beschleunigen zu müssen.

Es waren indessen Matilde und Natalie in dem Asperhofe angekommen, und sie lebten dort, wie sie im vorigen Jahre gelebt hatten.

Ich zeichnete fleissig fort. Niemand stellte das Verlangen, meine Arbeit zu sehen, Eustach hatte ich gebeten, dass ich ihn zuweilen um Rat fragen dürfe, was er bereit willig zugestanden hatte. Ich führte ihn daher zu zeiten in das Zimmer; und er gab mir mit vieler Sachkenntnis an, was hie und da zu verbessern wäre. Nur Gustav liess Neugierde nach der Zeichnung blikken; nicht dass ihm geradezu eine Äusserung in dieser Hinsicht entfallen wäre; aber da er sich so an mich angeschlossen hatte, und da sein Wesen sehr offen und klar war, so erschien es nicht schwer, den Wunsch, den er hegte, zu erkennen. Ich lud ihn daher ein, mich in dem Zimmer zu besuchen, wenn ich zeichnete, und ich richtete es so ein, dass meine Zeichnungszeit in seine freien Stunden fiel. Er kam fleissig, sah mir zu, fragte um allerlei, und geriet endlich darauf, auch ein solches Gemälde versuchen zu wollen. Da mein Gastfreund nichts dawider hatte, so überliess ich ihm meine Farben zur Benützung, und er begann auf einem Tische neben mir sein Geschäft, indem er den nämlichen Schrein abbildete wie ich. Im Zeichnen war er sehr unterrichtet, Eustach war sein Lehrmeister; dieser hatte aber bisher noch immer nicht zugegeben, dass sein Zögling den Gebrauch der Farben anfange, weil er von dem Grundsatze ausging, dass zuvor eine sehr sichere und behende Zeichnung vorhanden sein müsse. Die Spielerei aber mit dem Schreinedenn es war nichts weiter als eine Spielereiliess er als eine Ausnahme geschehen.

Ich wurde in kurzem mit der ersten Arbeit fertig. Das Bild sah in den genau und gewissenhaft nachgeahmten Farben fast noch lieblicher und reizender aus als der Gegenstand selber, da alles ins kleinere und feinere zusammengerückt war.

Da ich die Zeichnung vollendet hatte, legte ich sie meinem Gastfreunde und Matilde vor. Sie billigten dieselbe, und schlugen einige kleine Änderungen vor. Da ich die notwendigkeit derselben einsah, nahm ich sie sogleich vor. Hierauf wurde von ihnen so wie von Eustach die Abbildung für fertig erklärt.

Nach dem Kleiderschreine nahm ich den