Versuch nahe an der Erde machen und aus der Arbeit einen ungefähren Kostenanschlag verfertigen", sagte Matilde; "denn ich gestehe gerne zu, dass mich auch der Anblick dieser Farbe nicht erfreut, besonders, da die Aussenseite der Mauern ganz von Steinen ist, die mit feinen Fugen an einander stossen, und man also bei Erbauung des Hauses auf keine andere Farbe als die der Steine gerechnet hat. Jetzt ist das Schloss von innen viel natürlicher und, wenn auch nicht an eine Kunstzeit erinnernd, doch in seiner Art zusammen stimmender als von aussen."
"Das Grau der Mauer mit den grauen Steinsimsen der Fenster, die nicht ungeschickt gegliedert sind, mit der Höhe und Breite der Fenster, deren Verhältnis zu den festen Zwischenräumen ein richtiges ist, würde, glaube ich, dem haus ein schöneres Ansehen geben, als man jetzt ahnt", sagte Eustach.
Mir fielen bei dieser Äusserung die Worte ein, welche mein Gastfreund einmal zu mir gesagt hatte, dass alte Geräte in neuen Häusern nicht gut stehen. Ich erinnerte mich, dass in dem saal und in den alt eingerichteten Gemächern dieses Schlosses die hohen Fenster, die breiten Räume zwischen ihnen und die eigentümlich gestalteten Zimmerdecken den Geräten sehr zum Vorteile gereichten, was in Zimmern der neuen Art gewiss nicht der Fall gewesen wäre.
Als wir so sprachen, kamen Natalie und Gustav, die bei der Nymphe des Brunnens zurückgeblieben waren, die Steintreppe zu uns empor. Die Angesichter waren sanft gerötet, die dunkeln Augen blickten heiter in das Freie, und die beiden jugendlichen Gestalten stellten sich mit einer anmutigen Bewegung hinter uns.
Von diesem Hügel der Eichenaussicht gingen wir weiter in den Garten zurück, und gelangten endlich in das Gemisch von Ahornen, Buchen, Eichen, Tannen und anderen Bäumen, welches wie ein Wäldchen den Garten schloss. Wir gingen in den Schatten ein, und die Freudenäusserungen und das Geschmetter der Vögel war kaum irgendwo grösser als hier. Wir besuchten Stellen, wo man der natur nachgeholfen hatte, um diese Abteilung noch angenehmer zu machen, und Gustav zeigte mir Bänke, Tischchen und andere Plätze, wo er mit Natalien gesessen war, wo sie gelernt, wo sie als Kinder gespielt hatten. Wir gingen an den wunderbar von Licht und Schatten gesprenkelten Stämmen dahin, wir gingen über die dunkeln und die leuchtenden Stellen der Sandwege, wir gingen an reichen grünenden büsche, an Ruhebänken und sogar an einer Quelle vorbei, und kamen durch Wendungen, die ich nicht bemerkt hatte, an einer Stelle wieder in den freien Garten zurück, die an der entgegengesetzten Seite von der lag, bei welcher wir das Wäldchen betreten hatten.
Wir liessen jetzt die zwei grossen Eichen links, eben so die Linden, und gingen auf einem anderen Wege in das Schloss zurück.
Das Mittagessen wurde an dem äusserst schönen Grün des Hügels unmittelbar vor dem haus unter einem dach von Linnen eingenommen.
Am Nachmittage besprachen sich Matilde und Eustach vorläufig über das, was in Hinsicht der Beschädigungen geschehen könnte, welche die neuen Geräte in den Südzimmern sowie die Fussböden und zum Teile auch die alten Geräte in den Westzimmern in der Zeit erlitten hatten. Gegen Abend wurden der Meierhof und die Wirtschaftsgebäude besucht.
So wie Matilde in dem Rosenhause um den weiblichen Anteil des Hauswesens sich bekümmert, alles, was dahin einschlug, besehen und Anleitungen zu Verbesserungen gegeben hatte: so tat es mein Gastfreund in dem Sternenhofe mit allem, was auf die äussere Verwaltung des Besitzes Bezug hatte, worin er mehr Erfahrung zu haben schien als Matilde. Er ging in alle Räume, besah die Tiere und ihre Verpflegung, und besah die Anstalten zur Bewahrung oder Umgestaltung der Wirtschaftserzeugnisse. War mir dieses Verhältnis schon in dem Rosenhause ersichtlich gewesen, so war es hier noch mehr der Fall. In den Handlungen meines Gastfreundes und in dem kleinen Teile, den ich von seinen Gesprächen mit Matilde über häusliche Dinge hörte, zeigte er sich als ein Mann, der mit der Bewirtschaftung eines grossen Besitzes vertraut ist, und die Pflichten, die ihm in dieser Hinsicht zufallen, mit Eifer, mit Umsicht und mit einem Blicke über das Ganze erfüllt, ohne eben deshalb die Grenzen zu berühren, innerhalb welcher die Geschäfte einer Frau liegen. Das geschah so natürlich, als müsste es so sein, und als wäre es nicht anders möglich.
Von dem Meierhofe gingen wir in die Wiesen und auf die Felder, welche zu der Besitzung gehörten. Wir gingen endlich über die Grenzen des Besitztumes hinaus, gingen über den Boden anderer Menschen, die wir zum Teile arbeitend auf den Feldern trafen, und mit denen wir redeten. Wir gelangten endlich auf eine Anhöhe, die eine grosse Umsicht gewährte. Wir blieben hier stehen. Das erste, auf das wir blickten, war das Schloss mit seinem grünen Hügel und im Schosse seiner umgürtenden Ahorne und des begrenzenden Gartenwaldes. Dann gingen wir auf andere Punkte über. Man zeigte und nannte mir die einzelnen Häuser, die zerstreut in der Landschaft lagen und durch die Linien von Obstbäumen, die hier überall durch das Land gingen, wie durch grüne Ketten zusammenhingen. Dann kam man auf die entfernteren Ortschaften, deren Türme hier zu erblicken waren. In diesem Stoffe konnte ich schon mehr mitreden, da mir die meisten Orte bekannt waren. Als wir aber mit unsern Augen in die Gebirge gelangten, war ich fast der Bewandertste. Ich geriet nach und nach in das Reden, da man mich um verschiedene Punkte fragte, und sah, dass ich Antwort zu geben wusste