mit mehr Genauigkeit seine Schätze, als ich mit der Rücksicht auf meine Begleiter, denen nichts neu war, für vereinbarlich hielt. Es waren viele Pflanzen aus fremden Weltteilen da, sowohl im warmen als im kalten haus. Besonders erfreut war er über seine reiche Sammlung von Ananas, die einen eigenen Platz in einem Gewächshause einnahmen.
Nicht weit hinter dem Gewächshause stand eine Gruppe von Linden, welche beinahe so schön und so gross waren wie die in dem Garten des Asperhofes. Auch war der Sand unter ihrem Schattendache so rein gefegt, und um die Ähnlichkeit zu vollenden, liefen auf demselben Finken, Ammern, Schwarzkehlchen und andere Vögel so traulich hin wie auf dem Sande des Rosenhauses. Dass Bänke unter den Linden standen, ist natürlich. Die Linde ist der Baum der Wohnlichkeit. Wo wäre eine Linde in deutschen Landen – und gewiss ist es in andern auch so –, unter der nicht eine Bank stände, oder auf der nicht ein Bild hinge, oder neben welcher sich nicht eine Kapelle befände. Die Schönheit ihres Baues, das Überdach ihres Schattens und das gesellige Summen des Lebens in ihren Zweigen ladet dazu ein. Wir gingen in den Schatten der Linden.
"Das ist eigentlich der schönste Platz in dem Sternenhofe," sagte Matilde, "und jeder, der den Garten besucht, muss hier ein wenig ruhen, daher sollt Ihr auch so tun."
Mit diesen Worten wies sie auf die Bänke, die fast in einem Bogen unter den Stämmen der Linden standen, und hinter denen sich eine Wand grünen Gebüsches aufbaute. Wir setzten uns nieder. Das Summen, wie es jedes Mal in diesen Bäumen ist, war gleichmässig über unserm haupt, das stumme Laufen der Vögel über den reinen Sand war vor unsern Augen, und ihr gelegentlicher Aufflug in die Bäume tönte leicht in unsere Ohren.
Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass auch mit Unterbrechungen ein leises Rauschen hörbar sei, gleichsam als würde es jetzt von einem leichten Lüftchen hergetragen, jetzt nicht. Ich äusserte mich darüber.
"Ihr habt recht gehört," sagte Matilde, "wir werden die Sache gleich sehen."
Wir erhoben uns und gingen auf einem schmalen Sandpfade durch die Gebüsche, die sich in geringer Entfernung hinter den Linden befanden. Als wir etwa vierzig oder fünfzig Schritte gegangen waren, öffnete sich das Dickicht, und ein freier Platz empfing uns, der rückwärts mit dichtem Grün geschlossen war. Das Grün bestand aus Efeu, welcher eine Mauer von grossen Steinen bekleidete, die an ihren beiden Enden riesenhafte Eichen hatte. In der Mitte der Mauer war eine grosse Öffnung, oben mit einem Bogen begrenzt, gleichsam wie eine grosse Nische oder wie eine Tempelwölbung. Im inneren dieser Wölbung, die gleichfalls mit Eppich überzogen war, ruhte eine Gestalt von schneeweissem Marmor – ich habe nie ein so schimmerndes und fast durchsichtiges Weiss des Marmors gesehen, das noch besonders merkwürdig wurde durch das umgebende Grün. Die Gestalt war die eines Mädchens, aber weit über die gewöhnliche Lebensgrösse, was aber in der Efeuwand und neben den grossen Eichen nicht auffiel. Sie stützte das Haupt mit der einen Hand, den anderen Arm hatte sie um ein Gefäss geschlungen, aus welchem wasser in ein vor ihr befindliches Becken rann. Aus dem Becken fiel das wasser in eine in den Sand gemauerte Vertiefung, von welcher es als kleines Bächlein in das Gebüsch lief.
Wir standen eine Weile, betrachteten die Gestalt und redeten über sie. Eustach und ich kosteten auch mittelst einer alabasternen Schale, die in einer Vertiefung des Efeus stand, von dem frischen wasser, welches sich aus dem Gefässe ergoss.
Hierauf gingen wir hinter der Eppichwand Über eine Steintreppe empor und erstiegen einen kleinen Hügel, auf welchem sich wieder Sitze befanden, die von verschiedenen Gebüschen beschattet waren. Gegen das Haus zu aber gewährten sie die Aussicht. Wir mussten uns hier wieder ein wenig setzen. Zwischen den Eichen, gleichsam wie in einem grünen, knorrigen Rahmen, erschien das Haus. Mit seinem hohen, steilen dach von altertümlichen Ziegeln und mit seinen breiten und hochgeführten Rauchfängen glich es einer Burg, zwar nicht einer Burg aus den Ritterzeiten, aber doch aus den Jahren, in denen man noch den Harnisch trug, aber schon die weichen Lokken der Perücke auf ihn herabfallen liess. Die Schwere einer solchen Erscheinung sprach sich auch in dem ganzen Bauwerke aus. Zu beiden Seiten des Schlosses sah man die Landschaft und hinten das liebliche Blau der Gebirge. Die dunkeln Gestalten der Linden, unter denen wir gesessen waren, befanden sich weiter links und störten die Aussicht nicht.
"Man hat sehr mit Unrecht in neuerer Zeit die Mauern dieses Schlosses mit der weissgrauen Tünche überzogen," sagte mein Gastfreund, "wahrscheinlich um es freundlicher zu machen, welche Absicht man sehr gerne zu Ende des vorigen Jahrhunderts an den Tag legte. Wenn man die grossen Steine, aus denen die Hauptmauern errichtet sind, nicht bestrichen hätte, so würde das natürliche Grau derselben mit dem Rostbraun des Daches und dem Grün der Bäume einen sehr zusammenstimmenden Eindruck gemacht haben. Jetzt aber steht das Schloss da wie eine alte Frau, die weiss gekleidet ist. Ich würde den Versuch machen, wenn das Schloss mein Eigentum wäre, ob man nicht mit wasser und Bürsten und zuletzt auf trockenem Wege mit einem feinen Meissel die Tünche beseitigen könnte. Alle Jahre eine mässige Summe darauf verwendet, würde jährlich die Aussicht, des widrigen Anblickes erledigt zu werden, angenehm vermehren."
"Wir können ja den