, er sah Bodensee und Rhein – und dachte des Akkusativus; er ritt in den altersgrauen Toren von Köln ein und ritt hinüber auf belgische Erde, der falsche Akkusativus ritt hinter ihm auf dem Bug seines Rosses wie ein Alp; die Klostermauern des heiligen Amandus taten ihm ihren Frieden auf: im Psalmsingen der Frühmette, in der Litanei der Vesperandacht stieg der Akkusativus vor ihm auf und heischte sein Sühnopfer.
Von allen unfrohen Lebenstagen prägen sich die am tiefsten der Seele ein, wo durch eigen Verschulden eine Beschämung veranlasst ward; statt mit sich selber drüber zu grollen, wird allen, die unfreiwillige Zeugen waren, eine bittere Verstimmung zugewendet, das liebe Menschenherz gesteht sich so schwer, so schwer die eigene Schwäche, und manchem, der ruhig an Kampf und Totschlag zurückdenkt, schiesst alles Blut zu haupt beim Gedanken an ein töricht Wort, das ihm an einer Stelle entfuhr, wo er gern mit einem verständigen geglänzt.
Darum nahm Gunzo seine Rache an Ekkehard. Und er führte eine scharfe, tapfere Feder und hatte vieler mond Frist auf sein Werk verwandt, dass es in seiner Art ein Meisterstück ward, eine schwarze Suppe von viel hundert gelahrten Brocken, reichlich gewürzt mit Pfeffer und Wermut und all den Bitterkeiten, die den Streitschriften geistlicher Herren vor denen anderer so lieblichen Schmack verleihen.
Und ging ein wohltuender Zug von Grobheit durchs Ganze, also dass dem Leser zumut' werden kann, als höre er, wie in naher Scheune ein Mensch mit Flegeln der Drescher gedroschen werde – was von der feinen Art neuerer Zeit, wo das Gift in vergüldeten Pillen gereicht wird und die Streiter den Hut voreinand abziehen, eh' sie anheben, sich die Rippen einzuschlagen, rühmlich absticht.
Es waren aber zwei Teile, der erste dem Ekkehard zum Nachweis, dass nur ein roher und unwissender Mensch sich an Verwechslung eines Kasus stossen könne, der zweite der Welt zur Überzeugung, dass der Verfasser Gunzo der gelahrteste, weiseste und frömmste der Zeitgenossen.
Und darum hatte er im Schweiss seines Angesichtes die Klassiker gelesen und die heiligen Schriften, dass er alle Stellen verzeichnen möge, in denen gleichfalls dichterische Laune oder Nachlässigkeit einen fälschlichen Akkusativus gebraucht. Brachte auch der Beispiele aus Virgilius zwei, aus Homer eines, aus Terentius eines, aus Priscianus eines, ferner aus Persius eines, wo ein Vokativ statt eines Nominativ, und aus Sallustius eines, wo ein Ablativ statt des Genitiv gesetzt ward – desgleichen aus den Büchern Moses und den Psalmen. "Und, wenn solches sogar in den Reihen heiliger Schriften zu finden, wer ist so ruchlos, dass er solche Weise des Sprechens zu tadeln wage oder zu verändern? Mit Falschheit also glaubt des heiligen Gallus Mönchlein, dass mir die Kunst der Grammatik fern, mag meine Zunge auch dann und wann gehemmt sein durch die Gewohnheit meiner heimischen Sprache, die der lateinischen nur verwandt ist. Verstösse aber kommen vor durch Nachlässigkeit und menschliche Unvollendeteit im allgemeinen, wie Priscianus sehr richtig sagt: 'Ich glaube nicht, dass von menschlichen Erfindungen etwas nach allen Teilen Vollendetes erfunden werden möge.' Auch hat schon Horatius Nachlässigkeiten der Schreibart und Sprache bei bedeutenderen Männern entschuldigt: 'Zuweilen schlummert auch der gute Homer.' Und Aristoteles sagt in seinem Buch über die hermeneiaA3: 'Alles, was unsere Zunge ausspricht, ist nur ein Ausdruck für das, was unserer Seele eingeprägt ist. Der Begriff einer Sache aber ist früher vorhanden als der Ausdruck, und somit die Sache höher zu schätzen denn das Wort. Wo aber der Sinn dunkel, sollst du ihm mit Geduld und erläuterndem Verstand behilflich sein, die wahre Meinung zu ermitteln'."
Folgte sodann ein Schwall klassischer Beispiele von ungeschicktem und nachlässigem Ausdruck des Gedankens, deren Reihe mit dem Spruch des Apostels schliesst, der sich selber ungeschickt im Reden, aber nicht ungeschickt an Wissen genannt.
"Betrachtet man hienach das Benehmen meines sanktgallischen Widersachers, so möchte man glauben, er sei einmal in den Garten eines weisen Mannes eingebrochen und habe vom Mistbeet einen Rettich gestohlen, der ihm den Magen verdorben und Galle angesetzt. Hüte darum jeder sein Gärtlein vor solchen Gesellen! Schlechte gespräche verderben gute Sitten.
Möglich auch, dass er durchaus nicht anders sich benehmen konnte. Er hat wohl den ganzen Tag in den Schlupfwinkeln seiner Kutte nachgesucht, womit er den Gastfreund bewirten möge, aber weil er nichts anderes als verborgene List und Bosheit drin vorfand, setzte er eben davon ein Pröbchen vor. Schlechte Menschen haben schlechte Schätze.
Mit solchem Wesen stimmt denn sein äusseres erscheinen, das wir sorgsam zu mustern nicht unterliessen. Sein Antlitz trug einen fahlen Glanz wie schlechtes Metall, das zur Fälschung des echten dient, seine Haare gekräuselt, die Kapuze feiner und sauberer denn nötig, die Schuhe leicht – auf dass alle Anzeichen vorhanden, die dem heiligen Hieronymus Ärgernis gaben, da er schrieb: 'Leider sind auch in meinem Sprengel etliche Kleriker, deren sorge darauf gerichtet ist, ob ihre Kleider herrlich duften, die Nägel ihrer Finger glänzen, das krause Hauptaar mit Balsam gesalbt und gesänftigt sei und der gestickte Schuh knapp am Füsslein sitze. Ein solcher Aufzug geziemt sich aber kaum für einen Stutzer und Bräutigam, geschweige für einen Geweihten des Herrn.'
Weiter hab' ich erwogen, ob nicht auch der laut seines eigenen Namens mit seiner Handlungsweise übereinstimme. Und wie? Ekkehard oder Akhar hiess der Mann, als wäre ihm schon bei der Taufe der Name eines Übeltäters vorahnungsvoll aufgeprägt worden. Denn wer kennt nicht jenen Akhar, der aus