an den Kaiser gingen ab mit Bericht über das Geschehene und Vorschlag künftiger Abwehr, der Burg Befestigung, wo sie sich mangelhaft erwiesen, ward gebessert, die Waffenbeute bemessen und verteilt, die Stiftung einer Kapelle auf dem Grabhügel der christlichen Kriegsmänner beschlossen.
Mit Reichenau und Sankt Gallen war viel Verhandlung; geistliche Freunde vergessen niemals Rechnung zu stellen für erwiesenen Dienst. Sie wussten eindringlich zu jammern und wehklagen über die Schädigung der Gotteshäuser und unerschwingliche Einbusse an Hab' und Gut: dass eine Schenkung von Grund und Boden den bedrängten Gottesmännern sehr erwünscht käme, ward der Herzogin täglich ins Gehör geträufelt. Fern im Rheintal, wo der Berg von Breisach mit seinen dunkel ausgebrannten Felsrücken der Strömung sich entgegenstemmt, war der Herzogin das Hofgut Saspach195. Auf vulkanischem Boden gedeiht die Rebe, – das hätte den frommen Brüdern auf der Aue wohl getaugt; schon um den Unterschied des rheinischen Weines von dem am See erproben zu können, ausserdem als geringer Ersatz für tapferes Streiten und die nötigen Seelenmessen um die Gebliebenen.
Und wie sich Frau Hadwig eines Tages dem Vorschlag, es abzutreten, nicht ganz abgeneigt erwiesen, kam schon des andern mit dem frühsten der Subprior geritten und bracht' ein grosses Pergament, drauf stunde die ganze Formel der Schenkung, und klang recht stattlich, wie alles dem heiligen Pirminius solle zugewiesen sein, Haus und Hof und aller Zubehör, gerodet Land und ungerodet, Wald und Weinberg, Weide und Wieswuchs und der Lauf der Gewässer samt Mühlenbetrieb und Fischfang, und was von eigenen Leuten männlichen und weiblichen Geschlechtes auf den Huben sesshaft ... und fehlte auch die übliche Verwünschung nicht: "So sich einer vermessen sollt", hiess es, "die Schenkung anzuzweifeln oder gar dem Kloster zu entziehen, über den sei Anatema Maranata gesprochen, der Zorn des Allmächtigen und aller heiligen Engel treffe ihn, mit Aussatz werde er geschlagen wie Naëmann, der Syrer, mit Gicht und Tod wie Ananias und Sapphira, und ein Pfund Goldes zahle er zur Sühne des Frevels dem Fiskus196."
"Der Herr Abt hat seiner gnädigen Herrin die Mühe sparen wollen, den Schenkbrief selbst aufzusetzen", – sprach der Subprior, "es ist freier Raum gelassen, Namen und Grenzen des Gutes einzutragen die Unterschriften der Parteien und Zeugen beizufügen, die Sigille dranzuhängen."
"Wisset ihr euch bei allen Geschäften so zu sputen?" erwiderte Frau Hadwig. "Ich werde' mir euer Pergament bei gelegenheit ansehen."
"Es wäre dem Abte ein liebsam und erwünscht Ding, so ich ihm heute schon die Schrift von Euch gezeichnet und gesiegelt zurückbringen könnte. 'Es ist wegen der Ordnung im Klosterarchiv', hat er gesagt."
Frau Hadwig schaute den Mann von oben herab an. "Sagt Euerm Abt", sprach sie, "dass ich eben die Rechnung stellen lasse, um wie viel der Brüder Einlagerung auf dem hohen Twiel mich an Küche und Keller geschädigt. Sagt ihm ausserdem, dass wir unsere eigenen Schreibverständigen haben, so es uns zu Sinne kommt, Hofgüter am Rhein zu verschenken, und dass ..."
Es lagen ihr noch etliche bittere Worte auf der Zunge. Der Subprior fiel beschwichtigend ein und gedachte, eine Reihe von Fällen aufzuzählen, wo erleuchtete Herren und Fürsten desgleichen getan, – wie die Könige in Francien drüben dem heiligen Martinus von Tours reichlichst den Schaden ersetzt, den er durch der Normänner Plünderung erlitten, und wie erklecklich durch solche Schenkung dem Heil der Seele Vorschub geleistet sei, denn wie das Feuer durchs wasser gelöscht werde, so die Sünde durchs Almosen ...
Die Herzogin wandte ihm den rücken und liess ihn samt seinen unerzählten Beispielen im saal stehen. "Zuviel Eifer ist vom Übel!" murmelte der Mönch; "langsam gefahren, sicher gefahren!" Da wandte sich Frau Hadwig! noch einmal. Es war eine unbeschreibliche Handbewegung, mit der sie sprach: "Wollet Ihr mich verlassen, so gehet auch gleich und ganz!"
Er trat seinen Rückzug an.
Den Abt zu ärgern, übersandte sie noch desselben Tages dem greisen Simon Bardo für glückliche Lenkung der Schlacht eine güldene Kette.
Ein Mann, mit dessen Schicksal sich die Herzogin gern beschäftigte, war der gefangene Hunne Cappan. Der hatte anfangs böse Tage durchlebt; es war ihm noch nicht klar, warum man ihn am Leben gelassen, er lief scheu umher wie einer, der kein Recht auf sich selber mehr hat, und wenn er auf seinem Strohlager schlummerte, kamen schöne Träume über ihn: Da sah er weite blumige Gefilde, aus denen wuchsen Galgen ohne Zahl wie Disteln in die Höhe, und an jedem hing einer seiner Landsleute, und am höchsten hing er selber und fand's ganz in der Ordnung, dass er dran hing, denn das war das Los Kriegsgefangener in selben Tagen197. Es ward aber keiner für ihn errichtet. Noch etliche Zeit schaute er misstrauisch auf die Linde im Burghof, die hatte einen stattlichen kahlen Ast und es deuchte ihm oftmals, als winke ihm der Ast herauf und sage: "Hei! wie taugtest du, mich zu schmükken!"
allmählich fand er jedoch, dass die Linde ein schöner schattiger Baum sei, und ward zutraulicher. Sein durchstochener Fuss heilte, er trieb sich in Hof und Küche herum und schaute mit stumpfer Verwunderung in das Getrieb deutschen Hauswesens. Er vermeinte zwar auf hunnisch, eines Mannes Heimat solle der rücken des Rosses sein und für Weib und Kind genüge ein fellumhangener Wagen, aber wenn'