Rhein, um mit Hirtenkindern zu spielen?!"
Da merkte Erica, dass beim Anführer ein Ungewit
ter im Anzug war; sie nahm das Mägdlein bei der Hand und ging mit ihr.
Wo das Lager sich an den Berg hinstreckte, war
zwischen aufgehäuften Steinplatten die Feldküche errichtet. Dort schaltete die Waldfrau, Audifax kniete beim grössten der Kessel und blies das Feuer an, die Abendsuppe brodelte drin. Jetzt sprang er auf und tat einen Schrei. Er hatte seine Gefährtin erschaut. Aber die Waldfrau reckte ihr Haupt hinter dem andern Kessel vor, das war mehr als ein Haltruf. Er stand unbeweglich, griff nach einem geschälten Ast und rührte die Suppe, wie's ihm vorgeschrieben war; – ein Bild stummen Jammers, er war blass und hager geworden, die Augen trüb von Tränen, die niemanden gerührt.
"Dass Ihr mir den Kindern nichts zuleide tut, alte Meerkatze!" rief Erica der Waldfrau zu.
Da ging Hadumot hinüber. Der Hirtenknabe liess seinen kunstlosen Löffel fallen und reichte ihr die Hand stumm und still, aber aus den tiefdunkeln Augen blitzte es zu ihr hinüber wie eine grosse geschichte von Gfangenschaft, Duldung und schweifendem Wunsch des Befreitseins. Hadumot stand unbeweglich vor ihm; sie hatte sich viel Rührendes gedacht vom Augenblick des Wiedersehens; das alles schwand – die grösste Freude jubelt schweigend ihr Lied himmelan. "Gib mir eine Schüssel von deiner Suppe, Audifax", sprach sie, "mich hungert!"
Die Waldfrau liess es geschehen, dass er ihr eine hölzerne Schüssel aus dem Feldkessel füllte. Das hungrige Kind stärkte sich dran und ward guten Mutes und erschrak nicht über die wilden Gesichter der hunnischen Reiter, die da kamen, ihre Abendsuppe zu schöpfen. nachher setzte sie sich dicht zu Audifax hin. Er war stumm und zurückhaltend, erst wie es dunkel ward und seine Dräuerin von dannen ging, lösten sich die Fesseln seiner Zunge. "O, ich weiss viel, Hadumot!" sagte er leise und sah sich scheu um – "ich weiss den Hunnenschatz! Die Waldfrau hat ihn in Verwahrung, zwei Truhen stehen unter ihrem Lager im Zweighaus; ich hab' selber hineingeschaut, es glänzt drin von Spangen und Vorhängkleinodien und güldenem Geschirr. Auch ein silbern Huhn mit Küchlein und Eiern ist dabei, das hat einer im Lombardenland mitgenommen, und viel Prächtiges sonst ... ich hab's teuer gebüsst, den Schatz zu sehen ..."
Er lüpfte seinen ledernen Schlapphut. Sein rechtes Ohr war halb abgeschnitten.
"... Die Waldfrau kam heim, eh' ich die Truhe zuschlagen konnte. 'Das sei dein Lohn', sprach sie und zuckte die Schere wider mein Ohr. 's hat weh getan, Hadumot. Aber ich zahl's ihr heim!"
"Ich helf' dir!" sprach die Gefährtin.
Lange noch plauderten die beiden; der Schlummer floh die Augen der Glücklichen. Der Lärm des Lagers schwieg. Dämmernde Schatten waren über das Tal gebreitet. Da sprach Hadumot: "Ich muss immer und immer denken, es sei jene Nacht, wo die Sterne fielen."
Audifax seufzte. "Ich gewinn' meinen Schatz doch noch", sprach er; "ich weiss es."
Und wieder sassen sie eine Weile, da schreckte Audifax zusammen, Hadumot spürte das Zittern seiner Hand. – Über dem Rheine auf dunkelm Berggipfel flammte ein Feuerzeichen auf, es war wie eine Fackel, die ein Mann in kreisendem Bogen schwingt und in die Lüfte hinausschleudert.
"Jetzt ist's erloschen!" sprach Audifax leis.
"Aber dort!" sagte Hadumot erschrocken und wies rückwärts.
Von des Botzbergs Höhe schlug eine Lohe empor und kreiste feurig und sprühte in Funken. Es war dasselbe Zeichen. Und drüben auf dem Schwarzwald hub sich an dem platz, wo die Fackel geschwungen worden, eine hohe Flamme himmelan und leuchtete durch die sternlose Nacht. Von der Wache im Tal draussen scholl ein gellender Pfiff. Im Lager regte sich's. Die Waldfrau kam herein. "Was träumst du noch, Bub'!" rief sie drohend, "schirr' unser Gespann und rüste das Saumross!"
Schweigend gehorchte Audifax.
Der Wagen stand geschirrt, das Saumross an den Pfahl gebunden; vorsichtig schlich die Alte heran und hing ihm zwei Körbe um und trug zwei Truhen herzu, die packte sie in die Körbe und tat Heu drüber. Sie spähte lauernd hinaus. Es war wieder still. Der Frikktaler Wein schaffte den Hunnen einen festen Schlaf.
"Es ist nichts!" brummte die Waldfrau, "wir können die Gäule wieder zur Ruhe bringen." Da fuhr sie auf wie geblendet. Der Berg über dem Lager war lebendig geworden, es blitzte und sprühte von viel hundert fackeln und Feuerbränden192 und donnerte mit wütendem Schlachtruf dazwischen, – vom Rhein her wälzten sich dunkle massen, auf allen Gipfeln flammte es gegen Himmel. – heraus, ihr Schläfer! ... es war zu spät – schon flog der helle Brand ins Hunnenlager, – klagend Gewieher der Rosse tönte auf – der grosse Stall stand in Flammen dunkle Gestalten brechen ein, fackelglanzbeschienen kommt heute der Tod; – das ist der alte Irminger, Herr im Frickgau, der ihn bringt, er, der starke Vater sechs starker Söhne, der wie Mattatias mit seinen Makkabäern das Elend seines Volkes nicht länger erschauen wollte; – und von ihnen geführt die Männer von Hornussen und Herznach und die