Asche der Verbrannten und ihrer Rosse zusammen und streute sie in den See, während die Hunnen noch drüben einherzogen. "Kein Staub von einem Heiden soll auf der Insel bleiben", sprach er. Dann ging er in den Klosterhof und schaute sich tiefsinnig den Platz an, wo er gestern zum Tanz gezwungen wurde.
Der Hunnen Ritt ging durch den dunklen Tannwald dem Hohentwiel entgegen. Aber wie sie sorglos dahintrabten, prallte da und dort ein Ross auf; Pfeile und Schleuderkugeln, von unsichtbaren Schützen geschossen, fuhren in den Schwarm. Der Vortrab wollte stutzig werden. "Was kümmert euch der Mückenstich?" rief Ellak und spornte sein Ross, "vorwärts, die Ebene ist das Feld, der Reiterschlacht!" Ein Dutzend seiner Leute hiess er mit dem Tross zurückbleiben zum Geplänkel mit denen im Wald. Die Erde dröhnte vom Hufschlag der vorwärts sausenden Horde; im Blachfeld breitete sich der Schwarm und sprengte mit Geheul auf den anrückenden Heerbann. Weit voraus ritt Ellak mit dem hunnischen Bannerträger, der schwenkte die grünrote Fahne über ihm, er aber hob sich hoch im Sattel und tat einen wilden Schrei und schoss den ersten Pfeilschuss ab, auf dass der Kampf nach altem Brauch eröffnet sei184. Es begann das Morden der Feldschlacht. Aber wenig frommte es den schwäbischen Kriegern, dass sie unerschüttert standhielten, ein starrender Lanzenwald; war der Reiter Angriff abgeprallt, so kam aus der Ferne ein Pfeilregen geschwirrt; halb aufgerichtet im Bügel standen die Hunnen trotz Rossestrab, den Zaum über des Gauls Nacken geworfen zielten sie, der Schuss traf.
Andere schwärmten von der Seite ein – weh dem Gefallenen, den seine Brüder nicht in die Mitte nahmen.
Da gedachten die Leichtbewaffneten vom wald den Hunnen in den rücken zu brechen. Hörnerruf rief sie zur Sammlung, sie rückten vor – aber mit eines Gedankens Schnelle waren die feindlichen Rosse gewendet, Pfeilregen prasselte in die Anrückenden, sie stutzten, wenige schritten weiter, auch sie wurden geworfen, nur Audifax marschierte vorwärts, die Pfeile zischten um ihn, er schaute nicht auf und nicht zurück, er blies die Sackpfeife zum Angriff, wie es seines Amtes war; so kam er mitten ins Gewühl der feindlichen Reiter.
Da stockte sein Blasen – im Vorübersprengen hatte ihm einer die Schlinge um den Hals geworfen und riss ihn an sich; widerstrebend schaute Audifax um, kein einziger seines Häufleins war hinter ihm zu erspähen – "O Hadumot!" rief er betrübt. Den Reiter jammerte des mutigen blonden Knaben, statt ihm das Haupt zu spalten, hob er ihn zu sich aufs Ross und jagte mit ihm zurück. Von einem Hügel gedeckt hielt der hunnische Tross. Hoch aufgerichtet stunde die Waldfrau auf ihrem Wagen und spähte hinaus in die wogende Schlacht, sie hatte die ersten Verwundeten gepflegt und kräftige Heilsprüche gesungen über das rinnende Blut.
"Ich bring' Euch einen, der kann die Feldkessel fegen!" rief der hunnische Reiter und warf den Hirtenknaben vom Ross hinüber, dass er der Alten vor die Füsse flog in den strohumflochtenen Korb des Wagens.
"Willkommen, du giftiges Krötlein", rief sie grimmig, "du sollst den Lohn empfahen dafür, dass du den Kuttenmann auf meinen Fels gewiesen!" Sie hatte ihn erkannt, zerrte ihn an der Schlinge zu sich und band ihn an des Wagens Gestell.
Audifax schwieg. Aber bittere Tränen perlten im Auge, er weinte, nicht ob seiner Gefangenschaft, er weinte ob abermals getäuschter Hoffnung. "O Hadumot!" seufzte er abermals. – Verwichene Mitternacht war er bei der jungen Hirtin gesessen, versteckt am glimmenden Herdfeuer: "Du sollst fest werden", hatte Hadumot gesagt, "gefeit gegen Hieb und Stich!" Sie hatte eine braune Schlange zerkocht und ihm mit dem Fette Stirn und Schulter und Brust bestrichen. "Morgen abend erwarte ich dich hier am selbigen Plätzlein, du kommst mir heil zurück. Kein Eisen ist wider Schlangenfett!"
Und Audifax hatte ihr die Hand gegeben und war so wohlgemut mit seiner Sackpfeife ausgerückt in den Kampf – und jetzt! ...
Noch wogte der Feldstreit draussen im Talgrund. Schier wankten die schwäbischen Reihen, ermüdet des ungewohnten Fechtens. Bedenklich schaute Simon Bardo drüber hin und schüttelte das Haupt: "Die schönste Strategie", brummte er, "ist vergeudet an diese Zentauren, – das sprengt ab und zu und schiesst aus der Ferne, als wär' meine dreifache Schlachtordnung für nichts da; es täte wahrhaft not, dass man des Kaiser LeoA4 Buch über die Taktik ein eigen Kapitel vom Hunnenangriff zufügte!"
Er ritt zu den Mönchen und schied sie wieder in zwei Heerhaufen; die von Sankt Gallen sollten zur Rechten, die Reichenauer zur Linken des Heerbanntreffens vorrücken, dann schwenken, dass der Feind, den Wald im rücken, in weitem Halbkreis eingeschlossen sei. "So wir sie nicht einklemmen, halten sie nicht stand", rief er und schwang sein breites Schlachtschwert; "auf und drauf denn!"
Wildes Feuer leuchtete aus aller Augen. Marschbereit standen die Reihen. Jetzt warf sich noch ein jeglicher ins Knie, griff eine Scholle vom Boden auf und streute sie rückwärts über sein Haupt, dass es geweiht und gefeit sei durch die vaterländische Erde185, – dann ging's in Kampf.
Die von Sankt Gallen stimmten den frommen Schlachtgesang "Media vita" an. Notker, der Stammler, war dereinst durch die Schluchten beim heimischen Martinstobel gestiegen, sie wölbten einen Brükkenbogen herüber, über schwindelnder Tiefe schwebten die Bauleute