wider des Antiochus Heer: "Umgürtet euch drum und seid tapfere Männer und seid bereit, gegen den Morgen früh wider die Völker zu streiten, die heranziehen, unser Heiligtum auszutilgen, denn es ist uns besser, im Streit umzukommen, als das Elend sehen an unserm Heiligtum – Amen!"
Eines Augenblickes Länge blieb's still, wie er geendet; dann hob sich ein Klirren und Klingen, sie schlugen Schwert und Schild aneinand, hoben die Speere hoch und schwenkten die Feldzeichen – alte Sitte freudiger Zustimmung.
"Amen!" scholl es tönend durch die Reihen, dann neigten sie die Kniee, das Hochamt ging zu Ende; schauerlich klangen die hölzernen Klappern statt des üblichen Glockentones zur Feier. Wer sich noch nicht in österlicher Andacht mit dem Leib des Herrn gestärkt, trat vor zum Altar, ihn zu empfangen. Da rief's vom Turm: "Waffen! Waffen! Feindio183! – Vom See kommt's schwarz herangezogen, Ross und Reiter, Feindio! –" jetzt war kein Halt mehr und keine Ruhe, sie stürmten nach dem Tor, wie vom Geist getrieben; kaum mochte Abt Wazmann den Segen erteilen.
So stürmt in unsern Tagen der wendische Fischer aus der Sonntagskirche, die am rügianischen Dünengestad' sein Geistlicher hält, zur Zeit, wo des Herings Heersäulen im Anzug sind. "Der fisch kommt!" ruft die schildwache am sandweissen Ufer, da wogt's und rennt's nach den Barken, verlassen steht der Prediger und schaut ins Getümmel, da schneidet auch er der Andacht Faden ab und greift seine Netze und eilt zum Schifflein, die Schuppenträger zu bekriegen ...
Schlachtfroh rückten sie aus dem hof, in jedem Herzen jene Mark und Fibern schwellende Spannung, dass es einem grossen Augenblick entgegengehe. Und waren der Mönche von Sankt Gallen vierundsechzig, derer von Reichenau neunzig und an Heerbannleuten mehr denn fünfhundert. Beim Feldzeichen der Sankt Gallischen Brüder schritt Ekkehard; es war ein florverhüllt Kruzifix mit schwarzen Wimpeln, da des Klosters Banner zurückgeblieben. Auf dem Söller der Burg stand die Herzogin und liess ein weisses Tuch in die Lüfte wehen. Ekkehard wandte sich nach ihr, aber ihr blick mied den seinen und der Abschiedsgruss galt nicht ihm.
Ans untere Burgtor hatten dienende Brüder den Sarg mit des heiligen Markus Gebein getragen: Wer immer vorüberschritt, berührte ihn mit Schwert und Lanzenspitze, dann ging's schweren Tritts den Burgweg hinab.
In der weiten Ebene, die sich nach dem See hinstreckt, ordnete Simon Bardo die Scharen seiner Streiter. Hei! wie wohlig war's dem alten Feldhauptmann, dass statt der Kutte wieder der gewohnte Panzer sich um die narbenbedeckte Brust schmiegte. Zu fremdartig geformter, spitz zugehender Stahlkappe kam er geritten, sein breiter, edelsteingeschmückter Gürtel und der güldene Knauf des Schwertes zeigten den ehemaligen Heerführer.
"Ihr leset die Alten der Grammatika halber", hatte er zu den Äbten gesagt, die hoch zu Rotz bei ihm hielten, "ich hab' mein Handwerk von ihnen gelernt. Mit Frontinus' und Vegetius'A2 guten Ratschlägen lässt sich noch heutigentages was ausrichten. Für den Anfang soll's heute mit der Schlachtordnung der römischen Legionen erprobt sein, dabei lässt sich am besten abwarten, wie sich der Feind zu erkennen gibt. Wir können dann noch immer tun, wie wir wollen, die Sache geht nicht in einer halben Stunde zu ende'."
Er hiess die leichte Mannschaft der Bogenschützen und Schleuderer vorausrücken; sie sollten den Waldsaum besetzen, vom Tannendickicht gegen Reiterangriff geschützt. "Zielt nieder!" sprach er, "wenn ihr auch statt des Mannes das Ross trefft, 's ist immer etwas!"
Beim Klang der Waldhörner schwärmte die Schar vorwärts, noch war kein Feind zu sehen.
Die Männer des Aufgebots ordnete er in zwei Heersäulen; dichtgeschlossen, den Speer gefällt und langsam rückten sie vor, von der vordern Säule zur zweiten ein Abstand weniger Schritte. Der von Randegg und der dürre Fridinger führten sie.
Die Mönche hiess er zu einem Haufen zusammentreten und stellte sie in die Rückhut.
"Warum das?" fragte der Abt Wazmann; er kränkte sich, dass ihnen nicht die Ehre des vordersten Angriffs zugeteilt ward.
Da lächelte der Kriegserfahrene. "Das sind meine TriarierA3", sprach er; "nicht, weil altgediente Soldaten, wohl aber, weil sie um Rückkehr ins warme Nest streiten. Von Haus und Hof und Bett verjagt sein, macht die Hiebe am schwersten und die Stiche am tiefsten. Habt keine sorge, die Wucht des Streites kommt noch früh genug an die Mannschaft des heiligen Benediktus!"
Die Hunnen hatten bei Tagesgrauen das Reichenauer Kloster geräumt. Die Vorräte waren aufgezehrt, der Wein getrunken, die Kirche geplündert: ihr Tagewerk war getan. Auf Heribalds Stirn ward manche Runzel glatt, wie der letzte Reiter dem Tor entritt. Er warf ihnen ein Goldstück nach, das ihm der Mann von Ellwangen im Vertrauen zugesteckt. "Landsmann", hatte Snewelin zu ihm gesagt, "wenn du hörst, dass mir ein Unglück zugestossen ist, so lass ein Dutzend Messen für meine arme Seel' lesen. Ich hab's immer gut gemeint mit euch und euerm Wesen, und dass ich unter die Heiden geraten bin, geschah mir, ich weiss selber nicht wie. Der Ellwanger Boden ist leider zu rauh, als dass Heilige darauf erwachsen können."
Aber Heribald wollte nichts von ihm wissen. Im Garten schaufelte er Knochen und