dem Heerhaufen wallte die Fahne mit der grünen Katze im roten Feld, bei ihr ritten etliche der Anführer, Ellaks und Hornebogs hervorragende Gestalten.
Ellak mit scharfer unhunnischer Nase, eine Cirkassierin war seine Mutter gewesen, ihr dankte er das blasse, schier denkerartige Antlitz und den durchbohrenden blick; er war der leitende Verstand des Haufens; dass die alte Welt umgepflügt werden müsse mit Feuer und Schwert, und dass es besser Pflüger als Dung zu sein, seine Lebensüberzeugung. Hornebog, schmal und schmächtig, das schwarze Hauptaar auf beiden Seiten des Angesichts zu zwei grossen einsamen Locken zusammengedreht, drüber einen glänzenden Helm mit weitin starrenden Adlerflügeln, hunnischer Reiterkunst ein Vorbild; ihm war der Sattel Heimat, Zelt und Palast, er schoss den Vogel im Flug und trennte mit krummem Säbel ein Haupt vom Rumpf im Vorbeisprengen. Im Halfter wiegte sich ruhig die sechsfältige geknutete Peitsche, ein sinnig Symbol befehlshabender Gewalt.
Über der Rosse rücken hatten die Hauptmänner köstlich gewirkte Decken hangen, auch Messgewänder, ein lebendig Zeugnis, dass sie schon anderwärts Klosterbesuch abgestattet. In etlichen Wägen wurde die Kriegsbeute mitgeführt; grosser Tross schloss den Zug.
Auf maultiergezogenem Gefährt bei den kupfernen Feldkesseln und anderweitem Küchengerät sass ein alt runzlig Weib. Sie hielt die Hand über die Augen und schaute gegen die Sonne, dort ragten die Bergkegel des Hegau herüber, sie kannte ihre Kuppen ... das Weib war die Waldfrau. Ausgetrieben von Ekkehard war sie in die Fremde gezogen, Rache der Gedanke, mit dem sie des Morgens vom Schlafe erwachte und des Abends sich niederlegte, so kam sie unstet wandernd vor Augsburg, am Fuss des berges, drauf einst die Schwabengöttin Zisa171 ihren Holztempel gehabt, brannten der Hunnen Lagerfeuer: sie fand sich zu ihnen.
Auf stattlichem Rappen ritt bei der Waldfrau ein Mägdlein, kurz aufgeschürzt, in kecker Fülle gesunden Reiterlebens, unter stumpfem Näslein ein verführerisch Lippenpaar, die Augen funkelnd, das Haar zu einer wallenden Flechte geschlungen, die von rotem Band durchwoben in der Luft flatterte wie Wimpel eines Meerschiffs. Über das lose Mieder hing Bogen und Köcher, so tummelte sie ihr Tier, eine hunnische Artemis. Das war Erica, das Heideblümlein, sie war nicht hunnischen Stammes, in den Steppen Pannoniens hatten die Reiter sie als ein verlassen Kind aufgelesen, und sie war mitgezogen und gross geworden, ohne zu wissen warum: wen sie gern hatte, den streichelte sie, wer ihr missfiel, den biss sie in den Arm. Botund, der alte Hunnenwachtmeister, hatte sie geliebt, Irkund, der junge, schlug den Botund wegen des Heideblümleins tot, aber wie Irkund sich ihrer Liebe erfreuen wollt' kam Zobolsu und tat ihm mit spitzer Lanze denselben Dienst, den Irkund dem Botund ohne sein Ansuchen erwiesen – so waren Ericas Schicksale mannigfalt, neue Wege, neue Länder, neue Liebe, aber sie war dem Reitertrupp zugewachsen, als wär' sie sein guter Geist, und stunde in abergläubischer Verehrung – "solang' die Heideblume bei uns blüht, besiegen wir die Welt", sprachen die Hunnen, "vorwärts!"
Bei der Klosterpforte lag indes Heribald, der Geknebelte. Seine Betrachtungen waren traurig, eine grosse Stechfliege summte um sein Haupt, mit auf den rücken gebundenen Händen vermochte er nicht ihr zu wehren. Heribald hat sich würdig betragen, dachte er, wie ein alter Römer ist er dagesessen, den Feind zu empfangen, jetzt liegt er geknebelt auf dem Pflaster und die Fliege sitzt ungescheut auf seiner Nase: das ist der Lohn für das Würdige! Heribald wird zeitlebens nimmer würdig sein! Unter Stachelschweinen ist Würde ein gar überflüssig Ding!
Wie ein Waldbach bei gehobener Schleuse wälzte sich jetzt der Hunnenzug in den Klosterhof.
Da ward's dem guten Heribald nimmer ganz geheuer: "O Camerarius!" fuhr er in seinen Betrachtungen fort – "und weigerst du mir das nächstemal ausser dem Schuhleder auch noch Hemd und Kutte, so flieh' ich doch, ein nackter Mann, von dannen."
Die vom Vortrab traten zu Ellak und meldeten, wie sie den einsamen Mönch getroffen. Er winkte, ihn beizubringen, da lösten sie ihm den Strick, stellten ihn aufrecht in den Hof und deuteten durch Faustschläge die Richtung nach dem Anführer. Langsam schritt der Unglückliche vorwärts, er stiess ein unwillig Murren aus.
Ein unsäglich spöttischer Zug flog über des Hunnenführers Lippen, wie er vor ihm stand; lässig liess er die Zügel über des Rosses Hals hangen und wandte sich rückwärts:
"Schau doch, wie ein Vertreter deutscher Kunst und Wissenschaft aussieht!" rief er zu Erica hinüber. – Auf mehrfachen Raubzügen hatte Ellak notdürftig des deutschen Landes Sprache erlernt. "Wo sind die Bewohner der Insel?" fragte er gebieterisch.
Heribald deutete nach dem fernen Hegau.
"Gewaffnet?" fragte Ellak weiter.
"Die Diener Gottes sind stets gewaffnet, der Herr ist ihnen Schild und Schwert."
"Gut gesagt!" lachte der Hunne: "Warum bist du zurückgeblieben?" Heribald ward verlegen. Den wahren Grund von wegen seiner zerrissenen Schuhe anzugeben, gestattete ihm sein Ehrgefühl nicht, "Heribald ist fürwitzig", sprach er, "Heribald wollte schauen, wie die Söhne der Teufel aussehen ..."
Ellak teilte seinen gefährten des Mönchs höfliche Worte mit. Ein wiehernd Gelächter erscholl.
"Ihr braucht nicht zu lachen", rief Heribald verdriesslich, "wir wissen recht wohl, wer ihr seid, der Abt Wazmann hat's uns gesagt."
"Ich