spickte seinen Schild, er schüttelte sie ab; da und dort klomm einer der Hunnen auf die Nagelfluhfelsen, ihm beizukommen, Romeias' Speerwurf holte sie herunter, – der Angriff mehrte sich, wild toste der Kampf, aber unverzagt sang Wiborad ihren Psalm:
'Vertilge sie im Grimm, o Herr, vertilge sie, dass sie nicht mehr sind, damit man erkenne, dass Gott über Israel herrsche bis an die Grenzen der Erde, Sela ...'
Soweit hatte Burkard des Kampfes Verlauf mit angeschaut, dann wandte er sich zur Flucht. Da wurden wir in der Waldburg sehr betrübt und schickten noch in der Nacht eine Schar aus, nach dem blinden Tieto zu schauen. Es war still auf dem Hügel der Klausnerinnen, wie sie heranschlichen; der Mond leuchtete auf die Körper erschlagener Hunnen, da fanden die Brüder ..."
Ein lautes Schluchzen unterbrach den Erzähler. Praxedis hielt sich mühsam an der Herzogin Lehnstuhl und weinte bitterlich.
"... Da fanden sie", fuhr der Abt fort, "des Romeias verstümmelten Leichnam; sein Haupt hatten die Feinde abgehauen und mitgeschleppt, er lag auf seinem Schild, den welken Strauss, seine Helmzier, krampfhaft geballt in der Rechten. Gott hab ihn selig: wes Leib mit Treuen ein Ende nimmt, ein solcher dem Himmelreich geziemt! An Wiborads Laden klopften sie vergeblich, die Ziegel am Dach ihrer Klause waren zertrümmert, da stieg einer aufs Dach und schaute hinab, vor dem kleinen Altar der Zelle lag die Klausnerin in ihrem Blut, drei Schwertiebe klafften auf dem Scheitel, der Herr hat sie gewürdigt, unter den Streichen der Heiden des Martyriums Krone zu erringen."
Die Anwesenden schwiegen bewegt. Auch Frau Hadwig war gerührt.
"Ich hab' Euch der Seligen Schleier mitgebracht", sprach Cralo, "geweiht vom Blut ihrer Wunden, Ihr mögt ihn in der Kapelle der Burg aufhängen. Nur Tieto, der Blinde, war unverletzt geblieben: unentdeckt vom Feind schlummerte er in der Klause am Fels. 'Ich hab' geträumt, es sei ein ewiger Friede über die Welt gekommen', sprach er zu den Brüdern, wie sie ihn weckten.
Aber im abgelegenen Sittertal blieb's nimmer lang' still; die Hunnen fanden den Weg zu uns: das war ein Schwärmen und Pfeifen und Grunzen, wie's der Tannwald noch nie gehört. Unsere Mauern waren fest und unser Mut stark, doch hungrige Männer werden des Velagertseins unlustig, vorgestern war unser Vorrat aufgezehrt; wie es dunkelte, sahen wir die Rauchsäule aufsteigen vom Brand unseres Klosters; da brachen wir nächtlicherweile durch den Feind, der Herr war mit uns und bahnte den Weg, unsere Schwerter halfen auch dazu: so sind wir zu Euch gekommen ..."
Der Abt neigte sich gegen Frau Hadwig –
"... heimatlos und verwaist wie Vögel, in deren Nest der Blitz geschlagen, und bringen Euch nichts mit als die Kunde, dass der Hunne, den Gott vernichten möge, uns auf den Fersen nachfolgt ..."
"Je eher er kommt, je besser!" sprach der Reichenauer Abt trotzig und hob seinen Becher.
"Sieg den tapfern Waffen der Streiter Gottes!" sprach die Herzogin und stiess mit ihnen an.
"Und Rache für den braven Romeias!" sagte Praxedis leise mit Tränen im auge', wie der dürre Fridinger sein Glas an das ihrige klingen liess.
Es war spät geworden. Wilder Gesang und Kriegslärm erschallte noch im untern Saal. Der junge Bruder, der von Mutina in Welschland nach der Reichenau gekommen war, hatte sein Wächterlied wieder angestimmt.
Die gelegenheit zu ernster Tat sollte nicht lange mehr auf sich warten lassen.
Fussnoten
A1 Hufen Landes. A2 Unverwundbar machendes Hemd, von reinen Jungfrauen in der Christnacht unter besonderen Förmlichkeiten gesponnen. A3 Bezeichnung für grosse Lastschiffe auf Bodensee und Rhein (gewöhnlich Lädine, Einzahl 'Lädi' zu 'laden' ). A4 Nisus und Euryalus, durch hingebende Freundestreue ausgezeichnet, ziehen sich, nachdem sie im Lager der Feinde Heldentaten verrichtet haben, zurück ("Äneis", Buch 9, Vers 366); später wird Nisus von den Reitern des Volscens getötet; Volscens erliegt dem rächenden Schwert des selbst tödlich verwundeten Euryalus.
Dreizehntes Kapitel.
Heribald und seine Gäste.
Auf der Insel Reichenau war's still und öde, nachdem des Klosters Insassen abgezogen. Der blödsinnige Heribald war Herr und Meister des Eilands. Er gefiel sich in seiner Einsamkeit. Stundenlang sass er am Seeufer und warf flache Kieselsteine über die Wellen, dass sie drauf tanzten. Wenn sie gleich anfangs untersanken, schalt er sie.
Mit den Hühnern im Hof pflog er manchen Zwiespruch, er fütterte sie pünktlich. "Wenn ihr brav seid", sprach er einmal, "und wenn die Brüder nicht heimkommen, so wird euch Heribald eine Predigt halten." Im Kloster trieb er allerhand Kurzweil – an einem Tag der Einsamkeit lassen sich gar mancherlei nützliche Gedanken aushecken – der Camerarius hatte ihn geärgert, dass er ihm sein Leder zum Schuhwerk geweigert, da ging Heribald auf des Camerarius Zelle, seinen grossen steinernen Wasserkrug schlug er in Trümmer, die drei Blumentöpfe desgleichen und trennte den Strohsack auf des Camerarius Nachtlager entzwei und füllte ihn mit den Scherben. Dann versuchte er, wie sich darauf liege: der harte Inhalt war scharf zu verspüren – da lächelte er zufrieden und ging in des Abt Wazmann Gemächer.
Auch dem Abte war er gram,