zu tun, denn sein Gebaren war vornehm und ritterlich. Auch Ekkehard sollte die Herzogin begleiten, es war ihm ein Ross vorgeführt worden; allein er hatte es abgelehnt, dass kein Neid entstünde unter den Mönchen.
Jetzt tat sich das äussere Burgtor knarrend auf, und die Scharen zogen herab. Voraus die Bogen- und Armbrustschützen; lustige Klänge erschallten, ernsten Antlitzes schritt Audifax als Sackpfeifer mit den Hornisten, in geschlossenem Zug ging's vorbei. Dann liess Simon Bardo ein Signal blasen, da lösten sich ihre Glieder und schwärmten aus wie ein wilder Wespenschwarm und hielten Busch und Hecken besetzt.
Dann kam die Kohorte der Mönche, festen Schrittes, in Helm und Harnisch, die Kutte drüber, den Schild auf dem rücken, den Spiess gefällt: eine sturmgewaltige Schar; hoch flatterte ihr Fähnlein, ein rotes Kreuz im weissen Feld. Pünktlich marschierten sie, als wär' es seit Fahren ihr Handwerk – bei starken Menschen ist auch die geistige Zucht gute Vorübung zum Kriegerstand. Nur einer am linken Flügel vermochte nicht Schritt zu halten, seine Lanze ragte uneben aus der geraden Reihe der andern: "'s ist nicht seine Schuld", sprach Abt Wazmann zur Herzogin, "er hat in Zeit von sechs Wochen ein ganz Messbuch abgeschrieben, da flog ihm der Schreibkrampf in die Finger."
Ekkehard schritt auf dem rechten Flügel; wie sie an der Herzogin vorüberkamen, traf ihn ein blick aus den leuchtenden Augen, der kaum der ganzen Schar gegolten.
In drei Haufen folgten die Dienstmannen und aufgebotenen Heerbannleute; mächtige Stierhörner wurden geblasen, seltsam Rüstzeug kam zum Vorschein, manch ein Waffenstück war schon in den Feldzügen des grossen Kaiser Karl eingeweiht worden, mancher aber trug auch einen mächtigen Knittel und sonst nichts.
Herr Spazzo hatte indes scharfen Auges in das Tal hinuntergeschaut. "'s ist gut, dass wir gerade beisammen sind, ich glaube', 's gibt Arbeit!" sprach er und deutete hinüber in die Tiefe, wo die Dächer des Weilers Hilzingen hinter hügeligen Gründen aufstiegen. Ein dunkler Streif zog sich heran ... Da hiess Herr Simon Bardo seine Heerschar halten und spähte nach der Richtung: "Das sind keine Hunnen, sie kommen unberitten". Zu grösserer Fürsicht aber hiess er seine Bogenschützen den Abhang des berges besetzen.
Aber wie der fremde Zug näher rückte, ward auch in ihren Reihen des heiligen Benedikt Ordensgewand sichtbar, ein gülden Kreuz ragte als Standarte aus den Lanzen, Kyrie eleison! klang ihre Litanei den Berg herauf ... "Meine Brüder!" rief Ekkehard, da lösten sich die Glieder der Reichenauer Kohorte, sie rannten den Berg hinunter mit stürmischem Jubelschrei – wie sie aneinander waren, überall freudiges Umarmen: Wiedersehen in Stunde der Gefahr ringt dem Herzen ein fröhlicher Jauchzen ab denn sonst.
Arm in Arm mit den Reichenauern stiegen die fremden Gäste den Berg empor, ihren Abt Cralo an der Spitze; auf schwerfälligem Ochsenwagen in der Nachhut führten sie den blinden Tieto mit. "Gott zum Gruss, erlauchte Frau Base", sprach Abt Cralo und neigte sich vor ihr; "wer hätt' vor eines halben Jahres Frist gedacht, dass ich mit dem gesamten Kloster Euren Besuch erwidern würde? Aber der Gott Israels spricht: 'ausziehen lass mein Volk, auf dass es mir getreu bleibe!'"
Frau Hadwig reichte ihm bewegt vom Rosse herab die Hand. "zeiten der Prüfung!" sprach sie. "Seid willkommen!"
Verstärkt durch die neuen Ankömmlinge zog die Hohentwieler Heerschar in der Burg schirmende Mauern zurück. Praxedis war in den Hof heruntergestiegen. Bei der Linde stand sie und schaute auf die einziehenden Männer; schon waren die von Sankt Gallen alle im Hofraum versammelt, unverwandt schaute sie nach dem Tor, als müsse noch einer nachkommen; doch der, den ihr blick suchte, war nicht unter denen, die da kamen.
In der Burg ging es an ein Einrichten und Unterbringen der Gäste. Der Raum war spärlich gemessen. Im runden Hauptturm war eine lustige Halle, dort wurde mit aufgeschüttetem Stroh für notdürftig Nachtlager gesorgt. "Wenn das so fortgeht", hatte der Schaffner gebrummt, der bald nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand, "so haben wir bald die ganze Pfaffheit Europas auf unserem Fels beisammen."
Küche und Keller gaben, was sie hatten.
Unten sassen Mönche und Kriegsleute bei lärmender Mahlzeit. Frau Hadwig hatte die beiden Äbte und wer von edlen Gästen sich bei ihr eingefunden, in ihrem saal vereinigt; es war viel zu besprechen und zu beraten, ein Summen und Schwirren von Frag' und Antwort.
Da erzählte Abt Cralo die Geschicke seines Klosters166.
"Diesmal", sprach er, "ist uns die Gefahr schier übers Haupt gewachsen. Kaum ward von den Hunnen gesprochen, so tönte der Boden schon vom Hufe ihrer Rosse. Jetzt galt's. Die Klosterschule hab' ich in die feste Verschanzung von Wasserburg geschickt, Aristoteles und Cicero werden eine Zeitlang Staub ansetzen, die Jungen mögen Fische im Bodensee fangen, wenn's nicht noch schärfere Arbeit gibt, die alten Professoren sind zu rechter Zeit mit ihnen übers wasser. Wir aber hatten uns ein festes Kastell als Unterschlupf hergerichtet; wo der Sitterbach durch tannbewaldet enges Tal schäumt, war ein trefflich Plätzlein, waldabgeschieden, als wenn keine heidnische Spürnase den Pfad jemals finden sollt', dort bauten wir ein festes Haus mit Turm und Mauer und weihten es der heiligen Dreieinigkeit – mög' sie