1855_von_Scheffel_157_61.txt

das für den Nordmänner-Frieden! das für der Kaiserin Richardis Verführung, neque enim! Das für den Reichstag zu Tribur, das für Arnulfs Kaiserwahl! neque enim!!"

Die Höhle widerhallte vom dumpfen Klang; fest stand das Steinbild im Hagel der Schläge, dem Alten ward's leicht und leichter, er hieb sich warm am alten Hass, der ihm seit Fahren ein dürftig Leben fristete. Ekkehard verstand den Hergang nicht ganz. Es ward ihm unheimlich. Er empfahl sich und ging. "Habt wohl schöne Kurzweil gefunden beim alten Narren droben", sprach der Meier von Sernatingen zu ihm, da er sein Ross gesattelt vorführte: "vermeint er immer noch, er hab' eine Krone verspielt und ein Reich? Ha ha152!" Ekkehard ritt von dannen. Im Buchwald sprosste das junge Grün des nahenden Frühlings. Ein jugendlicher Mönch aus der Reichenau ging desselben Weges. Keck, wie Waffenklirren, tönte sein Sang durch die Waldeinsamkeit: "O tapfre junge Landeskraft, nun halt' dich brav! Mit Wächterruf und Feldgeschrei verscheuch' den Schlaf, Und mach die Rund' zu jeder stunde' um Tor und Turm! Der Feind ist klug und schleicht mit Trug heran zum Sturm. Von Wall und Zinnen schalle laut dein: Halt! Werda! Das Echo widerhalle: eia vigila153!!" Es war das Lied, das die Nachtwachen zu Mutina in Welschland sangen, da der Hunnen Heer vor der Bischofsstadt lag. Der Mönch hatte selber vor drei Jahren dort Schildwache gestanden am Tor des heiligen Geminianus und kannte das Zischen der hunnischen Pfeile: wenn die Ahnung neuen Kampfes durch ein. –

Zwölftes Kapitel.

Der Hunnen Heranzug.

"Der Alte hat recht", sprach Frau Hadwig, als ihr Ekkehard Bericht von seiner Sendung Erfolg erstattete. "Wenn der Feind droht, rüsten; wenn er angreift, aufs Haupt schlagen, das ist so einfach, dass man eigentlich keinen drum zu fragen braucht. Ich glaube, das viele Bedenken und Erwägen hat der böse Feind als Unkraut auf die deutsche Erde gestreut. Wer schwankt, ist dem Fallen nah, und wer's zu sein machen will, der gräbt sich selbst sein Grab: Wir rüsten!"

Die bewegte und bald gefährliche Lage schuf der Herzogin eine freudige Stimmung: so ist die Forelle wohlgemut im rauschenden Giessbach, der über Fels und Trümmer schäumt, im stillen wasser verkommt sie. Und Beispiel, fester Entschlossenheit oben ist nie vergeblich. Da trafen sie ihre Vorbereitung zum Empfang des Feindes. Vom Turm des hohen Twiel wehte die Kriegsfahne154 weit ins Land hinaus; durch Wald und Feld bis an die fernsten in den Talgründen versteckten Meierhöfe klang das Heerhorn, die Mannen aufzubieten; nur Armut befreite von Kriegspflicht. Wer mehr als zwei Mansen LandA1 sein eigen nannte, ward befehligt, beim ersten Ruf in Wehr und Waffen sich zu stellen. Der Hohentwiel sollte der Sammelplatz sein, ihn hatte die natur dazu gefestet. Boten durchflogen das Hegau. Das Land hub an, sich zu rühren; hinten im Tannwald standen die Köhler beisammen, den schweren Schürhaken schwang einer überm Haupt wie zum Einhauen. "Es tut sich!" sprach er, "ich geh' auch mit!"

An die Türen der Pfarrherrn, der Alten und Brestaften ward geklopft; wer nicht ausziehen kann, soll beten; an alle Ufer des Sees ging die Kunde, auch hinüber nach Sankt Gallen.

Auf die friedliche Insel Reichenau ging Ekkehard; die Herzogin gebot's. Der gang wär' ihm sauer gefallen, hätt' es sich um anderes gehandelt. Er brachte dem gesamten Kloster die Einladung auf den hohen Twiel für die Zeit der Gefahr.

Dort war schon alles in Bewegung. Beim Springbrunnen im Klostergarten ergingen sich die Brüder; es war ein linder Frühlingstag; aber keiner dachte ernstaft dran, sich des blauen himmels zu freuen, sie sprachen von den bösen zeiten und ratschlagten; es wollt' ihnen schwer einleuchten, dass sie aus ihren stillen Mauern ausziehen sollten.

Der heilige Marcus, hatte einer gesagt, wird seine Schutzbefohlenen schirmen und den Feind mit Blindheit schlagen, dass er vorbeireitet, oder das Grundgewelle des Bodensees aufschäumen lassen, dass es ihn verschlinge wie das Rote Meer die Ägypter.

Aber der alte Simon Bardo sprach: "Die Rechnung ist nicht ganz sicher, und wenn ein Platz nicht sonst mit Turm und Mauern umwallt ist, bleibt Abziehen rätlicher. Wo aber noch eines Schillings Wert zu finden ist, da reitet kein Hunne vorbei; legt einem Toten ein Goldstück aufs Grab, so wächst ihm noch die Hand aus der Erde und greift danach."

"Heiliger Pirminius!" klagte der Bruder Gärtner, "wer soll den Kraut- und Gemüsgarten bestellen, wenn wir fort müssen?"– "Und die Hühner?" sprach ein anderer, dessen teuerste Kurzweil in Pflege des Hühnerhofes bestund, "haben wir die drei Dutzend welsche Hahnen für den Feind ankaufen müssen?"

"Wenn man ihnen einen eindringlichen Brief schriebe", meinte ein dritter; "sie werden doch keine solche Unmenschen sein, Gott und seine Heiligen zu kränken."

Simon Bardo lächelte: "werde' ein Lämmerhirt", sprach er mitleidig, "und trink' einen Absud vom Kraut Camvmilla, der du den Hunnen eindringliche Briefe schreiben willst. O, dass ich meinen alten Oberfeuerwerker Kedrenos mit über die Alpen gebracht! Da wollten wir ein Licht wider den Feind ausgehen lassen, schärfer als der milde