– Gelöbnisse für Heilung von Krankheit an Menschen und Tier, die der bäuerliche Aberglaube damals noch am altersgeweihten Baume lieber löste als in der Kirche des Tales.
Zwei Männer mit Haugeräte kamen heran. "Wir sind bestellt", sprachen sie. "Vom Hohentwiel?" fragte Ekkehard. – "Wir arbeiten der herrschaft, unser Sitz ist drüben am Hohenhöwen, wo der Rauch der Kohlenmeiler aufsteigt."
"Gut", sagte Ekkehard, "ihr sollt mir die Eiche hier fällen." Die Männer sahen ihn verlegen an. "Vorwärts", rief er, "und sputet euch! Bis die Nacht anbricht, muss sie umgehauen liegen."
Da gingen die zwei mit ihren Beilen zu der Eiche hin. Mit offenem mund standen sie vor dem stolzen Baum. Einer liess sein Beil zur Erde fallen.
"kommt dir der Platz nicht bekannt vor, Chomuli?" fragte er seinen Nebenmann.
"Warum bekannt, Woveli?"
Der Holzhacker deutete nach Sonnenaufgang, setzte die geballte Rechte an den Mund, hob sie, als wenn er trinke und sprach: "Darum, Chomuli."
Da sah der andere nach Ekkehard hinunter und zwinkte mit dem auge': "Wir wissen von nichts, Woveli!" – "Aber er wird's wissen, Chomuli", sprach der erste. "Abwarten, Woveli", sagte der andere.
"Es ist Sünd' und schade", fuhr sein Gefährte fort, "um den Eichbaum, schon an die zweihundert Jahre steht er und hat manch lustig flackernd Mai- und Herbstfeuer erlebt. Ich bring's schier nicht übers Herz, Chomuli."
"Sei kein Tor", tröstete der andere und tat den ersten Hieb, "wir müssen dran. Je schärfer wir dem Baum ins Fleisch hauen, desto weniger glaubt's der in der Kutte dort, dass wir selber in nächtlicher Andacht unter seinen Wipfeln sassen. Und der Strafschilling?! ... Klug muss der Mensch sein, Woveli!"
Das leuchtete dem ersten ein. "Klug muss der Mensch sein, Chomuli!" sprach er und hieb auf den Baum seiner Verehrung. Zehn Tage vorher hatte er ein Wachsbild dran gehängt, dass ihm seine braune Kuh vom Fieber genese. – Die Späne flogen, in dumpfem Takt krachten die einschlagenden Hiebe der beiden.
Der Diakon von Singen war auch herübergekommen mit Messbuch und Stola. Ekkehard winkte ihm, dass er mit eintrete zur Waldfrau. Die sass noch starr an ihrem Herde. Ein scharfer Windzug erhob sich, da die beiden durch die geöffnete Tür eintraten, und verlöschte ihr Feuer.
"Waldfrau", rief Ekkehard gebietend, "bestellt Euer Haus und schnüret Euren Bündel, Ihr müsset fort."
Die Alte griff nach ihrem Stab und schnitt den dritten Kerbschnitt ein. "Wer beschimpft mich zum drittenmal", sprach sie dumpf, "und will mich aus meiner Mutter haus werfen wie einen herrenlosen Hund?"
"Im Namen der Herzogin in Schwaben", fuhr Ekkehard feierlich fort, "spreche ich über Euch wegen Hegung heidnischen Aberglaubens und nächtlichen Götzendienstes die Verweisung aus Haus und Hof und Gau und Land aus. Euer Stuhl sei gesetzt vor die Tür Eurer Hütte, ziehen sollt Ihr unstet, soweit der Himmel blau ist, soweit Christen die Kirche besuchen, soweit der Falke fliegt am Frühlingstag, wenn der Wind unter beiden Flügeln ihn dahin treibt. Kein gastlich Tor soll sich Euch öffnen, kein Feuer am Herd brenne für Euch, kein wasser des Quells rausche für Euch, bis dass Ihr Eures Frevels Euch abgetan und Euren Frieden gefestet mit dem dreieinigen Gott, dem Richter der Lebenden und Toten."
Die Waldfrau hatte ihm ohne grosse Erregung zugehört. "Ein gesalbter Mann wird dir dreimal Schimpf antun unter deinem eigenen Dach", murmelte sie, "des sollt du ein Zeichen in den Stab schneiden und mit selbem Stab sollt du ausziehen gegen Niedergang, denn sie werden dir nicht lassen, wo du dein Haupt niederlegest. O Mutter, meine Mutter!"
Sie raffte ihren Plunder in ein Bündel zusammen, griff den Stab und rüstete sich zu gehen. Den Diakon von Singen kam eine Rührung an. "Rufet Gott durch seine Diener um Verzeihung an", sprach er "und tut eine christliche Pönitenz, dass Ihr in Gnade gesund werdet."
"dafür ist die Waldfrau zu alt130", sagte sie und lockte ihren Specht, der flog ihr um die Schulter, und der Rabe hüpfte ängstlich hinter ihr drein; schon war die Tür aufgerissen, noch einen blick auf Wand und Herd und Kräuter und Pferdsschädel – sie stiess den Stab auf die Schwelle, dass die Steinplatten erdröhnten: "Seid verflucht, ihr Hunde!" klang's vernehmlich den Zurückbleibenden; sie wandte sich mit ihren Vögeln dem wald zu und verschwand.
"Und wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer,
Erloschen sind unsere Sterne –
O Island, eisiger Fels im Meer,
Steig' auf aus nächtiger Ferne!"
tönte leis murmelnder Gesang durch die entlaubten Stämme herüber.
Ekkehard aber liess sich vom Diakon die Stola umhängen und das Messbuch vortragen, er hielt einen Umgang durch stube und kammer, die Wände weihte er mit dem Zeichen des Kreuzes, auf dass das Getriebe böser Geister gebannt sei für immer, dann sprach er unter Gebeten den grossen Exorzismus über die Stätte.
Das fromme Werk hatte lang' gedauert. Dem Diakon stand der Angstschweiss auf der Stirn