und schon im Heerbann des grossen Kaiser Karl haben sie dereinst gegen die heidnischen Sachsen gefochten, als wär' ein jeder zum erlesenen Rüstzeug der Kirche geweiht."
"Mit dem Teufel", rief Ekkehard hochfahrend, "ist kein Friede. Wollet Ihr lau im Glauben sein, Herrin?"
"Im Regieren einer Landschaft", sprach sie mit leisem Spott, "lernt sich manches, das in Euren Büchern nicht steht. Wisst Ihr auch, dass der Schwache wirksamer durch seine Schwäche geschlagen wird als durch die Schneide des Schwerts? Wie der heilige Gallus einst in die Trümmer von Bregenz drüben einzog, da lag der heiligen Aurelia Altar zerstört, drei eherne Götzenbilder stunden aufgerichtet; um den grossen Bierkessel, der niemals fehlen darf, so oft man hierlands in alter Weise fromm sein will, sassen sie und tranken. Der heilige Gall hat keinem ein Leides getan, aber ihre Bilder hat er in Stücke geschlagen und hinausgeschleudert, dass sie zischend einfuhren ins grüne Gewoge des Sees, und in ihren Bierkessel hat er ein Loch gehaucht und das Evangelium gepredigt an derselben Stelle; es fiel kein Feuer vom Himmel, ihn zu verzehren, sie aber sahen, dass ihre Sache nichts war, und bekehrten sich124. Verständig sein heisst nicht lau im Glauben sein ..."
"Das war damals" ... begann Ekkehard.
"Und jetzt" – fiel ihm Frau Hadwig ins Wort, "jetzt steht die Kirche aufgerichtet vom Rhein bis ans nördliche Meer, stärker als die Kastelle der Römer zieht sich eine Kette von Klöstern durchs Land, Festungen des Glaubens; bis in die Wildnisse des Schwarzwalds ist längst das Wort christlicher Bekenner gedrungen, was wollt Ihr mit den Nachzüglern vergangener zeiten so schweren Kampf fechten125?"
"So belohnet sie denn", sprach Ekkehard bitter.
"Belohnen?" sagte die Herzogin. "Zwischen entweder und oder führt noch manches Strässlein. Wir müssen einschreiten gegen den nächtlichen Unfug. Warum? Kein Reich mag gut bestehen bei zweierlei Glauben, das führt die Gemüter gegeneinand in Schlachtordnung und ist unnötig, solange draussen Feinde genug lauern. Des Landes Gesetz hat ihnen das törichte Wesen untersagt, sie sollen merken, dass unser Gebot und Verbot nicht in Wind gesprochen ist."
Ekkehard schien von dieser Weisheit nicht befriedigt. Ein Zug von Missmut flog über sein Antlitz.
"Höret", fuhr die Herzogin fort, "was ist Eure Meinung von der Zauberei überhaupt?"
"Die Zauberei", sprach Ekkehard mit Ernst und schwerem Atemzug, der auf den Vorsatz einer längeren Rede zu deuten schien, "ist eine verdammliche Kunst, wodurch der Mensch sich die Dämonen, die allentalb in der natur walten und nisten, dienstbar macht. Auch im Anlebendigen ruht Lebendiges verborgen, wir hören es nicht und sehen es nicht, aber verführend weht es an unbewachtes Gemüt, mehr zu erfahren und mehr zu wirken, als ein treuer Knecht Gottes erfahren und wirken kann – das ist das alte Blendwerk der Schlange und der Mächte der Finsternis; wer sich ihnen zu eigen macht, kann ein Stück von ihrer Gewalt erlangen, aber er herrscht über die Teufel durch deren Obersten und verfällt ihm, wenn seine Zeit aus ist. Darum ist die Zauberei so alt wie die Sünde, und statt dass der eine wahre Glaube sei auf der Welt und die eine Mildigkeit der Werke, anzubeten den dreieinigen Gott, gehen noch Weissager umher und Traumdeuter und Traumscheider und Liedersetzer und Rätsellöser, vor allem aber sind unter den Töchtern Evas die Anhängerinnen solcher Künste zu suchen ..."
"Ihr werdet artig", unterbrach ihn Frau Hadwig –
"Denn der Frauen Gemüt", fuhr Ekkehard fort, "ist allzeit neugieriger Erforschung und Ausübung verbotener Dinge zugewendet. Wenn wir mit Lesung des Virgilius fortschreiten, werdet Ihr den Ausbund der Zauberei in Gestalt des Weibes Circe angedeutet sehen, die auf unzugänglichem Vorgebirg' singend haust, lieblich duftender Span von Zedernholz erleuchtet die dunkeln Gemächer, mit fleissigem Weberschifflein webt sie viel zartes Gezeug, aber draussen im Hof tönt seufzendes Knurren von Löwen und Wölfen und der Schweine Gegrunz, die sie alle aus Menschen durch zauberischen Trank in der Tiere Gestalt verwandelt ..."
"Ihr sprechet ja wie ein Buch", sagte die Herzogin spitz. "Ihr sollet Eure Wissenschaft von der Zauberei weiter bilden. Reitet denn auf den hohen Krähen hinüber und untersuchet, ob die Waldfrau eine Circe, und regieret in unserem Namen, wir sind neugierig, was Eure Weisheit ordnet."
"Es ist nicht meine Wissenschaft", erwiderte er ausweichend, "wie man die Völker regiert und die Dinge der Welt gebietend schlichtet."
"Das findet sich", sprach Frau Hadwig, "es hat noch selten einen in Verlegenheit gebracht, am wenigsten einen Sohn der Kirche."
Ekkehard fügte sich. Der Auftrag war ihm ein Beweis von Vertrauen. Andern Morgens ritt er nach dem hohen Krähen. Den Audifax nahm er mit, dass er ihm den Weg zeige. "glückliche Reise, Herr Reichskanzler!" rief ihm eine lachende stimme nach. Es war Praxedis.
Bald kamen sie vor der Waldfrau Behausung. Auf einem Vorsprung, in halber Höhe des steilen Felsens, stand ihre steinerne Hütte, mächtige Eich- und Buchstämme breiteten ihre Äste darüber und verdeckten den ragenden Gipfel des hohen Krähen. drei wie Stufen geschichtete Klingsteinplatten führten ins Innere. Es war eine hohe dunkle stube. Viel getrocknete Waldkräuter lagen aufgehäuft, würziger Geruch entströmte ihnen;