"nach dem Gewitter. Wenn der Regenbogen mit seinem Farbenglanz sich zu uns niederwölbt, dann kommen zwei Engel, wo seine Enden sich auf die Erde senken, halten sie ihm ein gülden Schüsselein unter, dass er nicht auf dem verregneten rauhen Boden aufstehen muss – und wenn er ausgeglänzt hat, dann lassen sie die Schüsselein im feld stehen, zweimal dürfen sie's nicht brauchen, das würde der Regenbogen übelnehmen119..."
Hadumot begann an den Beruf ihres Gespielen zum Schatzfinden zu glauben. "Audifax", sprach sie und gab ihm das Regenbogenschüsselein zurück, "das frommt dir alles nichts. Wer einen Schatz finden will, muss den Zauber wissen – in der Tiefe unten wird alles gut gehütet, sie geben's nicht los, wenn sie nicht niedergezwungen werden."
"Ja, der Zauber", sagte Audifax mit tränendem auge' – "wer ihn wüsste ..."
"Hast du den heiligen Mann schon gesehen?" fragte Hadumot.
"Nein."
"Seit vier Tagen ist der heilige Mann in der Burg, der weiss allen Zauber. Ein grosses Buch hat er mitgebracht, das liest er unserer Herzogin vor, da steht alles drin geschrieben, wie man die in der Luft zwingt und die in der Erde und die im wasser und Feuer, die lange Friderun hat's den Knechten heimlich erzählt, die Herzogin hab' ihn verschrieben, dass das Herzogtum fester werde und grösser, und dass sie jung und schön bleibe und ewig zu leben komme ..."
"Ich will zum heiligen Mann gehen", sprach Audifax.
"Sie werden dich schlagen", warnte Hadumot.
"Sie werden mich nicht schlagen", sagte er, "ich weiss etwas, das biet' ich ihm, wenn er mir den Zauber weist ..."
Es war Abend worden. Die Kinder standen von ihrem Steinsitz auf – Ziegen und Gänse wurden zusammengerufen, wohlgeordnet, wie eine Heerschar, zogen sie den Burgweg hinauf und rückten in ihren Ställen ein. –
Desselben Abends las Ekkehard der Herzogin den Schluss des ersten buches der Äneide, den Herr Spazzo tagszuvor unterbrochen: wie die Sidonierin Dido erstaunt bei des Helden Anblick ihn und die Seinen unter ihr gastlich Dach einladet, und beifällig nickte Frau Hadwig zu Didos Worten:
"Mich auch hat ein gleiches Geschick durch mancher
lei Trübsal
Umgeschüttelt und endlich im land hier ruhen gehei
ssen;
Fremd nicht blieb ich dem Kummer und lernt' Un
glücklichen beistehn."
Jetzt sendet Äneas den Achates zu den Schiffen, dass er's dem Sohn Ascanius ansage, denn ganz auf Ascanius ruht die zärtliche sorge des Vaters. Frau Venus aber bewegt neue List im Busen, in Didos Herz soll der Liebe Flamme entzündet werden, da entrückt sie den Ascanius weit in den Hain Idalia und wandelt den Gott der Liebe in Ascanius' Gestalt, die Flügel legt er ab, an Schritt und gang ihm gleich stellt er sich mit den Troern in Kartagos Königsburg und eilt zur Königin hin –
"mit den Augen an ihm, mit der Seele
Haftet sie, oft auch im Schoss erwärmt ihn Dido und weiss
nicht,
Welch ein Gott ihr genaht, der Elenden! Er, sich erinnernd Dein, acidalische Mutter, vertilgt des Sichäus Gedächtnis Allgemach und mit lebender Glut zu gewinnen versucht er Ihr längst kühleres Herz und der Seel' entwöhnete Regung".
"Haltet ein", sprach Frau Hadwig. "Das ist wieder recht schwach ausgesonnen."
"Schwach?" fragte Ekkehard.
"Was braucht's den Gott Amor selber", sprach sie. "Könnt' es sich nicht ereignen, dass auch ohne Trug und List und sein Einschreiten des ersten Gemahls Gedächtnis in einer Witib Herzen zurückgedrängt würde?"
"Wenn der Gott selber das Unheil anstiftet", sprach Ekkehard, "so ist Frau Dido entschuldigt und sozusagen gerechtfertigt – das hat wohl der Dichter andeuten wollen ..." Ekkehard mochte glauben, er habe eine feine Bemerkung gemacht. Frau Hadwig aber stand auf. "Das ist etwas anderes", sprach sie spitzig, "sie bedarf also einer Entschuldigung. An das habe ich nicht gedacht. Gute Nacht!"
Stolz ging sie durch den Saal, vorwurfsvoll rauschte ihr langes Gewand. "sonderbar", dachte Ekkehard, "mit Frauen den teuern Virgilius lesen, hat Schwierigkeit." Weiter gingen seine Gedanken nicht ...
Andern tages schritt er durch den Burghof, da trat Audifax, der Hirtenknabe zu ihm, hob das Ende seines Gewandes, küsste es und sah fragend an ihm hin
"Was hast du?" fragte Ekkehard.
"Ich möchte' den Zauber haben", sprach Audifax schüchtern.
"Was für einen Zauber?"
"Den Schatz zu heben in der Tiefe."
"Den möchte' ich auch haben", sprach Ekkehard lachend.
"O, Ihr habt ihn, heiliger Mann", sprach der Knabe. "Habet Ihr nicht das grosse Buch, aus dem Ihr unserer Herrin des Abends vorleset?"
Ekkehard schaute ihn scharf an, er ward misstrauisch und gedachte der Art, wie er auf dem hohen Twiel eingeführt worden. "Hat dir's jemand eingegeben", fragte er, "dass du so zu mir redest?"
"Ja."
"Wer?"
Da fing Audifax an zu weinen: "Hadumot!" sprach er. Ekkehard verstand ihn nicht.
"Wer ist