und entielten sich jeglichen Lärmens. Oft weideten sie vermischt zwischen den Ziegen des Audifax, denn Hadumot hatte den kurzgeschorenen Ziegenhirten nicht ungern und sah oft bei ihm und schaute mit ihm in die blaue Luft hinaus – und die Tiere merkten, wie ihre Hüter zusammenstanden, da hielten auch sie Freundschaft miteinand. Jetzt trieb Hadumot ihre Gänse auf die Berghalde herunter, und da sie der Ziegen Glöcklein drüben läuten hörte, sah sie sich nach dem Hirten um. Und sie erschaute ihn, wie er weinte, und ging hinüber, setzte sich zu ihm und sprach: "Audifax, warum weinst du?" Der gab keine Antwort. Da legte Hadumot ihren Arm um seine Schulter, wendete sein lokkenloses Haupt zu sich herüber und sprach betrübt: "Audifax, wenn du weinst, so will ich mit dir weinen."
Audifax aber suchte seine Tränen zu trocknen: "Du brauchst nicht zu weinen", sagte er, "ich muss. Es ist etwas in mir, dass ich weinen muss."
"Was ist in dir, dass du weinen musst?" fragte sie. Da nahm er einen der Steine, wie sie von den Twieler Felswänden abgelöst dalagen, und warf ihn auf die anderen Steine. Der Stein war dünn und gab einen Klang.
"Hast du's gehört?"
"Ich hab's gehört", sagte Hadumot, "es klingt wie immer."
"Hast du den Klang auch verstanden?"
"Nein."
"Ich aber verstehe' ihn, und darum muss ich weinen", sprach Audifax. "Es ist schon viele Wochen her, da bin ich drüben gesessen auf dem Felsen im Tale, da ist's zuerst in mich gezogen, ich kann nicht sagen wie, aber es muh aus der Tiefe gekommen sein, jetzt ist mir's oft, als wär' auge' und Ohr anders geworden, und in den Händen flimmert's wie fliegende Funken; wenn ich übers Feld geh', so hör' ich's unter meinen Füssen rieseln, als flösse ein Quell unten; wenn ich am Fels steh', so sehe ich durchs Gestein, da ziehen viel arme und Adern hinunter, und drunten hämmert's und pocht's, das müssen die Zwerge sein, von denen der Grossvater erzählt hat, und von ganz unten leuchtet ein glühroter Schein empor ... Hadumot, ich muss einen grossen Schatz finden, und weil ich ihn nicht finden kann, drum weine ich."
Hadumot schlug ein Kreuz. "Dir ist was angetan worden", sprach sie. "Du hast nach Sonnenuntergang auf dem Boden geschlafen, da hat einer der Unterirdischen Macht über dich bekommen ... Wart', ich weiss dir was Besseres als Weinen."
Sie sprang den Berg hinauf, in kurzem kam sie wieder herab und hatte ein Töpflein mit wasser und ein Stücklein Seife, das ihr Praxedis einst geschenkt, und etliche Strohhalme. Und sie schlug einen hellen Schaum auf, nahm sich einen Halm, gab dem Audifax einen und sprach: "Lass uns mit Seifenblasen spielen wie ehedem. Weisst du noch, wie wir beisammen sassen und um die Wette geblasen haben, und zuletzt konnten wir's so schön, dass sie gross und farbig übers Tal flogen und glänzten wie ein Regenbogen, und 's war schier zum Weinen, wenn sie platzten ..."
Audifax hatte schweigend den Strohhalm genommen, duftig wie Tautropfen hing der Seifenschaum am Ende, er hielt ihn in die Luft hinaus, die Sonne glänzte drauf.
"Weisst du auch, Audifax", fuhr die Hirtin fort, "was du einmal gesagt hast, wie wir unsern Schaum verblasen hatten und es war Abend und Nacht geworden, und die Sterne zogen am Himmel auf? Das sind auch Seifenblasen, hast du gesagt, der liebe Gott sitzt auf einem hohen Berge, der bläst sie und kann's besser als wir ..."
"Das weiss ich nicht mehr", sprach Audifax.
Er neigte sein Haupt zur Brust herab und fing wiederum an zu weinen. "Wie muh ich's anfangen, dass ich den Schatz gewinne?" klagte er.
"Sei gescheit", sprach Hadumot, "was wolltest du auch mit dem Schatz beginnen, wenn er gewonnen ist?"
"Dann kauf' ich mich frei", sprach er gelassen, "und dich auch, und der Frau Herzogin kauf' ich ihr Herzogtum ab und den ganzen Berg mit allem, was drauf steht, und dir lass' ich eine güldene Krone machen und jeder Ziege ein gülden Glöcklein und mir eine Sackpfeife von Ebenholz und lauterem Golde ..."
"Von lauterem Golde" – scherzte Hadumot, "weisst du denn, wie Gold aussieht?"
Da deutete Audifax mit dem Finger nach dem Mund: "Kannst du schweigen?" Sie nickte bejahend. "Gib mir die Hand drauf." Sie gab ihm die Hand. "So will ich dir zeigen, wie Gold aussieht", sprach der Hirtenknabe, griff in seine Busentasche und zog ein Stücklein hervor, rund wie eine mässige Münze, aber gewölbt wie eine Schale, und waren etliche unverständliche verwischte Zeichen darauf, es gleisste und glänzte und war wirklich Gold. Hadumot wog das Stück auf dem Zeigefinger.
"Das hab' ich auf dem Feld gefunden, weit da drüben", sprach Audifax,