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, sagt der Psalmist, aber frisch und stark, und der alte Moengal gedenkt sobald noch nicht ein stummer Mann zu werden und weiss, dass er wenigstens vor einem Unglück sicher sein darf ..."

"Was meint Ihr für ein Unglück?" fragte Ekkehard.

"Dass ihm Sankt Petrus dereinst den himmlischen Torschlüssel vor die Stirn schlägt und spricht: 'Hinaus mit dir, der du unnütz und eitel Philosophie getrieben!'"

Ekkehard liess sich auf Moengals Herzensergiessungen nicht näher ein. "Ihr habet wohl rauhen Dienst in sorge der Seelen", sprach er, "verstockte Herzen, Heidentum und Ketzerei ..."

"'s geht an", sprach der Alte, "im Mund der Bischöfe und kaiserlichen Räte, in den Kapitularien und Synodal beschlüssen nimmt sich's haarsträubend aus, wenn sie den heidnischen Irrwahn abzeichnen und mit Strafsatzung bedräuen. 's ist eben alter Glaube hierlands, im Baum und Fluss und auf lustiger Bergeshöhe der Gotteit nachzuspüren. Jeder auf der Welt muh seine Apokalypsis haben, die Hegauer suchen sie draussen ... es lässt sich auch etwas dabei denken, wenn der Mensch frühmorgens im Schilfe steht und die Sonne über ihm aufgeht ...

Deshalb kommen sie am Tage des Herrn doch zu mir und singen die Messe mit, und wenn der Sendbote ihnen nicht so manchen Strafschilling aus dem Sack zwickte, würden sie noch fröhlicher sich zum Evangelium wenden. –

Stosst an, Konfrater, die frische Luft ..."

"Erlaubt", sprach Ekkehard mit seiner Wendung, "dass ich das Wohl Marcellus', des Lehrers an der Klosterschule, des Verfassers der irischen Übersetzung des Priscianus trinke."

"Mir auch recht", lachte Moengal. "Was aber die irische Übersetzung betrifft, die möchte einen Haken haben112."

In Ekkehard war das Verlangen gross, seinen hohen Twiel zu erreichen. Kurz vor dem Ziele weiter Fahrt hat noch selten einer lange Rast gehalten. "Der Berg steht fest in der Erden", sprach zwar Moengal, "der entfleucht Euch nimmer."

Aber Moengals Wein und seine Lehre von der frischen Luft hatten für den, der einer Herzogin entgegen sollte, wenig Verstrickendes. Er brach auf.

"Ich geh' mit Euch bis an des Pfarrsprengels Grenze", sagte der Leutpriester, "heute dürft Ihr mir noch zur Seite gehen, trotz meines verblichenen Gewandes; wenn Ihr auf dem Berg droben festsitzet, dann werdet Ihr meinen, die Verklärung sei über Euch gekommen, und werdet ein vornehmer Herr werden, und wenn Ihr dereinst an Frau Hadwigs Seite gegen Radolfs Zelle geritten kommet, und der alte Moengal steht an der Schwelle, so wird ihm eine gnädige Handbewegung als Almosen zugeworfender Welt Lauf! Wenn der Heuerling gross geworden, heisst er Felchen und frisst die Kleinen seines Geschlechts."

"Das sollt Ihr nicht sagen", sprach Ekkehard und küsste den irischen Mitbruder.

Da gingen sie zusammen, und der Leutpriester nahm seine Leimruten mit, im Rückweg den Vögeln des Waldes Nachstellung zu bereiten. Es war ein langer Weg durch den Tannenwald, lang und still.

Wie sich das Gehölz lichtete, da stand in dunkler Masse der hohe Twiel und warf ihnen seinen Schatten entgegen. Moengal aber schaute mit scharfem auge' den Waldpfad entlang durch die Lichtung der Tannen. "Es streicht was durchs Revier", sprach er.

Sie waren wieder etliche Schritte gegangen, da griff Moengal seinen gefährten am Arm, stellte ihn, deutete vorwärts und sprach: "Das sind keine Wildenten noch Tiere des Waldes!"

Es kam ein Ton herüber, als wenn fernab ein Ross gewiehert ... Moengal sprang seitwärts, schlich sich ein gut Stück im jungen Gehölz vorwärts, legte sich auf den Boden und spähte.

"Weidmanns Torheit", sprach Ekkehard und wartete seiner. Jetzt kam er zurück. "Bruder", sprach er "liegt der heilige Gall in Fehde mit einem der Gewaltigen dieses Landes?"

"Nein."

"Habt Ihr einen beleidigt?"

"Nein."

"sonderbar", sprach der Alte, "es kommen drei Gewaffnete geritten."

"Es werden Boten der Herzogin sein, mich zu empfangen", sprach Ekkehard mit stolzem Lächeln.

"Hoiho!" brummte Moengal, "fehlgeschossen! Das ist nicht herzoglicher Dienstmannen Kleid, der Helm ist sonder Abzeichen. Und im grauen Mantel reitet kein Twieler!"

Er hemmte seinen Schritt.

"Vorwärts!" sprach Ekkehard. "Wes Herz ohne Schuld, den geleiten die Engel des Herrn."

"Im Hegau nicht immer!" war des Alten Antwort. Es war keine gelegenheit zu weiterem Zwiegespräch, Hufschlag tönte, der Boden klirrte, drei Reitersmänner kamen gesprengt, den Helm geschlossen, das Schwert gezogen ...

"Folgt mir", rief der Leutpriester, "maturate fugamA4!" Er warf seine Leimruten zu Boden und wollte Ekkehard mit zur Seite ziehen. Der aber wandte sich nicht. Da sprang Moengal allein ins Buschwerk hinüber, die Dornen zogen ihm zu den alten Rissen ins morsche Gewand etliche neue, er wand sich los, mit den Sprüngen eines Eichhorns setzte er ins Dickicht. Er kannte die Schliche.

"Er ist's!" rief der vorderste der Reiter, da sprangen die andern von den Rossen, stolz sah ihnen Ekkehard entgegen: "Was wollt Ihr?" – keine Antwort; er griff zum Kruzifix, das ihm im