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sondern nur die Götzenbilder darin vernichten, das Gebäude mit Weihwasser besprengen, Altäre bauen und Reliquien hineinlegen soll. Denn sind jene Kirchen gut gebaut, so muss man sie vom Götzendienst zur wahren Gottesverehrung umschaffen, damit das Volk, wenn es seine Kirchen nicht zerstören sieht, von Herzen seinen Irrglauben ablege, den wahren Gott erkenne und um so lieber an den Stätten, wo es gewöhnt war, sich versammle. Und weil die Leute bei ihren Götzenopfern viele Ochsen zu schlachten pflegen, so muss auch diese Sitte ihnen zu irgendeiner christlichen Feierlichkeit umgewandelt werden. Sie sollen sich also am Tag der Kirchweihe oder am Gedächtnistag der heiligen Martyrer, deren Reliquien in ihren Kirchen niedergelegt werden, aus Baumzweigen Hütten um die ehemaligen Götzenkirchen machen, den Festtag durch religiöse Gastmähler feiern, nicht mehr dem Teufel Tiere opfern, sondern sie zum Lobe Gottes zur Speise schlachten, dadurch dem Geber aller Dinge für ihre Sättigung zu danken, damit sie, indem ihnen einige äusserliche Freuden bleiben, um so geneigter zu den innerlichen Freuden werden. Denn rohen Gemütern auf einmal alles abzuschneiden, ist ohne Zweifel unmöglich, und weil auch derjenige, so auf die höchste Stufe steigen will, durch Tritt und Schritt, nicht aber durch Sprünge in die Höhe kommt." S. Mone, geschichte des Heidentums etc. II, 105. 126 Das Aufnageln von Pferdeschädeln war uralte Gewohnheit deutscher Völker. Schon die römischen Legionen, die Caecina in die Einsamkeit des Teutoburger Waldes führte, um den Gefallenen der Varusschlacht die letzte Ehre zu erweisen, erschraken, da ter geopferter Römerpferde auf das bleichende Gebein gefallener Krieger und die Schlachtaltäre herabnickten. Tacitus Annal. I. 61. 127 Den merkwürdigen Gebrauch, dass durch Werfung der "Chrene Chruda" auf den nächsten zahlungsfähigen Verwandten dieser in das durch Blutschuld verwirkte Wehrgeld des zahlungsunfähigen Täters eintreten musste, beschreibt die lex Salica (ed. Merkel), cap. 58. Der Name Chrene Chruda ist noch nicht hinlänglich erklärt. Man hat es mit "grünes Kraut" oder nach Grimm, Rechtsaltertümer, p. 116, mit "reines Kraut" zu übersetzen gesucht, indem die Räumung eines Landes oder die Übertragung eines Grundstückes auf einen andern zu eigen oder zu Pfand durch Übergabe einer mit Gras bewachsenen Erdscholle, eines Stückes Wasen symbolisch angedeutet wurde. Aber nach der lex Salica war das, was geworfen wurde, die aus den vier Ecken der stube, wo doch kein Kraut wächst, zusammengeraffte Erde. S. Walter, Deutsche Rechtsgeschichte, § 443. Da übrigens dieser Gebrauch nur bei den Salfranken urkundlich nachweisbar ist und auch dort schon frühe aufgehoben war (lex Salica, nov. 262, 263, 264), so bleibt es ziemlich unklar, wie derselbe hier als ein im zehnten Jahrhundert in Alemannien geltender aufgeführt werden kann. 128 Dem "bösen Auge" der Hexen wurden viel üble Wirkungen zugetraut; es kann Säuglinge schwindsüchtig machen, Kleider in Stücke reissen, Schlangen töten, Wölfe schrecken, Strausseneier ausbrüten, Aussatz erwecken etc. Als Schutz gegen solche "faszinierende" Blicke pflegte man auch die Pfote des blinden Maulwurfs zu tragen. S. Grimm, Deutsche Mytologie, p. 1053. 129 ... si quis mulierem "stria" clamaverit et non potuerit adprobare usw. lex Salic, c. 64. 130 "Dîn got, der ist ein junger tôr,

ich will glouben an den alten."

St. Oswald.

131 Folchardi codex aureus (Handschrift der sanktgallischen Bibliotek, p. 75). 132 "Eine geschichte der deutschen Kuchen und Semmeln liesse sich nicht ohne unerwartete Aufschlüsse zusammenstellen." Grimm, Deutsche Mytologie, 3. Ausg., p. 56. 133 Bist du nicht auch schon, verehrte Leserin, in stiller Einsamkeit der Nacht kartenschlagend oder bleigiessend oder loswerfend damit beschäftigt gewesen, den künftigen Freier zu ergründen? All diese Mittel zur Erratung kommender Dinge sind Reste Turmgang scheint Ähnliches bezweckt zu haben. Es war nicht ungewöhnlich, dass man sich in der Neujahrsnacht auf das Hausdach setzte, schwertumgürtet, um die Zukunft zu erforschen. S. Grimm, Mytol., p. 1070. 134 ... Sacratos noctis venerabilis hymnos. 135 Über die in jenem Zeitalter hervorragenden alemannischen Grafen und Herrengeschlechter s. Stälin, geschichte von Wirtemberg I, 544 u. ff. 136 Nova stella apparuit insolitae magnitudinis, aspectu fulgurans et oculos verberans non sine terrore. Annales S. Gellenses majores bei Pertz, Mon. I, 8. 137 S. Bertold, Der Heerwurm, gebildet aus Larven der Tomas-Trauermücke, Göttingen 1854. 138 Der fromme Wahnglaube vom Hereinbrechen des Jüngsten Tages und vom bevorstehenden Ende der Welt war in karolingischer und späterer Zeit ein sehr häufiger. Viele vornehme und Geringere sahen sich dadurch behufs der Sicherung ihres Seelenheils zu Schenkungen an die Kirche veranlasst. Mundi terminum appropinquantem ruinis crebrescentibus jam certa signa manifestant beginnt z.B. ein in Mones Anzeiger 1838, p. 433 mitgeteilter Schenkungsbrief. 139 Seit Ausgang des neunten Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des zehnten gehörten die Einfälle der Ungarn in den deutschen Gauen zu den gewöhnlichen Landplagen; Nord und Süd wurden von ihnen heimgesucht. Die gleichzeitigen Geschichtschreiber nennen sie bald Avaren oder Agarener, bald Ungarn (wobei der Name in abenteuerlicher Etymologie vom Hunger abgeleitet wird, der sie aus den Steppen Pannoniens vorwärts trieb ... innunmerabilis eorum crevit exercitus et a fame, quam patiebantur, Hungri vocati sunt. Epistola Remigii, bei Màrtene, collect. I. 234