Zwei waren umgekommen, drei hatte König Gunter mit auf die Flucht
genommen.
Dann löst' er seine Rüstung. Das war dem Hitzigen
gut,
Mit frohem Zuspruch schöpft' er der Jungfrau Trost
und Mut,
Mit Speise und mit Trank labt' er die müden Glieder, Und auf den Schild gelagert warf er zum Schlaf sich
nieder.
Den ersten Schlummer sollte Hiltgunde ihm behüten, Denn allzusehr nach Ruhe gelüstet's den Vielmüden. Er selbst behielt sich vor die Wacht am frühen
Morgen,
Er wusst', da drohten ihm erneuten Kampfes Sorgen. Zu Haupt ihm sitzend wachte Hiltgund die Nacht
entlang
Und scheuchte von den Augen den Schlaf sich mit
Gesang.
Bald hub Waltari sich und brach des Schlummers
Rest
Und hiess die Jungfrau ruhen und griff zum Speere fest Und wandelt' ab und auf. Bald schaut' er nach den
Rossen,
Bald lauscht' er an dem Walle. So war die Nacht
umflossen.
Der Morgen dämmerte. Es fiel ein linder Tau Auf Busch und Blatt und Halm hernieder in die Au. Zu der Erschlagenen Leichen schritt jetzt Waltari hin, Die Waffen und den Schmuck zu rauben war sein
Sinn.
Die Panzer samt den Helmen, die Spangen nahm er
zur Hand
Und Schwert und Wehrgehenk. Doch liess er das
Gewand.
Er nahm der Rosse viere und lastet' sie damit, Hiltgund aufs fünfte hob er, das sechste er selbst
beschritt.
Erst ritt er aus dem Walle, die Gegend zu erspähn, Und liess die Falkenaugen sich rings im Kreis ergehn. Nach Wind und Lüften hielt er das Ohr gereckt und
lauschte,
Ob nichts geschlichen käme, ob nichts im Grase
rauschte,
Ob nicht von schwerem Zügel sich hob' ein fernes
Tönen,
Oder von Rosseshuf die Erde möchte' erdröhnen. Doch rings lag alles still. Die Rosse schwer
beladen
Trieb er jetzt vor und sandte Hiltgund auf gleichen
Pfaden,
Er selber führt den Gaul, der ihm den Goldschrein
trug,
Und schloss in Wehr und Waffen als Hüter den
reisigen Zug.
Sie hatten tausend Schritte etwann zurückgelegt,
Da schaute Hiltgund um, sie war vor Furcht bewegt, Da schaute sie vom Hügel herab zwei Männer eilen, Die ritten scharf des Weges und mochten nicht
verweilen.
Und zu Waltari rief die Jungfrau schreckensbleich: "Das Ende kommt, o Herr! Zur Flucht jetzt sputet
Euch."
Waltari wandte sich. Die Feinde nahm er wahr: "Ich will ins Antlitz mir beschauen die Gefahr. Und winkt mir auch der Tod: viel besser ist's, zu
streiten,
Als Hab und Guts verlustig, einsam von dannen
reiten.
Du, Hiltgund, nimm die Zügel und treib' das Goldross
fort,
Der dichte Hain dort drüben beut sichern
Zufluchtsort.
Ich will am Bergeshang mir einen Stand erkiesen Und harren, wer da kommt, und ritterlich sie grüssen." Die Jungfrau tat sofort, wie sie Waltari hiess. Der machte unbefangen zurecht jetzt Schild und Spiess Und ritt des Weges weiter als wie ein fremder Mann. Da schrie ihn schon von ferne der König Gunter an: "Jetzt ist dein Unterschlupf benommen, grimmer
Held,
Aus dem du zähneweisend als wie ein Hund gebellt. heraus ins offne Feld, dein warten neue Streiche, Noch steht zu proben, ob das ende' dem Anfang
gleiche.
Du weisest ja Ergebung und Flucht so schnöd zurück, Lass sehen, ob du auch heute um Lohn gedungen das
Glück!"
Verächtlich tät Waltari kein Wort dawider sagen, Als wär' er taub geworden. Er wandte sich an Hagen: "O Hagen, alter Freund, sag' an, was ist geschehn, Dass also umgewandelt ich dich muss wiedersehn? Der tränend einst beim Abschied in meinen Armen
lag,
Verrennt gewaffnet mir den Weg an diesem Tag? Fürwahr ich dachte einst, käm' heimwärts ich
gegangen,
Du würdest grüssend mich mit offnem Arm umfangen, Und gastlich mich bewirten und pflegen mich in
Freuden
Und reich beschenkt den Freund ins Heimatland
geleiten.
Ich zog auf fremden Wegen. Oft wollt' das Herz mir
schlagen:
O wär' ich bei den Franken, dort lebt mein Freund,
der Hagen!
Gedenkst du nimmermehr der alten Knabenspiele, Wo wir einmütig einst gestrebt nach gleichem Ziele? Nicht mehr der Freundschaft? O, wenn ich dein
Antlitz sah,
So deuchten mir die Eltern, die teure Heimat nah. Ich wahrte dir die Treue am Hof und vor dem Feind, Lass ab drum von dem Frevel und sei mein alter
Freund!
Des werde' ich hoch dich preisen, und bist du mir zu
Willen,
werde' ich mit rotem Golde den hohlen Schild dir
füllen."
Mit finsterm blick und zürnend sah ihn Hagen an: "Erst übest du Gewalt und schwatzest listig dann; Die Treu' hast du gebrochen. Du wusstest mich
zugegen,
War dir an meinen Freunden, am Neffen nichts
gelegen?
Nicht magst du dich entschuld'gegen, wenn ich auch
ferne stand,
An Waffen und Gestalt war ich dir gut bekannt. Und doch hat mir dein Schwert den zarten Spross
gemäht,
Den teuren blonden Jungen. Da war die Freundschaft
wett.
Drum heisch' ich jetzt von dir nicht Gold, nicht
Bruderbund,
Von deiner Hand verlang' ich den toten Neffen zur
stunde'!"
Von Rosses rücken schwang sich Hagen nun zur
Erde,
Da liessen auch Waltari und König Gunter die
Pferde.
Zum Fusskampf standen sie, zwei wider e i n e n
Mann.