dass er den Schild ihm hob, Durch Gerwigs Weichen jetzt das grimme Eisen
schnob.
Hinsank er auf den rücken, ein Schrei entfuhr dem
Mund,
Des Todes unfroh stampfte er den durchfurchten
Grund.
Auch diesem tät der Held das Haupt vom Rumpfe
lösen,
– Er war ein stolzer Graf im Wormser Gau gewesen. Nun stutzten erst die Franken und baten ihren
Herrn,
Vom Streite abzustehen. Doch dem war Gunter fern, "He!" zürnte er, "ihr tapfre, ihr vielerprobte Seelen, Schafft euch das Unglück Furcht, anstatt zum Zorn zu
stählen?
Soll aus dem Wasichenwalde ich so mich werfen
lassen,
Und als geschlagner Mann durchziehn die Wormser
Gassen?
Erst wollt' ich jenen Fremden des Goldes sehen
verlurstig,
Jetzt dürst' ich seines Blutes. Und ihr, seid ihr nicht
durstig?
Den Tod sühnt nur der Tod. Blut heischet wieder
Blut!"
Er sprach's, da wurden alle entflammt zu neuem Mut. Als ging's zu lust'gem Spiele, zu Wettkampf und
Turnei'n,
So wollte jetzt ein jeder im Tod der erste sein. Den Felspfad aufwärts ritten sie nacheinand' im Trab, Indessen nahm Waltari den Helm vom haupt ab Und hing ihn an den Baum. Den würz'gegen Waldesduft Sog er mit vollen Zügen und kühlt' sich an der Luft. Da rannt auf schnellem Rosse Herr Randolf jach
heran,
Mit schwerer Eisenstange stürmt' er Waltari an Und hätt' ihn schier durchbohrt. Doch auf der Brust
zum Glück
Trug er ein schwer Geschmeide, Schmied Welands
Meisterstück.
Leicht fasste sich der Held und hielt den Schild bereit, Den Helm sich aufzusetzen hatte' er nimmer Zeit. Schon sauste Randolfs Klinge um Waltaris Ohren, Da wurden dem Barhäupt'gegen zwei Locken
abgeschoren.
Doch unverwundet blieb er. Es fuhr der zweite Hieb So mächtig in den Schildrand, dass er drin
steckenblieb.
Dem Blitz gleich sprang Waltari zurück und wieder
vor,
Und riss ihn von dem Gaule, dass er das Schwert
verlor,
Und presst' ihn auf den Boden, trat ihm die Brust mit
Füssen:
"Jetzt sollt du für die Glatze mir mit dem Scheitel
büssen
Und dieses Stückleins nimmer prahlen deinem
weib!"
Sprach's und hieb den Kopf von des Besiegten leib. Als Neunter in den Kampf sprang Helmnod vor in
Eile,
Er schleppte einen Dreizack an vielgewundnem Seile, Das hielt zu seinem rücken der Freunde kleiner Rest. Sie dachten, wenn die Haken im Schilde sässen fest, Das Seil dann anzuziehen mit so gewaltiger Macht, Dass drob Waltari leicht zu Falle werde' gebracht. Den Arm reckt Helmnod aus und warf den Zack im
Bogen:
"Pass auf, du kahler Mann! da kommt dein Tod
geflogen!"
Stolz durch die Lüfte kam das Wurfgeschoss gesaust, Als wie die Schlange zischend vom Baum herunter
braust.
Gespalten ward der Nagel am Schild. Er war
getroffen.
Scharf zerrten an dem Seil die Franken
schweissumtroffen,
Im Waldgebirg' erscholl ihr siegesfroher Schrei. Der König selbst gesellte den Ziehenden sich bei. Doch festgewurzelt stunde, als wie die Riesenesche, Des Lärmens unbekümmert Waltari in der Bresche, Er stunde und wankte nicht. Da dachte dort der
Schwarm,
Zum mind'sten ihm den Schild zu reissen von dem
Arm.
Von zwölf Gesellen so die letzten viere kamen Zu ungestümem Streit. Der Sang nennt ihre Namen: Der neunte war Herr Helmnod, Eleuter auch
benannt,
Der zehnte Mann war Trogus, von Strassburg
hergesandt.
Von Speier an dem Rhein Herr Tannast war der elfte, Und König Gunter war an Hagens Statt der zwölfte. Solch eiteln Streitens ward Waltari endlich wild. Barhäuptig war er schon. Jetzt liess er auch den Schild Und auf die Rüstung nur und seinen Speer vertrauend, Sprang er in Feind, zuerst nach dem Eleuter hauend. Er spaltet' ihm den Helm und Haupt und Nacken
zugleich,
Zerspaltet' auch die Brust mit einem einz'gegen Streich. Dann stürmt' er auf den Trogus. Verwickelt in dem
Seil
Hing der, ihm brachte nimmer das Flüchten Glück
und Heil,
Sie hatten bei dem Seilzug sich abgetan der Waffen; Vergebens sprang er jetzt, sich diese zu erraffen, Waltari holt' ihn ein, und tiefe Wunde schlug er In beide Waden ihm, und seinen Schild wegtrug er, Bevor ihn Trogus griff. – In Wut ersah der Wunde Sich einen riesigen Feldstein. Den hob er von dem
grund
Und stemmte sich und warf ihn so sicher auf den
Held,
Dass er den eignen Schild inmitten ihm zerschellt'. Im Grase kriechend Trogus sein Schwert dann wieder'
fand,
Er nahm's, und durch die Lüfte schwang er's mit
starker Hand.
Zwar konnte' er seine Mannheit nicht mehr durch Taten
weisen,
Doch kündet Herz und Mund sattsam den Mann von
Eisen.
Und als die Todesgeister er noch nicht lachen sah Rief er: "O wär' ein Schild – o wär' ein Freund mir
nah!
Zufall, nicht Tapferkeit hat dir den Sieg bereitet, Noch hast zu meinem Schild das Schwert du nicht
erbeutet."
"Bald komm' ich!" sprach Waltari, und flog den
Weg herab,
Dem furchtlos Hauenden schlug er die Rechte ab; Schon sollt' ein zweiter Streich der Seele öffnen das
Tor
Zum ew'gegen Abschied. Sieh, da sprang Herr Tannast
vor.
Der hatte gleich dem König die Waffen aufgenommen Und war den Freund zu