1855_von_Scheffel_157_149.txt

!"

Und seine dunkle Lanze schoss der junge Held. Die fuhr zur linken Seite durch den Schildesrand Und nagelt' an die Hüfte Camelos rechte Hand Und drang dem Gaul in rückenausschlagend

bäumt sich der

Und hätt' ihn abgeschüttelt, doch fest hielt ihn der

Speer.

Indes liess Camelo den Schild zu Boden sinken, Und strebte sich des Speeres zu ledigen mit der

Linken.

Doch jener stürzt' heran und stemmt den Fuss und tief Stiess er ihm in den Leib das Schlachtschwert bis zum

Griff.

Zog's dann zusamt der Lanze aus der Todeswunde, – Da sanken Ross und Reiter wohl in derselben

Stunde.

So musst' ins grüne Gras Herr Camelo dort beissen. Ihn sah sein Neffe Kimo, auch Scaramund geheissen. "Ha! das traf mich!" so rief er, "zurück, ihr andern

all',

Jetzt sterb' ich oder sühne des teuern Blutsfreunds

Fall."

Weinend sprang er hinauf, der Weg war hohl und

enge,

Dass ihm kein andrer konnte' beistehn im

Handgemenge.

Er knirschte mit den Zähnen: "Nicht will ich Schatz

und Gut,

Ich komme als ein Rächer für meines Oheims Blut." Zwei Speere schwang er hoch, am Helm die Mähne

zittert;

Doch fest stand dort Waltari und sagte unerschüttert: "War ich des Kampfs Beginner, geb' ich mich gern

verloren,

Es soll mich noch zur Stunde dein Lanzenwurf

durchbohren!"

Da warf in rascher Folge die Lanzen Scaramund, Die eine traf den Schild nur, die andre flog in Grund. Dann mit gezücktem Schwerte ritt er Waltari an, Doch bracht' er's nicht zuwege, die Stirn ihm

durchzuschla'n.

Der Hieb sass auf dem Helme, das dröhnte und das

klang,

Und Feuerfunken sprühten den dunkeln Wald entlang. Jetzt fuhr ihm wie ein Blitz Waltaris Speer in Hals Und hob ihn aus dem Sattel, da fiel er dumpfen Falls. Nichts half ihm mehr die Bitte, sein Haupt hieb jener

ab,

So sank bei seinem Ohme der Neffe früh ins Grab. "Vorwärts!" rief König Gunter, "und lasst ihm

keinen Frieden,

Bis dass wir Schatz und Leben geraubt dem

Kampfesmüden."

Da kam als dritter Kämpe Werinhard gezogen, Des Speerwurfs ein Verächter trug er nur Pfeil und

Bogen.

Er richtet' auf Waltari von ferne manch Geschoss, Gedeckt vom riesigen Schilde gab der sich nirgends

bloss.

Und eh' der Schütz ihm beikam, war schon sein

Köcher leer,

Des zürnend stürmt er jetzt mit blankem Schwert

einher:

"Und sind dir meine Pfeile zu luftig und zu leicht, Pass auf, ob nicht mein Hieb dir vollgewichtig

deucht!"

"Schon lange wart' ich, dass dem Kampf sein Recht

geschehe",

Waltari rief's entgegenund schleudert aus der

Nähe

Den Speer. Der traf das Ross. Hufschlagend bäumt

sich's auf,

Warf in den Staub den Reiter und stürzte oben drauf. Dem Fallenden entriss der Held sein Schwert in Hast, Löst ihm den Helmam blonden Gelock er stark ihn

fasst':

"Zu spät kommt jetzt dein Jammern, den Bitten bin ich

taub!"

Und abgeschlagnen Hauptes lag Werinhard im Staub.

drei Leichen lagen schon. Des Streitens noch nicht

müd,

Entsandt' als vierten Kämpen Gunter den Ekkefrid. Der hatte' im Sachsenlande den Herzog einst

erschlagen

Und der Verbannung Leid am Frankenhof getragen. Der trabte stolz einher auf rötlichbraunem Schecken, Den kampfbereiten Mann tat er erst spöttisch necken: "Bist du gefestet, Unhold? trügst du durch Luft und

Wind?

Bist ein Waldteufel du? bist du ein

Menschenkind?" –

Hohnlachend rief Waltari: "Ich kenne solches

Welschen,

Ihr seid das rechte Volk zum Trügen und zum

Fälschen

Heran denn! Deinen Sachsen sollt du erzählen bald, Was du dereinst für Teufel erschaut im

Wasichenwald!"

"Wir wollen es erproben", sprach Ekkefrid, und

scharf

Schwang er die Eisenlanze am Riemen, holt' aus und

warf,

Doch sie zerbrach am Schilde, der Schild war allzu

hart,

Zurück warf sie Waltari und lachte in den Bart: "Schau' an, wie dir der Waldgeist heimgibt, was du

geschenkt,

Sie mag wohl tiefer fahren, wenn meine Faust sie

lenkt."

Gespalten von dem Wurf des Schildes Stierhaut

klafft',

Der Rock zerrisses fuhr tief in die Lunge der Schaft, Todwund sank Ekkefrid, ein Blutstrom sich ergoss, Als Beute nahm Waltari mit sich des Toten Ross. Der fünfte Kämpe war Hadwart. Er liess zurück Den Speer und hofft' allein vom scharfen Schwert sein

Glück.

Erst sprach er zu dem König: "So ich den Sieg

gewinne,

Belass des Feindes Schild mir, nach diesem steht mein

Sinne."

Zu Rosse drang er vor, doch seinen Pfad versperrten Die Leichen der Erschlagenen. Da sprang er zu der

Erden.

Des lobt Waltari ihn. Doch Hadwart rief und schalt: "Du liegst wie eine Natter im Kreis zusammengeballt Und denkst, o schlaue Schlange, Pfeil und Geschoss

zu meiden

Des sollt von meiner Rechten du herbe Schläge

leiden.

Den schönbemalten Schild leg' ab jetzt unverweilt, Als Kampfpreis ist er mir vom König zugeteilt, Er soll nicht Schaden nehmen, gar wohl gefällt er mir. Und wollt' sich's anders wenden, und unterläg' ich dir: Dort stehen die Genossen. Du fristest nicht dein

Leben,

Und wollt'