Von solcherlei Gestalt und Schmack auf meinem
Tisch,
Der muss aus fremden Landen zu uns gekommen sein. Sag' an, mein Koch, geschwinde, wer brachte den
herein?"
Da wies der Koch den Fergen, der König rief ihn
her,
Genau verkündet' der dem Fragenden die Mär: "Ich sass am Rheinesstrande noch gestern abend spat, Da kam ein fremder Mann geritten den Uferpfad, Als käm' er just vom Kriege, so schaut' er trutzig
wild,
Er starrte ganz in Erze und führte Speer und Schild. Schwer mocht' die Wucht der Rüstung auf seinen
Schultern lasten,
Doch ritt er scharfen Schrittes und mochte nimmer
rasten.
Dem Mann folgt eine Maid, schön wie der Sonne
Scheinen,
Sie sitzt auf gleichem Gaul, schier streift ihr Fuss den
seinen.
Die lenket mit dem Zügel das riesig starke Ross, Von dessen rücken hangen zwei Schreine mässig
gross.
Doch wie aufbäumend es den Nacken schütteln
wollte,
Da hört' ich drin ein Klingen von Edelstein und
Golde.
Den Mann hab' ich gefahren. Der gab mir solche
Fische."
Das Wort erlauschte Hagen. Er rief am Königstische: "Freut euch mit mir Genossen, die Sache wird klar
und hell,
Aus Hunnenland heimreitet Waltari, mein Gesell." Er rief's, da schallte jubel hellauf im hohen Saal, Doch übermütigen Sinnes der König Gunter befahl: "Freut euch mit mir viel lieber, der ich dies durft'
erleben:
Den Schatz, den einst mein Vater den Hunnen musste
geben,
Den hat ein guter Gott zurück mir jetzt gebracht! –" Sprach's, und gehobenen Fusses umstiess er den
Zechtisch mit Macht,
Und hiess die Rosse satteln und las aus seinem Volk Erprobter Mannen zwölfe als starkes Heergefolg'. Er wählt den Hagen auch, der bat vergeblich ihn, – Des alten Freunds gedenkend – zu ändern seinen
Sinn.
Doch Gunter polterte: "Frisch vorwärts! drauf und
drein!
Hüllt eure Heldenknochen in Eisenrüstung ein, Schirmt mit dem Schuppenpanzer rücken euch und
Brust,
Des Frankenschatzes Räuber zu jagen ist mein
Gelust!"
Da rückte aus dem Tor die Schar, die
wohlbewehrte.
Waltari, edel wild – Feind ist auf deiner Fährte!
Waltari ritt indessen landeinwärts von dem Rhein, In einem schattig finstern Forste ritt er ein. Das war des Weidmanns Freude, der alte
Wasichenwald,
Wo zu der Hunde Bellen das Jagdhorn lustig schallt. Dort ragen dicht beisammen zwei Berge in die Luft, Es spaltet sich dazwischen anmutig eine Schluft, Umwölbt von zackigen Felsen, umschlungen von
Geäst
Und grünem Strauch und Grase, ein rechtes
Räubernest.
Er schaut' den festen Platz. "Hier", sprach er, "lass
uns rasten,
Des süssen Schlafes musst' ich schon allzulange fasten; Das war seit vierzig Nächten auf hartem Rosses
rücken
Über den Schild gelehnet, ein unerquicklich Nicken." Ab tat er Wehr und Waffen und in der Jungfrau
Schoss
Lehnt' er sein müdes Haupt: "Nun, teurer
Fluchtgenoss
Hiltgund, halt sorgsam Wacht! und steigt vom Tal
herauf
Fahldunkle Staubeswolke, dann wecke leis mich auf; Doch käm' auch angeritten ein ganzes Heer von
Recken,
So sollt' du doch, Vielteure, nicht allzu schnell mich
wecken.
Ich traue deinen Augen. Die sind gar scharf und rein, Die schaun weit in die land ..." So schlief Waltari
ein.
Im Sand sah König Gunter die Spur von
Hufestritt,
Anspornend trieb den Renner er nun zu schnellerm
Schritt.
"Herbei", rief er, "ihr Mannen! noch heute fahn wir
ihn
Samt den gestohlenen Schätzen, er soll uns nicht
entfliehn."
Umsonst entgegnet Hagen: "Das geht so glatt nicht
ab;
Manch einen tapfern Degen warf jener in das Grab. Zu oft hab' ich erschauet Waltari in Schlachtenwut, Ich weiss, er handhabt Lanze und Schwert nur allzu
gut."
Doch nimmer liess sich warnen der vielverstockte
Mann:
Im Glanz des Mittags ritten sie vor der Felsburg an. Vom Bergesgipfel schaute Hiltgund zum Tal hinab, Da hub sich Staubeswirbel und ferner Rossestrab, Sie strich mit leisem Finger des Schläfers braunes
Haar:
"Wach' auf, wach' auf, Waltari! es naht uns eine
Schar."
Der rieb sich aus den Augen des süssen Schlafes
Rest
Und griff nach seinen Waffen und rüstete sich fest, Und durch die leeren Lüfte schwang er den Speer mit
Macht,
Das war ein lustig Vorspiel vor bitterernster Schlacht. Hiltgund, wie sie von weitem Lanzen blitzen sah, Warf klagend sich zu Boden: "Nun sind die Hunnen
da!
Nun fleh' ich, mein Gebieter, hau' ab mein junges
Haupt,
Dass, so ich dein nicht werde, kein andrer Mann mich
raubt! –"
"Gebiete deiner Furcht", sprach mild der junge
Recke,
"Fern sei, dass schuldlos Blut die Klinge mir beflecke. Der in so manchen Nöten ein starker Hort mir war, Wird mich auch heute stärken, zu werfen diese Schar. Nicht Hunnen sind die Feinde, es sind nur dumme
Jungen,
Die hier im land wohnen, sind fränkische
Nibelungen."
Drauf deutet er mit lachen nach einem Helm auf
dem Plan:
"Das ist fürwahr der Hagen, mein alter
Hunnenkumpan."
Nun trat zum Höhleneingang der Held und sprach
von dort:
"Vor diesem Tore künd' ich nunmehr ein stolzes
Wort:
Kein Franke soll entrinnend sich rühmen seinem