1855_von_Scheffel_157_145.txt

ruhmvoller Sieg bereitet Und von erschlagenem Feind manch preislich Stück

erbeutet.

Drauf liess der Führer blasen zur Ruh' vom

Waffentanz,

Er schmückte seine Schläfe mit grünem

Eichlaubkranz,

Und Fahnenträger und Mannschaft, sie taten all' wie

er,

So zog im Siegesschmucke bekränzt nach haus das

Heer.

Jedweder suchte froh des Hauses gastlich Dach, Zu König Etzels Hofburg Waltari schritt gemach. Sieh da, wie eilig rannten die Diener aus dem

Schloss,

Sie labten sich des Anblicks und hielten ihm das Ross; Derweil aus hohem Sattel Waltari niederstieg, So frugen sie neugierig: "Gewannen wir den Sieg?" Er warf just für die Neugier ein mässig Bröcklein hin Und ging zum Königssaale, gar müd' war ihm zu

Sinn.

Hiltgund traf er alleine, da küsst' er sie und sprach: "Beschaff' mir einen Trunk, das war ein heisser Tag." Da füllte sie den Becher, er trank den Firnewein, Jach, wie den Wassertropfen einsaugt der glühe Stein, Dann schloss er in die seine der Jungfrau weisse Hand, Beid' wussten, dass von alters verlobt sie seien einand. Errötend stand und schwieg sie. Da sprach er zu

der Maid:

"Schon lange tragen wir der Fremde herbes Leid Und sollten doch nach Rechten einander sein zu

eigen:

Ich hab' das Wort gesprochen! nicht länger mag ich's

schweigen."

Die Jungfrau stand betrüblich, als wär's nur Spott und

Hohn,

Aufflammt ihr blaues Auge, sie sprach mit herbem

Ton:

"Was heuchelt deine Zunge, was nie dein Herz

begehrt?

Viel besserer Verlobten hältst, Schlauer, du dich

wert."

Da blickte treu und minnig, da sprach der tapfre

Mann:

"Fern sei, was du gedenkest, o hör' mich huldvoll an: In meines Herzens grund haust weder Falsch noch

Arg,

Niemal ich mit dem mund den wahren Sinn verbarg. Kein Späher weilt im saal, nur wir zwei beid' allein, Ich wüsst' ein süss Geheimnis, wollt'st du

verschwiegen sein."

Da stürzte ihm zu Füssen Hiltgund und weint' und

sprach:

"Wohin du mich berufest, o Herr, ich folge dir nach." Er hob sie auf mild tröstend: "Ich bin der Fremde

müd',

Ein süsses Heimatsehnen die Seele mir durchglüht, Doch ohne Hiltgund nimmer steht mir zur Flucht

mein Sinn,

So du zurückebliebest, des schöpft' ich Ungewinn." Da lacht' sie in die Tränen: "O Herr, du sprichst mit

Fug

Das Wort, das ich seit Jahren geheim im Busen trug, Gebiete denn die Flucht, mit dir will ich sie wagen, Durch Not und Fährlichkeit muss uns die Liebe

tragen."

Und weiter sprach Waltari, doch flüsternd nur,

nicht laut:

"Dieweil sie dir zu hüten den Hunnenschatz vertraut, So stell' des Königs Helm mir und Waffenhemd

zurück

Und seinen Riemenpanzer, des Schmiedes

Meisterstück.

Dann fülle du zwei Schreine mit Spangen und Gold

zu Hauf,

Dass du sie kaum vom Boden zur Brust magst heben

auf,

Auch sollt du mir beschaffen vier Paare starker

Schuh',

Der Weg wird langgleichviele richt' für dich

selber zu;

Darüber magst du weiter kostbar Gefäss verpacken, Beim Schmiede aber heische krummspitze

Angelhaken,

Du wirst auf unsern Fahrten erschauen deinen

Gesellen,

Wegzehrung uns gewinnen mit Fischen und

Vogelstellen.

Dies all sei vorbereitet heute über sieben Tage, Da sitzt mit seinen Mannen der König beim Gelage Und schlafen weinbewältigt sie all' in trunkner

Ruh' ...

Glück auf! dann reiten wir dem Land im Westen zu!" Die Stunde kam des Schmauses. Mit Tüchern

mannigfalt

Verhänget war die Halle. Eintrat Herr Etzel bald, Er setzte auf den Tron sich, den Woll' und Purpur

deckt,

Auf hundert Polstern rings die Hunnen lagen

gestreckt.

Schier beugten sich die Tische den speisen sonder

Zahl,

Viel süsser Labtrank dampfte im güldenen Pokal, Mit bunten Fähnlein waren die Schüsseln ausgeziert, So hub die Mahlzeit anWaltari machte den Wirt. Und wie der Schmaus zu Ende, die Tische

weggeräumt,

Da sprach zu König Etzel Waltari ungesäumt: "Nun, edler Herr und König, erteilt uns Euren Segen, Dass alle hier im saal der Zechlust mögen pflegen." Der Humpen allergrössten reicht er ihm knieend dar, Darauf aus alten Mären manch Bild geschnitzet war. Da lacht' der alte Zecher: "Fürwahr, Ihr meint es gut, Als wie ein Meer im Sturme entgegenschäumt mir die

Flut."

Doch sonder Zagen stand er, ein Fels am wogenden

Strand,

Und lüpft' den Riesenhumpen und wiegt' ihn in der

Hand,

Und trank mit tapferm zug ihn bis zum grund leer Und macht' die Nagelprobe. Da floss kein Tropfen

mehr.

"Jetzt tut mir's nach, ihr Jungen!" so rief der alte Held, Da war ein lobwert Beispiel den andern aufgestellt. Hurtig und hurtiger, dem Winde gleich, dem

schnellen,

Sah man den Saal durchrennen den Mundschenk samt

Gesellen.

Sie nahmen die Pokale, sie füllten sie aufs neu', Da hub sich in dem saal ein scharfes Weinturnei. Bald lallte manche Zunge, die sonst viel Ruhm

gewann,

Bald wankte in den Knieen manch heldenkühner

Mann;

Es kam die Mitternacht, noch zechten sie und sungen, Dann sanken sie zur Beute dem Schlafe,

weinbezwungen.

Und hätt' Waltari jetzt die Burg in Brand gesteckt