1855_von_Scheffel_157_144.txt

Verbannung die Perle von Burgund. Wie dort Vertrag und Bündnis geordnet war zum

besten,

Entführte König Etzel sein reisig Volk gegen Westen. Im Land der Aquitanen herrscht Alpher, der strenge

Mann,

Dem wuchs ein Sohn Waltari im Jugendschmuck

heran.

Herrich und Alpher hatten sich manch einen Boten

geschickt

Und sich mit feierlichem Eidschwur einand verstrickt: Sobald die Zeit des Freiens dereinst sich stellet ein, So sollen unsre Kinder ein fröhlich Brautpaar sein.

Betrübt sass König Alpher jetzt bei der Hunnen Not: "O weh mir, dass ich Alter nicht finde Schwertes

Tod

Ein schlechtes Beispiel gaben Burgund und

Frankenland,

Jetzt muss ich gleiches tun, und ist doch eine Schand'. Ich muss Gesandte schicken und Friede heischen und

Bund,

Und muss den eignen Sprossen als Geisel stellen zur

stunde'."

So sprach der strenge Alpher, und also ward's getan, Mit Gold belastet traten die Hunnen den Rückzug an, Sie führten Waltari und Hiltgund und Hagen in

sichrer Hut

Und grüssten wildfroh jauchzend die heimische

Donauflut.

Nachdem nun König Etzel der Heimat sich erfreut, Pflegt er die fremden Kinder mit grosser Biederkeit, Wie seine eignen Erben liess er sie auferziehn, Die Jungfrau anempfahl er der Königin Ospirin. Die jungen Recken aber behielt er scharf im Auge, Dass jeder zu des Krieges und Friedens Künsten

tauge.

Die wuchsen auch an Jahren und Weisheit wohl

heran,

Ihr Arm bezwang den stärksten, ihr Witz den

witzigsten Mann.

Derwegen liebt der König die beiden Knaben sehr Und schuf sie zu den ersten in seiner Hunnen Heer. Es ward mit Gottes Beistand auch die gefangene

Maid

Der trutzigen Hunnenfürstin ein' wahre Augenweid', An Tugend reich und Züchten, so ward Hiltgund

zuletzt

Als Schaffnerin dem Schatze der Hofburg vorgesetzt. Und wenig fehlte nur, so war sie in dem Reich Die höchstewas sie wünschte, erfüllt ward's

allsogleich.

Derweil starb König Gibich, ihm folgte Gunter

sein Sohn,

Der brach das Hunnenbündnis und weigert den Zins

mit Hohn,

Die Kunde kam geflogen zu Hagen in der Fern', Da nahm er nächtlich Reissaus und floh zu seinem

Herrn.

Am Tag, da er verschwunden, erfreute sich nur wenig Frau Ospirin und listig sprach sie zu Etzel dem

König:

"O königliche Weisheit, habt Acht, habt scharfe

Acht,

Dass unsres Reiches Säule zu Fall nicht werde

gebracht,

Ich fürchte, auch Waltari, der Hunnen bester Held, Sucht wie der schlaue Hagen, sein Freund, das weite

Feld.

Ihr müsst ihn sesshaft machen, durch süsse Bande und

Haft,

Ihr müsst mit solchen Worten bereden Waltaris

Kraft:

'Du trugst in unserm Dienste viel Müh' und

Fährlichkeit,

Drum merk', wie dein Gebieter huldvollen Dank dir

beut,

Der Hunnentöchter beste sollst du zum Weib erkiesen Und reich an Land und Ehren verdienter Ruh'

geniessen.

Und was du gehrst an Gute, umsonst nicht sei dein

Bitten,

Gewährt sei volles Mass dir, du hast es wohl

erstritten.'"

Das Wort gefiel dem König, es deucht' ihm fein

und schlau,

Es weiss in derlei Dingen das Weiseste stets die Frau. Der König jung Waltari mit solchem Rat

empfing,

Doch dessen Dichten auf ganz andre Dinge ging, Er merkte, dass ihm Etzel die Wege wollt' verlegen, Drum kam dem Prüfenden ablenkend er entgegen: "O Fürst, was ich getan, ist grossen Ruhmes ledig, Dass Ihr so hoch es anschlagt, ist huldvoll zwar und

gnädig,

Doch muss ein Weib ich wählen nach Eurem

Machtgebot,

werde' ich umstrickt von sorge und süsser Minne Not. Da muss ein Haus ich zimmern und muss den Acker

baun,

Ich kann des Herren Auge nur selten wiederschaun. Und wer der Lieb' gekostet, dem fehlet Kraft und

Stärke,

Mit Freuden obzuliegen dem edlen Kriegsgewerke. Nichts Süsseres auf Erden, als hold gewärtig und treu Dem Diensterrn überall folgen, drum bitte' ich, lasst

mich frei.

So Ihr am späten Abend, so Ihr in Mitternächten Befehl schickt, bin ich willig, wo Ihr nur wollt, zu

fechten.

Mir soll im Schlachtenwetter nicht Sorg' um Kind und

Weib

Die Blicke rückwärts wenden und lähmen meinen

Leib.

Bei Eurem Leben fleh' ich, bei Eurem tapfern Land: Lasst mir die Hochzeitsfackel, o König, ungebrannt." Da weichte Etzels herz, das Wort behagt' ihm

sehr,

Er sprach getrost: "Waltari entfleucht mir

nimmermehr."

Inzwischen hatte sich ein fernes Volk empört,

Da ward des Schwertes Schneide gegen diesen Feind

gekehrt,

Da wurde jung Waltari zum Feldhauptmann

gemacht,

Und dauerte nicht lange, so schlugen sie die Schlacht. Vorwärts drang ihre Heerschar als wie ein spitzer

Keil,

Es zitterten die Lüfte von wildem Schlachtgeheul. Hellauf klang die Drommete, die Speere flogen wild, Aufleuchtet's wie ein Blitzstrahl von manch

gespaltnem Schild,

Und wie bei Nordsturms Sausen ein dichter Hagel

fällt,

So ward zahlloser Pfeilschwarm herüber hinüber

geschnellt.

Dann ging's zum Handgemenge, gezogen ward das

Schwert,

Da lag zerspellten Hauptes manch ein gewappnet

Pferd,

Da lag zerspellten Hauptes beim Schild manch fester

Ritter.

Hei, wie das Feld durchmähst du, Waltari, tapfrer

Schnitter!

Als stünd' mit seiner Sense der Tod leibhaft im Streit, So schauten ihn zag die Feinde bei seiner Blutarbeit. Zur Linken und zur Rechten, wohin er sich gewendet, Hub sich ein jähes Flüchten, so ward der Kampf

geendet,

Dem Hunnenvolke war