näher, Fackelglanz brennenden Kienspans; eine hochgeschürzte Maid trug die einfache Leuchte. Er sprang auf. Unerschrocken stand sie vor ihm und sprach: "Gott willkommen!"
Es war ein keck halbwildes Wesen von gelblicher Hautfarbe und sprühenden Augen, aus den Flechten des dunkelschwarzen Haares glänzte eine schwere silberne Nadel in Form eines Löffels, der geflochtene Korb auf dem rücken und der Alpstock in der Rechten bezeichnete die Bewohnerin der Berge.
"Heiliger Gallus beschirme mich vor neuer Versuchung!" dachte Ekkehard, aber sie rief vergnügt: "Gott willkommen noch einmal! Der Vater wird recht froh sein, dass wir einen neuen Bergbruder haben. Man merkt's an der wenigen Milch der Kühe, sagt er immer, dass der alte Gottschalk tot ist."
Es klang nicht wie die stimme eines weiblichen Dämon.
Ekkehard war noch schlaftrunken. Er gähnte. "Vergelt's Gott!" sprach die Maid. "Warum vergelt's Gott?" fragte er.
"Weil Ihr mich soeben nicht verschluckt habt!" lachte sie, und eh' er weiter fragen konnte, woher und wohin, sprang sie mit dem Kienspan zurück und verschwand in der Höhle.
Bald kam sie wieder. Ein graubärtiger Senn, in eine Decke von Lämmerfell gehüllt, folgte ihr.
"Der Vater will's nicht glauben!" rief sie Ekkehard entgegen.
Bedächtig schaute der Hirt auf den fremden Gast. Er war ein rauher Mann, der einst in grüner Jugendzeit beim alterkömmlichen Kraftspiel des Steinstossens den hundertpfündigen Feldstein wohl über zwanzig Schritte weit von sich geschleudert, ohne einen Fuss zu verrücken; sein gebräuntes Antlitz und seine sehnigen nackten arme waren jetzt noch Denkzeichen alter ungeschwächter Kraft.
"Ihr wollt unser Bergbruder sein?" sprach er gutmütig zu Ekkehard und reichte ihm die Hand. "Recht so!"
Ekkehard war verlegen ob der wilden Erscheinung.
"Ich gedachte den Bruder Gottschalk zu besuchen", erwiderte er.
"Beim Strahl! da kommt Ihr zu spät", sprach der Senn. "Der hat sich verfallen im vorigen Herbst258, es war eine böse geschichte. Schaut auf!" er wies ihm eine Felswand in die Tiefe, – "auf jenen Hang ist er ins Laubsammeln gegangen, ich hab' ihm selber geholfen: da fuhr er auf einmal empor, als hätt' ihn eine Schlange gebissen, gegenüber auf den hohen Kasten hat er gedeutet, 'Heilige Anastasia', rief er, 'du bist wieder ganz und stehst auf beiden Füssen und winkst mit beiden Armen!' ... auf und davon ist er gesprungen, als wär' zwischen dem Fels unten und dem hohen Kasten drüben kein Tal und kein Abgrund, mit kyrie eleison! ging's in die greuliche Tiefe – Gott hab' ihn selig! Aber erst im heurigen Frühjahr haben wir den Leichnam gefunden, zerklemmt in den Felsen, und die Lämmergeier waren drüber und haben einen Arm und ein Bein vertragen, kein Mensch weiss wohin ..."
"Mach' ihm keine Angst!" sprach die Maid und stiess den Sennen an.
"Deswegen mögt Ihr Euch doch bei uns festsetzen", sprach der Senn. "Ihr bekommt, was wir dem Gottschalk gaben, Milch und Käs und drei Ziegen in den Stall, die mögen grasen, wo sie wollen. Im Notfall mögt Ihr auch mehr heischen, wir hier oben sind keine Geizkrägen und Musmehlspalter. Ihr predigt uns dafür an den Sonntagen und sprecht den Segen über Alm und Weiden, dass Wetter und Bergsturz kein Verderb bringen, und läutet die Tagszeit."
Ekkehard sah zweifelhaft in den starren Höhlenraum. Es tat ihm wunderwohl, Menschen in der Nähe zu wissen, aber rätselhaft war's, woher sie kamen. "Sind Eure Almen in des berges Tiefe?" fragte er lächelnd.
"Er weiss nicht, wo die Ebenalp steht!" sprach das Hirtenkind mitleidig. "Ich will's Euch zeigen!"
Ihr Kienspan brannte noch.
Sie wandte sich dem inneren der Höhle zu, die Männer folgten ihr. Da ging's durch enge dunkle Wölbung ins Innere des berges, niedergestürztes Gestein sperrte den Pfad, oft mussten sie gebückt weiter kriechen. Scharfe rötliche Streiflichter zuckten auf den Kanten der Wände, – dann fiel fahler Schimmer des Tages herein. Es ging in die Höhe, dort öffnete sich ein Ausgang. Die Hirtin stiess ihren Span an die seltsam geformten Tropfsteingebilde, die von der Decke niederhingen, dass er erlosch ... noch etliche Schritte, und sie stunden auf weiter herrlicher Alp.
Würziger Duft von Alpenpflanzen umströmte sie, da blühte Mannstreu und Knabenkraut und blauer Eisenhut, der prächtige Alpenschmetterling Apollo mit dem rotleuchtenden Auge auf den Flügeln wiegte sich über den Blumenkelchen – nach enger Höhlennacht erquickte ein weites, unendliches Rundbild den blick.
Noch lag der Frühnebel in den Tälern, schwer, unbeweglich, zusammengeballt, als hätte überall ein gewaltiges Meer geströmt, und wäre im Augenblick, da es zu sprühendem Schaum aufwogte, versteinert worden; aber klar und scharf schnitten die Häupter der Berge ihren Umriss in das tiefe Blau der Himmelsdekke, wie riesige Inseln dem Schoss des Nebelmeers entsteigend. Auch der Bodensee war umnebelt, in leisem Duft türmten sich die Reihen der fernen Gebirge an rätischer Landmark mit ihren zackigen Felshörnern übereinand. Friedlich tönte weidender Herden Geläut von den Halden herauf. In Ekkehards Gemüt klang es wie ein stolz demütiges Morgengebet.
"Ihr bleibet bei uns", sprach der alte