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es wohl sein mocht', was spottest du jetzt des heimatlosen Mannes? An des Kaisers hof ist edler Herzoge und Fürsten eine grosse Zahl: nie gedachte deine Frau der Rede."

Und als Herlindis ihm minniglich zuredete, sagte Herr Dietrich: "Hier sind der Merker so viele; wer seine Ehr' behalten will, muss wohlgezogen tun; Konstantinus möchte' mir das Reich verbieten. Darum wär' es misshellig, so ich deine Frau sehen wollte. Vermelde ihr das, so sehr ich ihr zu dienen begehre.

Herlindis wollte von dannen gehen, da hiess der König seine Goldschmiede zwei Schuhe giessen von Silber und zwei von Golde, und schenkte ihr von jedem Paar einen, dazu einen Mantel und zwölf güldene Spangen, denn er war artigen Gemütes und wusste, dass man einer Fürstin Kammerfrau, die in Sachen der Minne Botengang tut, wohl ehren soll.'"

... Praxedis hielt eine Weile an, denn Herr Spazzo, der seit einiger Zeit mit seines Schwertes Scheide viel grossnasige Gesichter in den Sand gezeichnet, hatte ein vernehmlich Räuspern erhoben. Da er aber keine weitere Einsprache tat, fuhr sie fort:

"'... Und Herlindis sprang fröhlich heim und sprach zu haus zu ihrer Herrin: "Hart und fleissig pflegt der gute Held seiner Ehren, ihm ist des Kaisers Huld zu lieb. Aber schauet her, wie er mir liebes tat; die Schuhe, den Mantel, die zwölf Spangen: o wohl wir, dass ich zu ihm kam! Ich mag wohl auf der weiten Erde keinen schöneren Ritter erschauen. Gott verzeih' mir, dass ich ihn angaffete, als wär' er ein Engel."

"O weh mir!" sprach die Kaiserstochter, "soll ich denn nimmermehr selig sein? So sollst du mir zum mindesten die Schuhe geben, die dir des edlen Degens Huld verlieh, ich füll' sie dir mit Golde."

Da ward der Kauf geschlossen: sie zog den güldenen Schuh an und nahm auch den silbernen, doch der ging an denselben Fuss. "O weh mir!" klagte die Holde, "es ward ein Missgriff getan, ich bring' ihn nimmer an, du musst wiederum gehen und Herrn Dietrich bitten, dass er dir den andern gebe und selber komme."

"Das wird die Lästerer freuen", lachte Herlindis. "Was tut's? Ich gehe" – und sie hob ihr Gewand schier bis ans Knie und schritt, als hätte sie fraulichen Ganges vergessen, über den regenfeuchten Hof zu Dietrich. Und der werte Held wusste wohl, warum sie kam, er tat aber, als sähe er's nicht. Herlindis sprach zu ihm: "Ich muss noch mehr Botengänge tun, es ist ein Missgriff geschehen: jetzt heisst dich meine Herrin mahnen, dass du den andern Schuh gebest und sie gesehest selber." – "Hei, wie tät ich's gerne", sprach er, "aber des Kaisers Kämmerer werden mich melden." – "O nie!" sagte Herlindis, "die tummeln sich im Hof und schiessen den Speerschaft, nimm du zwei Diener und heb' dich leis mir nach, bei Schall und Kampfspiel misset dich keiner."

Jetzt wollte die Getreue von dannen gehen. Doch

der Held sprach: "Ich will erst nach den Schuhen fragen." Da rief Asprian draussen: "Was liegt an einem alten Schuh? Viel tausend haben wir geschmiedet, die trägt das Ingesind; ich will den rechten suchen." Und er brachte ihn, und Dietrich schenkte der Kammerfrau wiederum einen Mantel und zwölf Spangen.

Da ging sie voraus und kündigte ihrer Herrin die

erwünschte Märe. Herr Dietrich aber hiess im Hippodromushofe einen grossen Schall anheben und hiess die Riesen ausgehen; da fuhr Widolt mit der Stange heraus und gebärdete sich schreckentlich, und Asprian schlug einen Purzelbaum in die blaue Luft, und Abendrot warf einen ungefügen Stein von viel hundert Pfunden und ersprang ihn zwölf Klafter weit, so dass keiner der Merker Herrn Dietrich wahrnehmen mochte.

Der ging züchtiglich über den Hof. Am Fenster er

schaute ihn die harrende Kaisertochter, da schlug ihr Herz, und die Kemenate ward ihm aufgetan und sie sprach zu ihm: "Willkomm', edler Herr! wie sehe' ich Euch gerne. Nun sollt Ihr mir die schönen Schuhe selber anziehen."

"Mit Freuden!" sprach der Held "und setzte sich zu ihren Füssen, und sein Gebaren war gar schön, und sie stellte ihren Fuss auf sein Knie, der Fuss war zierlich und die Schuhe passten wohl, da fügte sie Herr Dietrich ihr an."

"Nun sage mir, vieledle Jungfrau", begann drauf der Listige, "dich hat sicher schon gebeten manch ein Mann, du sollest zu seinem Willen stahn, welcher unter allen hat dir am besten gefallen?"

Da sprach des Kaisers Tochter ernstaft: "Herr! auf die Seele mein, so wahr ich getauft bin, so man alle Recken der Welt zusammenstehen hiesse, es möchte keiner wert sein, dein Genosse zu heissen. Du bist der Tugend ein auserwählter Mann, – und doch, so die Wahl bei mir stünde, so nähme ich einen Helden, des muss ich denken mit jedem neuen Tag; seine Boten hat er ausgeschickt, um mich zu werben, die liegen jetzt in tiefem Kerker. Er heisst Roter und sitzt über dem Meerwird mir der nicht,