er seinen Reichsapfel zu Boden und sprach: "Um meine Tochter hat noch keiner geworben, der nicht den Kopf verloren, was bringt Ihr mir solchen Schimpf über das Meer? Ihr seid alle gefangen!" Und liess sie in einen Kerker werfen, da schien weder Sonne noch Mond drein, und bekamen nur wasser, sich zu laben, und weinten sehr.
Wie die Kunde zum König Roter kam, da ward ihm sein Herz sehr traurig und er sass auf einem Stein und sprach zu niemand. Dann fasste er den Entschluss, in Reckenweise über Meer zu fahren, um seinen getreuen Sendboten beizuspringen. Und er war verwarnt vor den Griechen, dass man dort die Wahrheit übergülden müsse, so man etwas beschaffen wolle, darum hiess er seine Recken eidlich angeloben, dass sie alle vorgäben, er heisse nicht Roter, sondern Dietrich, und sei landflüchtig vor dem König Roter und gehre Hilfe bei dem Griechenkaiser. Also fuhren sie über Meer.
Und Roter nahm seine Harfe an Schiffes Bord, denn bevor seine zwölf Gesandten die Anker gelichtet, war er mit der Harfe an den Strand gekommen und hatte drei Singweisen gegriffen, das sollte ihnen ein Angedenken sein: und kommet ihr je in Not und höret die Weisen erklingen, so ist Roter helfend euch nah!
Es war ein Ostertag und der Kaiser Konstantin war nach dem Hippodrom ausgeritten, da hielt Roter seinen Einzug. Und alle Bürgersleute von Konstantinopel liefen zusammen; das war noch nie erschaut, denn Roter brachte auch seine Riesen mit sich: der erste hiess Asprian und trug eine Stahlstange, die war vierundzwanzig Ellen lang, der zweite hiess Widolt und war so wildwütig, dass sie ihn in Ketten mitführen mussten, der dritte hiess Abendrot.
Und viel tapfere Degen kamen mit Roter geritten, und zwölf Wagen mit Schätzen fuhren an, und war solche Pracht, dass die Kaiserin sprach: "O weh, wie dumm sind, wir gewesen, dass wir unsere Tochter dem König Roter versagten; was muss der für ein Mann sein, der solche Helden vertreibt über die Meere!"
König Roter trug einen güldenen Harnisch und einen purpurnen Waffenrock und zwei Reihen schöner Ringe am Arm und beugte sein Knie vor dem Griechenkaiser und sprach: "Mich Fürsten Dietrich hat ein König in Acht getan, der heisst Roter, nun ist alles, was ich gearbeitet, zu meinem Schaden. Ich biet' Euch meine Dienste an".
Da lud Konstantinus die Helden alle zum Hippodromushof und hielt sie in hohen Ehren und hiess sie zu Tisch sitzen. Es lief aber da ein zahmer Löwe herum, der gewohnt war, den Knechten das Brot wegzufressen. Der kam auch an Asprians Teller, ihn aufzulecken. Da griff Asprian den Löwen an der Mähne und warf ihn an des Saales Wand, dass er zerbrach. And die Kämmerer sprachen zueinand': "Wer nicht an die Wand fliegen will, lasse dieses Mannes Teller unberührt".
König Roter aber teilte den Griechen viel schöne Geschenke aus; jedem, der ihn auf der Herberge besuchte, hiess er einen Mantel verehren oder ein Stück Gewaffen. Es kam auch ein landflüchtiger Grafe daher, dem schenkte er tausend Mark Silber und nahm ihn in Dienst, also dass viel hundert Ritter in sein Gefolge traten. So war in aller mund des vermeinten Dietrichs Preis, und unter den Frauen hob sich ein Wispern und Raunen, es war keine Kemenate, dass die Wände nicht Herrn Dietrich rühmen hörten.
Da sprach die goldlockige Kaiserstochter zu Herlindis, ihrer Kammerfrau: "O weh mir! wie soll ich es anfangen, dass ich desselben Herren ansichtig werde, den sie alle preisen?"
Herlindis aber entgegnete: "Nun bitte deinen Vater, dass er ein Freudenfest gebe am hof und den Helden dazu lade, so magst du ihn am besten ersehen".
Die Kaiserstochter tat nach Herlindis' Rat und Konstantinus nickte ihr zu und entbot seine Herzoge und Grafen zum Hippodromushofe und die fremden Helden dazu. All' die Geladenen kamen, da hob sich ein unsäglich Gedränge um den, den sie Dietrich nannten, und wie die Kaisertochter mit ihren hundert Frauen eintrat, geziert mit güldener Krone und goldund zyklatgesticktemA2 Mantel, brach gerade ein ungefüger Lärm aus: Asprian, den Riesen, hatte ein Kämmerer auf seiner Bank rücken geheissen, dass andere Leute auch Platz bekämen, da schlug Asprian dem Kämmerer einen Ohrschlag, dass ihm der Kopf entzweibrach, und es gab ein bös Durcheinander, so dass Dietrich Ruhe stiften musst'.
Darum konnte die Kaiserstochter des Helden nicht ansichtig werden und hätte ihn doch so gern gesehen.
Da sprach sie daheime wieder zu Herlindis: "O weh mir, nun hege ich Tag und Nacht Sorgen und habe keine Ruh', bis meine Augen den tugendsamen Mann erschaut. Der möchte' einen schönen Botenlohn verdienen, der mir den Helden zur kammer führen wollt'."
Herlindis aber lachte und sprach: "Den Botengang will ich in Treuen tun, ich geh' zu seiner Herberg'." Und die Vielschlaue legte ihr zierlichstes Gewand an und ging zu dem Herrn Dietrich. Der empfing sie frömmiglich und sie setzte sich viel nahe zu ihm und sprach ihm ins Ohr: "Meine Herrin, des Kaisers Tochter, entbeut dir viel holde Minne; sie ist der Freundschaft zu dir Untertan, du sollst dich aufmachen und hingehen zu ihr."
Aber Dietrich sprach: "Frau, du sündigest dich. Ich bin in andern Tagen zu mancher Kemenate gegangen, da