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Herr Spazzo hielt eine Weile an und warf einen blick auf den Tisch, wie einer, der sich nach einem Trunk Weines umschaut, trockene Lippen zu feuchten. Aber es war keiner zur Hand und man verstand den blick nicht. Da fuhr er fort:

"'Woher der Weland gekommen', sprach der Mann von Gotensass damals zu mir, 'ist hierlands nicht bekannt. Sie sagen, in nordischen Meeren, im Land Schonen sei der Riese Vade sein Vater gewesen, seine Grossmutter aber eine Meerfrau, die kam aus der Tiefe, wie er geboren ward, und sass eine lange Nacht auf der Klippe und harfte: jung Weland muss ein Schmied werden! Da brachte Vade den Jungen zu Mimer, dem Schmiedungsverständigen, der hauste im dunkeln Tann zwanzig Meilen hinter Toledo und lehrte ihn viel mannigfache Kunst. Wie er aber sein erst Schwert geschmiedet, hiess ihn Mimer selber weiter ziehen, auf dass er die letzte Meisterschaft bei den Zwergen erringe. Und Weland ging zu den Zwergen und gewann viel Ruhm.

Da brachen die Riesen ins Zwergenland, dass Weland weichen musste, und blieb ihm nichts als sein breites Schwert Mimung, das schnallte er über den rücken und kam ins Land Tirol. Zwischen Eisack, Etsch und Inn aber sass dazumal der König Elberich, der nahm den Weland freundlich auf und wies ihm die Waldschmiede zu am Brenner, und Eisen und Erz und was sonst in des Gebirges Adern verborgen ruht, sollte all des Weland sein.

Und dem Weland ward's wohl und fröhlich ums Herz in den Tiroler Bergen; die Wildwasser rauschten zu ihm heran und trieben das Radwerk, der Sturm blies ihm das Herdfeuer an und die Sterne sprachen: wir müssen uns anstrengen, sonst glänzen die Funken, die Weland schlägt, heller denn wir.

So gedieh Welands Arbeit wohl. Schildesrand und Schwert, Messer und Pokal und was an Kleinod eines Königs Hofburg ziert, wirkte der Sinnige, und war kein Schmied, so weit die Sonne auf Alpenschnee glänzt, sich mit Weland zu messen. Elberich aber hatte viel böse Feinde, die einten sich und setzten den einäugigen Amilias zu ihrem Führer und brachen ins Land ein. Und Elberich trug grosses Herzeleid und sprach: "Wer mir des Amilias Haupt brächte, mein einzig Töchterlein sollt' ihn dafür küssen als Ehgemahl!" Da löschte Weland sein Schmiedfeuer, schnallte sein breites Schwert Mimung um und zog aus gegen Elberichs Widersacher. Und das Schwert war brav und schlug dem Amilias das Haupt ab, dass aller Feind über Joch und Klausen heimlief. Weland aber brachte seinem König das Haupt. Da sprach der zürnend: "Was ich von meiner Tochter angelobet, das hat der Wind verweht; ein Schmied kann nicht mein Sohn sein, des würden meine hände russig, wenn er den Gruss mir bieten wollt'. Aber als Lohn sollst du drei Goldpfennige haben, dafür kann ein Mann turnieren und stechen, reigen und tanzen, zieren und pflanzen und eine Dirne sich kaufen am Markt." Weland warf ihm die drei Goldpfennige vor die Füsse, dass sie unter den Tron rollten, und sprach: "Behüt' Euch Gott, auf Nimmerwiedersehen!" und wandte sich, aus dem land zu gehen. Der König aber wollte den Schmied nicht missen, darum liess er ihn niederwerfen und die Sehnen am Fuss durchschneiden, dass er hinkend ward und ungemut und des Fliehens vergessen musst'.

Und Weland schleppte sich traurig in die Waldschmiede heim und zündete sein Feuer wieder an, aber er pfiff und sang nimmer, wenn er mit schwerem Hammer das Eisen schlug, und sein Gemüt ward ingrimmig. Da kam einsmals des Königs Sohn, der war ein rotwangiger Knab' und war allein in den Wald gezogen und sprach: "Weland, ich will dir zuschauen." Da sprach der Schmied tückisch: "Stell' dich an Amboss, so schaust du alles am besten", – und zog die glühende Eisenstange aus den Flammen und stiess sie dem Königsknaben durchs Herz. Sein Gebein bleichte er und goss um die Knochen viel Erz und Silber, dass sie zu Säulen der Leuchter wurden, um den Schädel aber fügte er einen Goldrand, da ward der Schädel zum Becher. All dies aber sandte Weland dem Elberich, und wie die Boten geritten kamen und nach dem Knaben fragten, sprach er: "Ich sah ihn nimmer, er ist zu Wald gerannt."

Zu selber Zeit erging sich des Königs Tochter in ihrem Garten, die war so schön, dass sich die Lilien vor ihr neigten. Am Zeigefinger trug sie einen Ring von Gold, gestaltet wie eine Schlange, und ein Karfunkel blitzte im Schlangenhaupt, den hatte Elberich selbst eingefügt und hielt den Ring teurer als ein Königreich und schenkte ihn seiner Tochter nur, weil sie in ihrer Schöne ihm über alles lieb war. Dieweil sie aber eine Rose pflückte, sprang der Ring von der Jungfrau Finger und hüpfte mit hellem Schein über das Gestein und zerbrach; und der Karfunkel fiel aus der güldenen Fassung, dass die Maid die hände rang und bitterlich wehklagte und sich nicht traute heimzugehen, denn sie fürchtete ihres Vaters Zorn.

Da sprachen die dienenden Frauen: "Geh' heimlich zum Schmied Weland, der weiss Rat dafür." So trat die Königstochter in Welands Schmiede und klagte ihre Not. Der nahm den Ring und fügte ihn zusammen und schmolz Gold und Erz und der Karfunkel blitzte wieder im Schlangenhaupt. Aber Welands Stirn war tief gefurcht, und wie