"die Wetterhexe, die Wolkentrude! Die sollte ihren Rock nicht umsonst über den Schlangenhof ausgeschüttet haben ... Dass ihr die Zunge im Mund verdorre!"
"Braucht's eine Hexe zu sein?" sagte der Grossknecht. "Seit das Waldweib am Krähen drüben landflüchtig worden, lässt sich keine mehr gespüren."
"Schweig!" schalt der Klostermeier grimmig, "bis du gefragt bist."
Der Knecht blieb stehen, er wusste, dass es noch an ihn kommen werde. Sie schwiegen eine Zeit. Dann fuhr ihn der Alte an: "Was weisst?"
"Ich weiss, was ich weiss", sagte der Knecht pfiffig.
Sie schwiegen wiederum eine Weile. Der Klostermeier hatte zum Fenster hinausgeschaut, die Ernte war vernichtet. Er wandte sich.
"Sag's!" rief er.
"Habt Ihr die Wetterwolke gesehen", sprach der Knecht, "wie sie übers Dunkel hingefahren ist? Was war's? Das Nebelschiff war's! Es hat einer unser Korn den Nebelschiffern verhandelt ..."
Der Klostermeier schlug ein Kreuz, als wollt' er ihm die weitere Rede wehren.
"Ich kenn's von meiner Grossmutter her", fuhr der Knecht fort. "Die hat's im Elsass drüben oft erzählen hören, wenn das Wetter über den Odilienberg sauste. Aus dem Land Magonia kommt's hergesegelt, das Nebelschiff, weiss über die schwarzen Wolken, Fasolt und Mermut sitzen drinnen, die hageln die Körner aus den Halmen, wenn ihnen der Wetterzauberer Macht drüber gegeben, und heben unser Getreide ins Luftschiff hinauf und fahren wieder heim nach Magonia und zahlen einen guten Lohn213. Das Nebelschiff rufen, trägt mehr ein, als Messe lesen; uns aber bleiben die Hülsen."
Der Klostermeier ward nachdenklich. Dann griff er den Knecht am Kragen und schüttelte ihn.
"Wer?" rief er heftig.
Der Knecht aber legte den Finger auf den Mund. Es war späte Nacht geworden.
In der gleichen Frühstunde, da Cappan dem Ekkehard begegnet war, ging der Klostermeier mit dem Grossknecht über die Felder, den Schaden zu beschauen. Sie sprachen kein Wort. Der Schaden war gross. Aber das Land jenseits war minder verheert, als ob die Eichen des Waldes eine Grenzscheide für Einschlag des Hagels gezogen. Auf dem nahen Grundstück trieb Cappan seine Arbeit. Er hatte das Stellen der Fallen beendet und gedachte eine Weile zu ruhen. Er zog aus dem Gürtel ein Stück schwarz Brot und eine Speckseite, die glänzte weich und weiss wie frischgefallener Schnee, und war so schön, dass er mit Rührung seiner neuen Ehefrau gedenken musste, die ihm solche Atzung zugesteckt. Und er dachte an allerlei, was sich seit der Hochzeit zwischen ihm und ihr zugetragen, und schaute sehnsüchtig zu den Lerchen empor, als sollten sie hinüberfliegen zur Kuppe des hohen Stoffeln und ihm Haus und Ehebett grüssen, und es ward ihm so wohl zumut', dass er wieder einen mächtigen Luftsprung tat. Weil sein schlankes Ehgemahl nicht anwesend, gedachte er sich jetzt des langen Weges zur Erde zu legen, um seinen Imbiss zu verzehren, denn daheim hatte er sich immer noch zum Sitzen bequemen müssen, so sauer es ihm auch ward. Da schoss ihm durch den Sinn, dass ihm Friderun zu besserem Segen bei seiner Hantierung einen Spruch gelehrt, das Ungeziefer zu beschwören, und ihm streng aufs Herz gelegt, solchen Spruch nicht zu versäumen.
Sein Frühmahl hätt' ihm nimmer geschmeckt, bevor er dem Befehl gehorchet.
An des Feldes Grenze war ein Stein, drein ein Halbmond gehauen, Frau Hadwigs Herrschaftszeichen. Er trat vor, zog seinen Holzschuh vom rechten Fuss, trat barfüssig auf den Grenzstein und hob die arme nach dem Wald hin. Der Klostermeier und sein Knecht gingen zwischen den Eichen; sie blieben stehen, er sah sie nicht und sprach den Spruch, wie Friderun ihn gelehrt: "Aius, sanctus, cardia cardiani! Maus und Mäusin, Talp und Talpin, Hamster und Frau Hamsterin, lasset das Feld, wie es bestellt; fahrt in die Welt! Fahret hinunter, hinüber ins Moor, Fieber und Gicht lass euch nimmer hervor! Afrias, aestrias, palamiasit214!"
Der Klostermeier und der Grossknecht hatten hinter den Eichen der Beschwörung gelauscht; jetzt schlichen sie näher. "Afrias, aestrias, palamiasit!" sprach Cappan zum zweitenmal, da fuhr ihm ein Schlag ins Genick, dass er zu Boden stürzte, seltsame Laute klangen an des Überraschten Ohr, vier Fäuste arbeiteten sich müd auf seinem rücken, wie Flegel der Drescher in der Scheune215.
"Gesteh's, Kornmörder!" rief der Klostermeier dem Hunnen zu, der nicht wusste, wie ihm geschah, "was hat dir der Schlangenhof für Leids getan, Wettermacher, Mausverhetzer, Teufelsbraten?"
Cappan hatte keine Antwort, ihm schwindelte. Das erzürnte den Alten noch mehr.
"Schau ihm ins auge'!" rief er dem Knecht zu, "ob's trieft und ob's dich verkehrt abspiegelt, den Kopf nach unten." – Der Knecht tat, wie geheissen. Aber er war ehrlich: "Im auge' sitzt's nicht", sprach er.
"So lupf' ihm den Arm!"
Er riss dem Darniedergeschlagenen das Obergewand ab und prüfte den Arm: Wer mit bösen Geistern Verbindung pflog, war irgendwo am Leib gezeichnet. Aber sie fanden kein Fehl an dem Mitleidswerten,