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nach deiner schönen buches?"

"Ja, wenn ich d i e wiederhaben könnt!" rief Friedrich.

"Bruderherz, kannst sie haben! Ich hab dir sie aufgehoben, weil ich wohl gewusst hab, dass du wieder nach ihr fragen wirst."

Sie lachten noch stärker. "Heisst das", setzte Christle hinzu, "bei der Hand hab ich sie nicht, sondern ich hab sie in Gmünd versetzt, aber dort kann ich sie jeden Augenblick wiederhaben. Und damit du siehst, dass ich nicht bloss scharfsinnig, sondern auch ehrlich gegen dich binwie?" unterbrach er sich, zu Jerg gewendet, "was hat er denn zu dem Geld gesagt, das ich ihm für das Gewehr geschickt hab? Hat er mich nichts geheissen?"

"Ei ja, 'n dreiäugigen Spitzbuben."

"Siehst, um das nämlich Geld kannst dein Gewehr wiederhaben. Jetzt geh und heiss mich noch einmal 'n Spitzbuben."

"Bist ein Biedermann", sagte Friedrich.

"Was, du, der best Schütz weit und breit, hast dich zur Ruh setzen wollen? Du könntest's ja vor den Bauern nicht verantworten. Und ein paar Fährten hab ich dir ausgewittert, ich sag nichts, aber das Herz wird dir im Leib lachen. Nun, du kommst doch zu mir und holst die Büchs, dann gehen wir miteinander."

"Aber Geld hab ich keins", sagte Friedrich. "Kannst Haber brauchen und etwas Dinkel?"

"Das führ ich nach Gmünd, freilich, und bring gleich das Gewehr mit zurück."

"Da beim Jerg kannst die Frucht fassen, je eher, je lieber, aber in der Stille muss es sein."

"heute abend noch will ich sie holen. Auf Wiedersehen, du verlorner und wiedergefundener Sohn."

"Der hat gut uneigennützig sein", sagte Friedrich, nachdem jener sich verabschiedet hatte. "Wenn ich eine glückliche Hand hab, so hat er den Vorteil davon und keine Gefahr. Er weiss die beste Schlich im Wald und die beste Schlich im Handel, aber den gefährlichen teil überlässt er andern, und wenn's zum Klappen kommt, so hat er nichts getan. Aber wo ist denn meine Christine?"

"Im Beckenhaus", antwortete Jerg. "Der Bekkenbub hat sie in aller Eil geholt. Ich weiss nicht, was dort los ist. Da kommt sie ja!"

Christine kam atemlos herbei. "Weisst was neu's, Frieder?" rief sie schon von weitem.

"Nu, was denn?"

"Die Resolution ist da, du bist schon seit vierzehn Tag majorenn und weisst nichts davon."

"Was Teufel! Wie kommt denn das, und woher hast denn du's?"

"Von der Dote; die hat mich holen lassen. Aber von wem's die hat, das bringst du nicht raus, und wenn ich dich raten lass, bis die Kuh 'n Batzen gilt."

"Nu, so sag's."

"Die Katrine aus dem Amtaus ist's."

"Was! Das wär!"

"Ja, die Katrine ist zu der Dote geschlichen und hat sie ums Tausendgott'swillen bittet, sie soll sie nicht verraten, aber seit vierzehn Tag sei der Bescheid von Stuttgart da und lieg auf des Amtmanns Schreibtisch. Es hab ihr schier das Herz abdruckt, dass wir nichts davon wissen sollen. Du könnest herzhaft auftreten und die Proklamation verlangen. Aber wenn's rauskäm, dass sie's ausgeschwätzt hat, so wär sie unglücklich."

"Nein, nein, da muss man ganz still sein. Brav ist's von dem Mädle, das muss ich sagen, aber so viel sehe ich auch bei der gelegenheit, dass es keine einem nachträgt, wenn man sie einmal hat küssen wollen."

"So, du Lümple, was muss ich hören? Ist's beim Wollen blieben? Hat sie dich heissen um ein Haus weiter gehen?"

"Ich hab mir nicht Müh gnug geben. Aber was denkt der Amtmann? Getraut sich der, fürstliche Resolutionen zu unterschlagen? Da steckt gewiss die Frau Sonnenwirtin mit unter der Decke. Ich möchte nur wissen, ob mein Vater etwas davon weiss."

"Ja, ja", sagte Jerg vergnügt, "man spricht 's ganz Jahr von der Kirbe (Kirchweih), endlich ist sie." Er ging und liess die beiden allein.

"Wenn ich gestern gewusst hätt, was ich heute weiss", sagte Friedrich, "so hätt mein Vater seinen Dinkel und Haber noch. Jetzt darf ich mein Mütterlich's fordern und brauch dich keine Not mehr leiden zu lassen. Wiewohl, ich will's ihm bei heller und Pfennig zahlen. Aber hätt'st dein Geheul auch noch ein paar Tag unterwegs lassen können."

"Wenn man eben alles wüsst, dann wär man reich", versetzte Christine.

"Und hätt ich's nur eine stunde früher gewusst", fuhr er fort, "dann hätt ich den Handel mit dem Christle nicht gemacht."

"Was hast denn mit dem gehandelt?"

"Meine Büchs will ich wieder von ihm zurückkaufen. Um deinetwillen hab ich sie von mir getan, und um deinetwillen nehm ich sie wieder an mich. Es ist auch so noch immer möglich, dass ich