Mord und Brand gedroht, und letzten Winter ist wieder so ein Geschrei gangen, und ist beidemal kein wahr's Wort dran gewesen. Dasmal wird's vielleicht auch nicht viel besser sein. Sollt ich aber je im Weindampf von den sechzehn Batzen, die mir mein Vater hier vor Konvent vorrechnet, ein solches Wort haben ausgehen lassen, so ist's von da bis zur Tat noch ein weiter Weg. Mein Vater hat mir des Küblers Häusle noch nicht kauft, und ich hab's noch nicht anzünd't. Wenn jedes unnütz Wort, das einer im Zorn fallen lässt, bei Kirchenkonvent angebracht würde, so stünd am ende der ganz Kirchenkonvent da, wo ich jetzt steh."
"Frecher Bub", fuhr sein Vormund auf, "du solltest froh sein, dass dein Vater hat für dich sorgen wollen. Des Küblers Häusle ist noch viel zu gut für dich."
"So klein und schlecht es ist", sagte Friedrich, "so wär ich für meine person damit zufrieden gewesen. Aber der Herr Vetter weiss wohl, in welchem Geruch das Häusle bei dem ganzen Flecken steht, und dass ich mit meiner Christine nicht hineinziehen kann. Ja, wenn mir die Herren den Küblerfritz im Wald wieder ausgraben lassen und lassen ihn auf'm Kirchhof in ein ehrlich's Grab legen, dann will ich in sein Häusle einziehen. Das wär zudem ein Werk, das die Herren verantworten könnten, denn was er auch mit Gottes Zulassung getan hat, er ist fürwahr kein schlechter Mensch gewesen."
"natürlich!" rief der Vormund, "gleiche Brüder, gleiche Kappen." – Der Anwalt und der Heiligenpfleger brachen in ein Gelächter aus, das sie erst nach einem blick auf den Pfarrer und Amtmann wieder dämpften.
"Der Herr Vetter zeigt den richtigen Weg an", versetzte Friedrich. "Wenn ich in das Häusle einzög, so tät mich mancher, wie jetzt der Herr Vetter, dann den neuen Kübler heissen. Nun bleib ich zwar dabei, dass er besser gewesen ist, als man ihn ausgibt, aber darum will ich doch nicht mit meiner Christine in dem Häusle wohnen und so angesehen sein wie der Kübler mit seinem Weib. So wird's gewiss jedem andern auch gehen, und daran können die Herren abnehmen, ob's mein Vater ehrlich mit mir meint, wenn er sagt, er woll mir das Häusle kaufen. Wiewohl, ich glaube gar nicht, dass der Gedank in seinem Kopf gewachsen ist."
"Item", hob der Pfarrer wieder an, "soll Er gesagt haben, Sein Vater henke sein Geld lieber an die Stallmägde, als dass er Ihm helfe."
"Das ist verlogen!" fuhr Friedrich auf. "Mein Vater sollt sich schämen, dass er sich solche Flöh in die Ohren setzen lässt, da er doch recht gut wissen könnt, woher sie kommen."
"Item", fuhr der Pfarrer fort, "habe Er mit Gewalt von Seinem Vater Geld haben wollen, dass Er Dispensation wegen Seiner Minorennität bekomme."
"Ja, das hab ich von ihm haben wollen", fiel Friedrich ein, "und deswegen ist mir das Trinkgeld, mit dem er mich hat abspeisen wollen, viel zu wenig gewesen. Ich weiss nicht, wie's mein Vater und mein Pfleger miteinander haben: wenn ich von dem einen Geld will, so schickt er mich an den andern. Das aber weiss ich, dass ich das Recht hab, meine Minderjährigkeit abzukaufen, damit ich nicht mehr bei meinem Vater um Heiratserlaubnis zu betteln brauch; und wenn ich die Dispensation mit meinem eignen Geld bezahl, so wird niemand, hoff ich, was dawider haben."
"Er soll dabei gesagt haben, wenn Er nur Geld habe, so brauche Er keinen Pfarrer und keinen Amtmann dazu. Summa Summarum klagt Sein Vater, Er folge ihm nicht, schaffe ihm nichts, gehe nur müssig, sei in der Nacht draussen, und erst am Sonntag habe Er gesagt, der Teufel solle das Geschäft holen, Er wolle ihm keine Arbeit mehr tun, er helfe Ihm ja nicht. Es bittet anbei sein Vater, weil er vor Ihm niemals, weder Tag noch Nacht, sicher sei, so möchte man ihm Sicherheit verschaffen vor Ihm und Ihn also verwahren, dass Er sich an niemand vergreifen und niemand schaden könne."
"Mein Vater ist kein Mann, wenn er das behauptet", erwiderte Friedrich. "Ich hab noch nie in meinem Leben Hand an ihn gelegt, ich hab mich nicht einmal, seit ich aus den Bubenjahren herausgewachsen bin, soviel ich auch ursache hätt, an meiner Stiefmutter vergriffen. Vom Schaffen sag ich gar nichts."
"Wie kannst du sagen, dein Vater sei kein Mann!" rief der Vormund.
"Er ist kein rechter Mann, ich behaupt's noch einmal. Er hat mir zugetraut, ich werde mein Mädle betrügen und mein leiblich's Kind verleugnen. Das tut kein rechtschaffener Mann. Dann ist er in der Hand meiner Stiefmutter wie ein Rohr, das im Wind hin und her schwankt: das eine Mal sagt er, er gebe nie seinen Konsens zu meiner Heirat, das andere Mal will er mir des Küblers Häusle dazu kaufen."
"Hat Er das vierte Gebot ganz vergessen", rief der Pfarrer, "dass Er im Beisein Seines Vaters und vor uns so verächtliche