!" erwiderte er, "der Küblerfritz schläft ruhig im Kirnberg draussen und ist froh, dass er vor seiner bösen Ripp Ruh hat. Der lauft nimmer."
"Das mag sein, wie's will, aber mir graust's davor. Und das Haus ist eben einmal unehrlich. Was meinst, was die leute sagen werden, wenn wir drin wohnen? Da wird's heissen: die beiden hat man hineingesetzt, weil das Haus für jedermann sonst zu schlecht gewesen ist und weil man glaubt, dass es mit ihnen ein gleiches ende nehmen wird."
"Du hast den rechten Zipfel erwischt", sagte Friedrich. "Jetzt sehe ich auf einmal in die sache hinein. Das ist ein giftiger Gedank von der Frau Stiefmutter, und der ganz Vorschlag soll gar nichts als ein Pasquill auf mich sein."
Seit diesem Augenblicke sprach Friedrich von dem gegenstand ganz anders. Die wilden Reden, die er gegen die Nachbarn, wenn sie denselben berührten, fallen liess, wurden seinem Vater alsbald wieder hinterbracht, und die Stiefmutter sorgte dafür, dass sie eher gemehrt als gemindert wurden. Hieraus erfolgten neue Auftritte zwischen Vater und Sohn, die sich um so bitterer entluden, da die Verachtung, die der letztere gegen den Urheber seiner Tage hegte, seit er ihn auf der Zumutung betreten hatte, sein Mädchen mit ihrem kind im Stich zu lassen, durch den seinem Gefühl nach in herabwürdigender Absicht gemachten Vorschlag, das Haus des Selbstmörders zu beziehen, noch geschärft worden war. Auch wurde er in seiner Auffassung dieser elterlichen Absicht durch die öffentliche Meinung im Flecken bestärkt, obgleich dieselbe, nach der Weise einer unter jahrhundertlangem Drucke lebenden Bevölkerung, sich nur heimlich zu seinen Gunsten aussprach. Einer um den andern liess sich verlauten: "Es ist doch nicht recht vom Sonnenwirt, dass er seinen eigenen Sohn in die Hütte des Halsabschneiders setzen will, aber ich will nichts gesagt haben." Gleichwohl war ein halbes Dutzend von denen, die so gesprochen hatten, nachher gleich bei der Hand, um über die unbesonnenen Reden des Jähzorns, die er bei solchen Anlässen ausgestossen, Zeugnis gegen ihn abzulegen.
Es war wieder einmal Kirchenkonventssitzung, und die Mitglieder, die etwa insgeheim Freude am Skandal hatten, konnten diesmal ihre Lust wirklich büssen. Vor dem Konvent standen der Sonnenwirt als Kläger und sein Sohn als Beklagter. So weit hatte es die Stiefmutter durch ihre Verhetzungen gebracht. Beide wurden konfrontiert. Der Pfarrer als Vorsitzender des Gerichts hielt dem Sohn in Beisein des Vaters vor: "Sein Vater klagt wider Ihn, dass, nachdem er, wiewohl ungern, sich erklärt, dass er Ihm die Christina Müllerin, mit der Er sich vergangen habe, lassen wolle, und vermeint, er könne bei Ihm dadurch etwas Gutes zuweg bringen, so sei Er nur immer ärger, brauche gegen ihn die allerschnödesten und schimpflichsten Reden, stosse allerhand gefährliche Drohworte gegen ihn, Seinen Vater, wie auch gegen Seine Mutter und andere Leute aus, also dass er niemals in seinem eigenen Haus sicher sei."
"Kann mein Vater sagen, dass ich mich an ihm vergriffen habe?" wendete Friedrich ein.
"Schweig Er still", befahl der Pfarrer, "ich werde die Punkte der Ordnung nach vornehmen." Er kramte, durch die Einrede etwas aus dem Konzept gebracht, eine Weile in seinen Notizen und fuhr dann fort: "Pro primo, so sagt Sein Vater, Er habe Geld von ihm gefordert, und da er Ihm gesagt, Er habe ja erst ein Jahrmarktstrinkgeld von ihm bekommen, sechzehn Batzen, warum Er es vertrunken? So habe Er gesagt, Er habe recht getan, und wenn Er ein grösseres Trinkgeld bekommen hätte, so hätte Er's auch vertan. Ist dem so?"
"Ich muss mich wundern", sagte Friedrich, "dass mein Vater so elende Händel vor Kirchenkonvent bringt. Er weiss wohl, dass ich mehr Geld von ihm verlangt hab und nicht zum Trinken; statt dessen hat er mich mit einem Trinkgeld abfinden wollen, und dem hab ich dann mit guten Freunden sein Recht angetan und hätt's mit einem grösseren auch so gemacht, weil mich ein Lumpengeld nichts geholfen hätt."
"So sagen alle Verschwender", bemerkte der Vormund halblaut.
"Item", fuhr der Pfarrer fort, "wie Er erfahren hat, Sein Vater wolle Ihm des Kühlers Häusle kaufen, habe Er gesagt, der Donner solle ihn erschlagen, wenn er's Ihm kaufe, so zünde Er es an, sollten auch der Nachharn Häuser mit verbrennen, und wenn Sein Vater Ihm nicht dazu helfe, dass Er das Weib bekomme, so wolle Er noch einen grösseren Tuck tun. Das gibt nicht bloss Sein Vater an, sondern ich kann Ihm eine stattliche Reihe von Zeugen stellen, die ich habe kommen lassen und die mir solches bezeuget haben."
"Es sind vermutlich die nämlichen, die mich aufgesteifet haben, ich soll mir's nicht gefallen lassen", antwortete Friedrich. "Was ich im Zorn gesagt hab, weiss ich nicht mehr. Die Reden, die der Mensch im Zorn führt, muss man nicht auflesen, sondern liegen lassen, dann sind's Funken, die schnell wieder auslöschen. Man hat mich schon viel böse Reden führen lassen. Schon damals, wie ich als ein junger Bub vom Gaul heruntergeschossen worden bin, hat man zur Entschuldigung nachher gesagt, ich hab dem Flecken mit